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Politikerin auf Streife : Nachtschicht im Rellinger Polizeirevier

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Grünen-Landtagspolitikerin Ines Strehlau auf Tour

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2015 | 16:00 Uhr

Rellingen/Halstenbek | Die Schutzweste drückt. Ines Strehlau, Grünen-Landtagspolitikerin aus Halstenbek, akzeptiert das. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme. Besonders für den prominenten Gast bei einer Nachtschicht mit Beamten des Rellinger Polizeireviers. Von 18 bis 4 Uhr.

Als Mitglied des Innen- und Rechtsausschusses war aus ihrer Sicht die Tour überfällig. Die Politikerin entscheidet mit über Vermeidung von Überstunden, die Zusammenlegung von Polizeistationen, Personalabbau, Besoldungsfragen. Sie entscheidet mit darüber, wie viel Geld für Ausrüstung bereit steht, mit wieviel Personal Kriminalität unterbunden werden kann.

Die dreifache Mutter wollte wissen, wollte spüren, dass eine Nachtschicht bei der Polizei nicht wie im Fernsehen abläuft. Personalstärke, Schichtplanung, Verschwiegenheitsklausel – das war anfangs graue Theorie. Dann wurde es Ernst. Verdacht auf Diebstahl, versuchter Vandalismus, dann Amtshilfe wegen Raserei. Das Mitfahren auf dem Lenker eines Fahrrads, das mit freundlichen Erklärungen bezüglich möglicher Gefahren unterbunden wurde. Strehlau spürte schon nach kurzer Zeit: Polizeiarbeit ist kein Zuckerschlecken.

Atemlos ging es weiter. Über Funk wurde ein möglicher Einbruch gemeldet. Es war ein Fehlalarm. Im Anschluss folgten Delikte wie falsch gesicherte Ladung, Ruhestörung, falsche Beleuchtung oder untypisches Fahrverhalten.

Viele Polizisten schieben Überstunden vor sich her

Strehlaus Bilanz: „Stimmungsvoller Höhepunkt am Ende der Tour war die erfolglose Suche nach ausgebrochenen Kühen auf der Straße.“ 4 Uhr. Ende der Schicht. Strehlau erlebte nicht nur ein Abenteuer. Die Politikerin erfuhr aus erster Hand, dass viele Polizisten eine Menge an Überstunden vor sich herschieben. „Dies ist auch der Grund dafür, weswegen ich mich dafür stark mache, dass die bis 2018 von der Regierungskoalition geplanten insgesamt 122 Stellenkürzungen nicht im Bereich Einsatz und Ermittlung realisiert werden“, so Strehlau.

Die Erfahrungen des nächtlichen Einsatzes hätten ihre Haltung bestärkt: „Ich möchte mit dem Ausschuss darüber diskutieren, wie an anderen Stellen das Problem durch Auslagerung gewisser Teilbereiche der Polizei angegangen werden kann.“ Beispielsweise bei der IT-Abteilung oder der Wasserschutzpolizei.

Während die CDU-Opposition (siehe Kasten) darauf pocht, genannte Zuständigkeiten in der Verantwortung der Polizei zu belassen, bleibt Strehlau kompromisslos: Auch Personal müsse bei der Polizei gekürzt werden. „Auf Grund der Vorgaben durch den Bund ist es notwendig, Stellen zu reduzieren. Denn 80 Millionen Euro Konsolidierungshilfe aus Berlin gibt es nur bei Einhaltung der finanziellen Ziele zur Schuldenreduzierung“, stellt Strehlau klar.

Barbara Ostmeier, Mitglied bei der CDU und Vorsitzende des Innen- und Rechtsausschusses in Kiel, unternahm vor einem Jahr ebenfalls eine Nachtschicht bei der Polizei.  Nach ihrer Angabe entscheidet allein das Land, an welcher Stelle Personal gekürzt wird. Sie widerspricht Strehlau, indem sie Stellenstreichungen bei der Polizei für tabu erklärt.    Denn die Tendenz geht immer mehr zu einer Schwerpunktermittlung. „Zeit für Präventionsmaßnahmen gibt es kaum noch“, so Ostmeier. Die Auslagerung gewisser Teilbereiche sei für sie problematisch: „Es kann  nicht sein, dass private Firmen Polizeiaufgaben übernehmen.“ Die Christdemokratin aus Hetlingen betont: „Planungen wie  Auslagerung von Verantwortlichkeiten zu externen Firmen  gibt es   noch keine.“
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