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Disko-Prozess : Nach Schießerei im April 2015: Die Chefin des Eberts sagt aus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Zeugen vor Gericht können sich nach eigenen Aussagen kaum an die Vorfälle erinnern.

Schenefeld/Itzehoe | Im Prozess gegen einen 23 Jahre alten Norderstedter, der am 19. April 2015 vor dem Schenefelder Eberts zwei Männer niedergeschossen und schwer verletzt haben soll, hat gestern die Geschäftsführerin des Eberts ausgesagt. Doch ihre Erinnerungslücken sind groß. Genauso wie die zahlreicher weiterer Zeugen. „Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern“, sagte die 42-Jährige gleich zu Beginn der Befragung. Zwei junge Frauen hätten sich über Belästigungen von einer Gruppe von Männern beklagt, die im Piranja, einem separaten Klub im Eberts, feierten. In dieser Gruppe sollen auch die beiden späteren Opfer der Schießerei gewesen sein. An Details wie das Aussehen der Frauen, der feiernden Männer und die Art der vorgeworfenen Belästigungen konnte sie sich nach eigenen Angaben nicht erinnern. Die Schüsse vor dem Eberts habe sie gehört. Details zum Hergang kenne sie aber nicht.

Auch ein 32-Jähriger, der nach eigener Aussage vor dem Eberts gewartet hatte, um Freunde abzuholen, konnte nur wenig Erhellendes beitragen. Er habe Schüsse gehört und Verletzte gesehen. Den Schützen habe er nicht erkannt. „Ich kenne die Verletzten nicht. Und ich kenne auch den Angeklagten nicht“, sagte der Zeuge. Ähnliches hatte ein 29 Jahre alter Türsteher zu berichten. „Ich kann mich kaum mehr erinnern. Ich weiß nur, dass ich die Tat nicht gesehen habe“, sagte er. Er wisse von Frauen, die sich über Belästigungen beklagt hatten. Türsteherkollegen seien daraufhin mit den Männern, denen die „Anmache“ vorgeworfen wurden, für ein klärendes Gespräch nach draußen gegangen. Dann seien plötzlich Schüsse gefallen.

Bereits während des vergangenen Prozesstags hatten die beiden Opfer der Schießerei große Erinnerungslücken offenbart. Viele der Befragten hatten unmittelbar nach der Tat zwar noch umfangreich bei der Polizei ausgesagt. An die Details wollen sie sich nun aber nicht mehr erinnern können. Und mehrere geladene Zeugen waren gestern erst gar nicht vor Gericht erschienen.

Der Angeklagte hatte die Tat zu Prozessbeginn gestanden und eine Verständigung, einen sogenannten Deal, angestrebt, der ihm eine Bewährungsstrafe bringen sollte. Darauf ließen sich Richterin Isabel Hildebrandt und Staatsanwältin Maxi Wantzen jedoch nicht ein.

Nach Angaben des Angeklagten hatte sich am 19.  April Folgendes abgespielt: Nachts kam ein Anruf, dass seine Verlobte im Eberts von Männern belästigt worden sei. Vor dem Eingang der Diskothek herrschte eine gereizte Stimmung. Mehrere junge Männer diskutierten mit den Türstehern. Seine Verlobte er zählte ihm von dem Mann, der sie belästigt habe. Als dieser Mann plötzlich auf ihn zukam, drückte er ab. Vor Gericht beteuerte er aber, dass er niemanden habe töten wollen.

Der Prozess wird am Dienstag, 14. Juni, fortgesetzt. Es sind zahlreiche weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor Mitte Juli erwartet.

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