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Feuerteufel von Tornesch : Nach Diebestouren: Mit der Beute finanzierte er sich seine Bordellbesuche

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Tornescher muss sich derzeit vor dem Landgericht in Itzehoe verantworten. Mit den Diebestouren finanzierte er sich Bordellbesuche.

Tornesch/Itzehoe | Die Polizei war dem Feuerteufel von Tornesch, der im August 2012 drei Autos in der Stadt in Brand setzte, schon 2013 dicht auf den Fersen. Doch stritt der 37-jährige Tornescher, der sich aktuell wegen dreier Fälle von Brandstiftung sowie 41 Einbruchsdelikten vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Itzehoe verantworten muss, seine Taten im September 2013 ab.

Am Riedweg sowie an der Fritz-Reuter-Straße soll er die Feuer in unverschlossenen Autos gelegt haben. Beim dritten Brand an der Friedensallee zündete er Zeitungspapier auf einem Reifen eines Pkw an, der unter einem Carport stand. Das Feuer griff vom Fahrzeug auf das Carport und schließlich auf das Einfamilienhaus über.

„Er meinte, er sei ein Einbrecher, aber kein Brandstifter“, sagte gestern einer der ermittelnden Beamten, der als Zeuge aussagte. Da die Beweise nicht ausreichten, ließen die Beamten den Tornescher laufen. „Eine Observation brachte keinen Erfolg, weil er sich in Tornesch zu gut auskannte“, so der 31-jährige Kriminalbeamte. Das Telefon des Verdächtigen wurde überwacht und anschließend ein verdeckter Ermittler auf den mutmaßlichen Täter angesetzt. „Ihm gegenüber gab er die Brandstiftungen zu“, so der Zeuge.

Am 31. März dieses Jahres erließ ein Amtsgericht den Haftbefehl. „Bei der Verhaftung hat er alles abgestritten und war absolut überrascht“, berichtete der Polizist. Die Tatsache, dass ein verdeckter Ermittler auf ihn angesetzt worden sei, habe er zunächst verarbeiten müssen.

„Wenn ich das einem erzähle, glaubt mir das doch keiner“, sagte der Angeklagte gestern im Gespräch mit dem sh:z und ergänzte: „Ich bin doch kein Drogenboss.“ Ein Strohmann habe ihn nach der Arbeit abgefangen und um Hilfe bei einer Autopanne gebeten. Dann habe er den Kontakt zum verdeckten Ermittler hergestellt. „Ich werde nie mehr jemanden vertrauen, außer meiner Familie“, sagte der Tornescher gestern.

Mit dem Alkohol kamen die Stimmen im Kopf

„Das hat alles mit dem scheiß Alkohol zu tun“, soll er in den Vernehmungen ausgesagt haben. Zudem habe der Tornescher bei den Befragungen zum zweiten Brand an der Fritz-Reuter-Straße offenbart, dass ihm eine Stimme die Brandstiftungen befohlen habe. „Ob er es erfunden oder sich erinnert hat, kann ich nicht sagen“, räumte der Kriminalbeamte ein. Das soll ein Gutachter im Laufe des Prozesses klären.

Nach den Zeugenaussagen zu den Brandstiftungen widmete sich das Gericht den 41 Fällen von Einbruchsdiebstählen. „Ich habe hauptsächlich nach Bargeld gesucht. Für Handys, Laptops oder Kameras hatte ich keine Abnehmer“, sagte der Angeklagte, der ein vollumfängliches Geständnis ablegte. Zudem habe er Angst gehabt, über die GPS-Sender geortet zu werden.

Er sei durch offene Terassentüren. Fenster auf Kipp oder Seiten- und Haustüren in Wohnungen eingestiegen. „Ich habe nie etwas beschädigt oder aufgebrochen“, versichterte der Tornescher mehrfach und ergänzte: „Ich war selbst überrascht wie viele Menschen ihre Türen nicht abschließen.“

Während seiner Diebestouren habe er 30 bis 40 Kilometer pro Nacht mit dem Fahrrad zurückgelegt, bis er passende Objekte in seiner Heimatstadt Tornesch, Heidgraben und Uetersen fand. „Ich brauchte das Geld für die Finanzierung meiner Bordellbesuche“, sagte der 37-Jährige, der 2012 nach fünf Jahren seine Festanstellung verlor. Fünf- bis siebenmal pro Monat habe er entsprechende Etablissements in Hamburg aufgesucht. „Das ging ins Geld.“

Ob die Bewohner der Häuser anwesend waren, interessierte ihn nicht. „Meistens haben sie ja geschlafen“, so der Tornescher, der nur dreimal bei seinen Diebestouren gestört wurde. In Heidgraben stieg er – wie bei seinem ersten Einbruch im Juli 2011 – bei einem Polizeibeamten ein. Das habe er aber erst gemerkt, als er im Portemonnaie den Dienstausweis gefunden habe. In Erinnerung sei das Schnarchen des Beamten geblieben. Der Angeklagte stellte zur Erheiterung des Gerichts fest: „Solange sie schnarchen, ist alles gut.“

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erstellt am 02.Okt.2015 | 14:30 Uhr

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