A23 bei Pinneberg : Nach dem schweren Unfall mit Ferrari: Vorwurf gegen Gaffer

Die Rettungskräfte brauchten 1,5 Stunden, um den Mann aus seinem Ferrari F12 zu befreien.
Die Rettungskräfte brauchten 1,5 Stunden, um den Mann aus seinem Ferrari F12 zu befreien.

Ersthelfer und Rettungskräfte beklagen zu wenig Unterstützung, aber dafür viele Handy-Filmer.

shz.de von
13. März 2018, 11:00 Uhr

Pinneberg | Ein Autofahrer liegt lebensgefährlich verletzt in den Trümmern seines Ferrari F12. Die Feuerwehr ist noch nicht vor Ort. Zahlreiche Autofahrer halten an – aber statt zu helfen, gucken sie sich das Szenario nur kurz an. Und fahren dann weiter. Dieses verstörende Bild bot sich in der Nacht zu Montag Ersthelfern. Sie versuchten, einem Mann das Leben zu retten, der mit seinem Sportwagen in Höhe der Auffahrt Tornesch von der A23 abgekommen war.

Wie die Polizei mitteilte, war der Ferrari-Fahrer bei dichtem Nebel vermutlich zu schnell unterwegs gewesen. Gegen 0.15 Uhr verlor er die Kontrolle über sein etwa 250.000-Euro-Fahrzeug und raste gegen einen Baum.

Tjark-Ove Thomsen war nach eigenen Angaben als einer der ersten am Unfallort. Der 20-jährige Elmshorner war gerade mit einem Kumpel auf dem Heimweg. Er berichtet in einem Gespräch mit shz.de, wie er sofort anhielt, Feuerwehr und Polizei alarmierte – und half. Auch habe er versucht, andere Menschen zum Anhalten und Unterstützen zu bewegen. Ohne Erfolg, wie Thomsen betont: „Es hätte einfach geholfen, wenn mehr Leute schauen, was sie machen können. Viele Autos sind einfach vorbeigefahren.“ Dabei sei es offensichtlich gewesen, dass etwas Schlimmes passiert ist: „Wir haben uns im Stich gelassen gefühlt.“

Ähnliches berichtet Christoph Suphut von der Freiwilligen Feuerwehr Pinneberg, die am Einsatzort 1,5 Stunden brauchte, um den Schwerverletzten aus dem extrem robusten Sportwagen zu befreien: „Mehrere Fahrer reduzierten die Geschwindigkeit und fotografierten und filmten die Einsatzstelle, bevor sie wieder Gas gaben.“ Der Fahrer kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Gegen 3 Uhr war die Fahrbahn wieder freigegeben.

Thomsen hat seinem Ärger auch in einer Elmshorner Facebook-Gruppe Luft gemacht. Dort schreibt er: „Was geht Euch bitte im Kopf vor, eine hilflose, schwer verletzte Person sitzen zu lassen? Schämt euch!“

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