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Mord an Lisa Marie : Nach dem Schuldspruch - die Trauer bleibt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fünf Tage lang hatten viele Menschen im März dieses Jahres nach der 18-jährigen Lisa Marie aus Tornesch gesucht. Am 24. März die traurige Gewissheit: Lisa Marie ist tot. Sie wurde von einem 16-Jährigen erwürgt.

Tornesch / Itzehoe | Fünf Tage lang haben viele Menschen im März dieses Jahres nach der 18-jährigen Lisa Marie aus Tornesch gesucht. Am 24. März die traurige Gewissheit: Lisa Marie ist tot. Sie wurde von einem 16-Jährigen erwürgt.

Das Landgericht Itzehoe hat gestern das Urteil gefällt: Der 16-jährige Lukas M., der im März dieses Jahres seine 18  Jahre alte Feuerwehrkameradin Lisa Marie aus Tornesch erwürgt hat, muss für neun Jahre ins Gefängnis. Doch bevor er seine Jugendstrafe antritt, soll er zunächst in einer psychiatrischen Klinik therapiert werden.

Vier Prozesstage hat das Landgericht Itzehoe sich mit der Ermordung von Lisa Marie beschäftigt. Alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da Lukas M. noch minderjährig ist. Bekannt wurde jedoch, dass der 16-Jährige bereits bei Prozessauftakt das Geständnis wiederholte, das er bereits bei seiner Verhaftung abgelegt hatte.

Staatsanwältin Maxi Wantzen sagte nach der Urteilsverkündung, dass sie mit dem Urteil des Gerichts zufrieden sei: „Entscheidend ist aber, dass der Täter zuvor in einer Psychiatrie behandelt wird.“ Denn Gutachter hätten während des Prozesses deutlich gemacht, dass Lukas M. eine Persönlichkeitsstörung hat. „Wir gehen davon aus, dass er weiterhin gefährlich ist, wenn er nicht behandelt wird“, sagte Wantzen.

Auch Thomas Erdmann, der gestern als Anwalt der Nebenkläger Lisa Maries Eltern vertrat, bewertete das Urteil als „der Tat und Schuld angemessen“. Seine Mandanten seien damit ebenfalls zufrieden, schließlich gehe es nicht darum, mit einer Strafe Rache an Lukas M. zu üben, sondern weitere Taten zu verhindern. „Das Urteil war jetzt ein formeller Schlusspunkt für Lisa Maries Familie, die Trauer bleibt natürlich“, sagte Erdmann.

Als das Gericht sich am Mittwoch für die Beratung zurückzog, legten zirka 20 Freunde von Lisa Marie auf dem Rasen vor dem Landgericht aus einem Feuerwehrschlauch ein Herz, in das sie ein Foto von Lisa Marie stellten. Dann zündeten sie Kerzen für ihre ermordete Kameradin an. Lisa Maries Mutter sagte gerührt: „Ich freue mich darüber, dass Lisas Feuerwehrkameraden uns so zeigen, dass sie für uns da sind und an Lisa Marie erinnern.“

Erleichterung nach dem Urteil

Als die Tür des Gerichtssaals im Landgericht Itzehoe um kurz nach 16 Uhr aufging, sah man den Eltern von Lisa Marie (†18) die Erleichterung an. Das Verfahren um den Mord an ihrer Tochter geendet. Richter Eberhard Hülsing hatte Lukas M. zu einer Jugendhaftstrafe von neun Jahren verurteilt. Doch zuvor muss sich der 16-Jährige in Therapie begeben. Denn laut Gerichtssprecherin Julia Gärtner hat Lukas M. eine Persönlichkeitsstörung, die unbehandelt dazu führen könnte, dass er erneut straffällig wird.

Gärtner teilte mit, dass das Gericht den 16-Jährigen wegen heimtückischen Mordes verurteilt habe. Lukas M. habe Lisa Marie zunächst von hinten und dann von vorn gewürgt, bis sie tot war. Gutachter hätten während des Prozesses ausgesagt, dass der Jugendliche damit seinen Geschlechtstrieb befriedigt habe. „Er hat eine schwere seelische Abartigkeit“, sagte Gärtner. Aus diesem Grund sei das Gericht zu dem Urteil gekommen, dass Lukas M. zwar schuldfähig sei, während der Tat jedoch so stark durch seinen Trieb gesteuert wurde, dass er nicht mehr zum rationalen Handeln fähig war. Dies habe sich auf die Strafe ausgewirkt.

 

Lukas M. habe das Urteil emotionslos und gefasst entgegengenommen, berichtete Thomas Erdmann, der als Anwalt der Nebenklage Lisa Maries Eltern vertrat. „Das mag auch ein Teil seiner Persönlichkeitsstörung sein, diese mangelnde Empathie. Ich glaube nicht, dass es Rückschlüsse auf sein Innerstes zulässt.“ Während des Prozesses habe der 16-Jährige jedoch gesagt, dass er wünsche, das Geschehene zurückdrehen zu können.

Ein emotionaler letzter Prozesstag

Sehr emotional sei der letzte Prozesstag gewesen, als die Eltern von Lukas M. nach den Plädoyers noch einmal das Wort hatten. „Sie haben geweint und gesagt, wie sehr sie es bedauern und wie schrecklich sie es finden, was ihr Sohn getan hat“, berichtete Erdmann. „Über die Eltern des Täters sollte man nicht urteilen, sie haben für ihren Sohn zahlreiche Hilfsangebote angenommen, die ihnen möglich waren“, sagte Erdmann.

Für die Familie von Lisa Marie stelle der gestrige Tag einen „formellen Schlussstrich“ dar, wie Erdmann es ausdrückte. Die Strafe, die das Gericht über den Mörder ihrer Tochter verhängte, hielten seine Mandanten für angemessen. Die Trauer sei mit dem Schuldspruch jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Dafür bräuchten sie sicher noch viel Zeit, sagte der Anwalt.

Die Chronologie des Falles Lisa Marie
 

Mittwoch, 19. März

Lisa Marie macht sich auf den Weg zu ihrem 16 Jahre alten Kameraden von der Feuerwehr-Ahrenlohe. Es ist 16.30 Uhr, als die Eltern der 18-Jährigen das letzte Mal von ihrem Kind hören.

Donnerstag, 20. März

Lisa Marie ist nicht nach Hause gekommen, nicht zur Arbeit erschienen. Niemand weiß, wo sie sich aufhält. Die Polizei ruft öffentlich zur Fahndung auf. Die Meldung verbreitet sich übers Internet, vor allem über das soziale Netzwerk Facebook wie ein sprichwörtliches Lauffeuer.

Freitag, 21. März

Die Polizei sucht mit Hilfe von Spürhunden und einem Helikopter nach der Vermissten – erfolglos.

Sonntag, 23. März

Die Ermittler suchen weiter nach der immer noch vermissten Lisa Marie, die Staatsanwaltschaft Itzehoe geht eigenen Aussagen zufolge mittlerweile von einem Verbrechen aus. Lisa Maries Eltern starten derweil die Suchaktion „Wer hat unsere Tochter gesehen?“ und verteilen Flugblätter im Kreis Pinneberg.

Montag, 24. März, Vormittag

Es gebe „viele Hinweise“, denen die Beamten nachgingen, lässt Polizei-Sprecherin Sandra Mohr verlauten.

Montag, 14 Uhr

Einsatzkräfte treffen an dem Grundstück an der Ahrenloher Straße in Tornesch ein, auf dem der Feuerwehrkamerad von Lisa Marie und dessen Familie wohnt. Sie durchsuchen gemeinsam mit Mantrailing-Hunden das Gelände, das Haus, heben Gullideckel hoch.

Montag, 16 Uhr

Die Suchstaffel schreitet die am Jägerweg gelegenen Maisfelder hinter dem Haus des Feuerwehrkameraden ab.

Montag, 17.35 Uhr

Die Angehörigen von Lisa Marie finden sich an der Einsatzstelle ein.

Montag, 18.30 Uhr

Ein Fahrzeug eines Bestattungsunternehmens fährt vor dem Haus an der Ahrenloher Straße vor. Zuvor hat die Polizei  den leblosen Körper einer Frau am Feldrand des Jägerwegs entdeckt. Er war dort verscharrt. „Bei der Toten handelt es sich mutmaßlich um die vermisste 18-Jährige“, sagt Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen.

Dienstag, 25. März

Der 16-Jährige gesteht die Tat „im Wesentlichen“, so die Staatsanwaltschaft. Ein Haftrichter am Amtsgericht Itzehoe erlässt Haftbefehl und lässt den Jugendlichen in die Jugendstrafanstalt in Schleswig überstellen.

Dienstag, 19 Uhr

Etwa 1000 Tornescher kommen an der Feuerwache-Ahrenlohe zusammen, legen ein riesiges rotes Herz nieder, stellen Kerzen und Fackeln auf. Sie trauern schweigend um Lisa Marie, halten sich an den Händen, umarmen sich.

Dienstag, 20 Uhr

Auch vor der Drostei in Pinneberg kommen Menschen zusammen, knien nieder und zünden Kerzen an.

Donnerstag, 3. April

Fast 400 Menschen  kommen zur Trauerfeier in der Friedenskapelle auf den Tornescher Friedhof, auf dem Lisa Marie (†18) im Anschluss beigesetzt wird.

Donnerstag, 18. September

Prozessauftakt im Fall Lisa Marie vorm Landgericht Itzehoe: Staatsanwältin Maxi Wantzen wirft dem Angeklagten vor, Lisa Marie am 19. März getötet zu haben.

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erstellt am 16.Okt.2014 | 12:15 Uhr

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