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Bahnsteigkarte in Pinneberg : Nach Bußgeld-Debatte: Bahn pocht weiter auf Ticketpflicht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jetzt appelliert die Stadt Pinneberg eine Lösung für das Problem zu finden. Im Internet wird hitzig diskutiert.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2015 | 09:00 Uhr

Pinneberg | Bahnsteigkarte oder nicht? Es herrscht immer noch Chaos um das Ticket für den Pinneberger Bahnhof und die Unterführung, die beide Stadtseiten miteinander verbindet. Denn ein Flüchtlingspaar aus dem Irak musste 80 Euro Bußgeld zahlen. Es hatte keine Bahnsteigkarte gelöst. Ein 17-jähriger Deutscher geriet in die selbe Kontrolle – er musste nicht zahlen. Die Krux: Lediglich ein Hinweisschild gibt es im gesamten Bahnhof (siehe Grafik). Das befindet sich an wenig präsenter Stelle im Eingang vom Quellental. Doch einmal abgesehen von den fehlenden Schildern: Wer muss denn nun 30 Cent für eine Bahnsteigkarte zahlen?

Antwort darauf weiß Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: „Jeder, der den Bereich der S-Bahnen betritt.“ Das bedeutet: Auch jeder Fußgänger, der die Pinneberger Unterführung nutzen möchte, muss zahlen.

Lediglich ein Schild weist Fußgänger aus Richtung Mühlenau auf die Bahnsteigkartenpflicht hin. Der Haupteingang befindet sich aber auf der anderen Bahnhofsseite.
Lediglich ein Schild weist Fußgänger aus Richtung Mühlenau auf die Bahnsteigkartenpflicht hin. Der Haupteingang befindet sich aber auf der anderen Bahnhofsseite. Foto: PT

Ausschließlich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und ein Verbund in München fordern in Deutschland noch Bahnsteigkarten. Bei allen anderen Verkehrsunternehmen, auch bei der Deutschen Bahn (DB), wurden sie seit 1965 abgebaut. Am Hamburger Hauptbahnhof gilt zum Beispiel die Ticketpflicht lediglich für die S- und U-Bahn-Gleise. Darauf weisen mehrere Schilder hin. Alle Gleise für die Fernverkehrszüge sind dagegen frei zugänglich.

Problem in Pinneberg: Der Bahnhof gehört der Deutschen Bahn und wird auch von der Nordbahn und dem HVV genutzt. Zwei von fünf Gleisen beansprucht der HVV mit seinen S-Bahnen. Ein Bahnsteig wird in der Kreisstadt geteilt: An Gleis2 halten die S-Bahnen, an Gleis3 der Regionalverkehr.

Muss man nun eine Bahnsteigkarte lösen, wenn man Oma Gertrude von Gleis3 abholt? „Nein, das muss man nicht“, sagt HVV-Sprecherin Silke Seibel. Falls man in einem solchen Moment in eine Kontrolle gerate, solle man den Kontrolleuren „einfach Bescheid geben“. Aber bei jeder sonstigen Nutzung müsse ein Ticket gekauft werden.

Zu dem Schilder-Mangel am Pinneberger Bahnhof sagt Meyer-Lovis: „Ausreichende Schilder fehlen definitiv. Es wird bald eine Begehung geben, bei der entschieden wird, wie künftig in Pinneberg verfahren werden soll.“ Und was ist mit weiteren Menschen, die 40 Euro zahlen mussten? Jeder Betroffene habe nach Zahlungsaufforderung sieben Tage Zeit, um ihr zu widersprechen. Aufgrund des Schilder-Mangels wolle die Bahn ähnlich kulant sein wie beim Flüchtlingspaar und dem 17-Jährigen.

Auch die Stadt Pinneberg schaltet sich nun ein. „Wir appellieren an die Bahn eine kundenfreundliche Lösung zu finden und dem Vorbild anderer Verkehrsverbünde folgend auf die Bahnsteigkarte zu verzichten“, sagt Klaus Seyfert, stellvertretender Bürgermeister. „Eine erste Maßnahme muss aber sein, dass die Beschilderung mehrsprachig verbessert wird. Auch eine kurzfristige Regelung, dass eine reine Querung des Bahnhofes kostenfrei wird, würden wir sehr begrüßen“, ergänzt Seyfert.

Kommentare im Gästebuch, Tweets und Facebook-Posts. Die Diskussion über die fehlende Bahnsteigkarte am Bahnhof in Pinneberg beschäftigt mittlerweile tausende Menschen im Internet. Bereits nach kurzer Zeit wurde die Berichterstattung über den Vorfall  zahlreich kommentiert, über 1600 mal auf Facebook geteilt und mehrere hundert Mal via Twitter verbreitet. Die darauf folgenden Retweets, Likes und Favorisierungen sind kaum noch zu zählen.

Auch bekannte Namen beteiligen sich an der aufgekommenen Diskussion in den sozialen Netzwerken. So hat beispielsweise Jörg Kachelmann einen Post des Bloggers Stephan Dörner retweetet, der schrieb: „Definiere Deutschland: Irakisches Flüchtlingspaar muss 80 € zahlen, weil Bahnsteigkarte für 30 Cent fehlte.“ Der ZDF Nachrichtenmoderator Christian Sievers schrieb ebenfalls auf Twitter:

Unter den Ärger über das Vorgehen der Kontrolleure mischen sich dabei auch immer häufiger ironische Kommentare.

Auf Facebook wird derweil vermehrt über die Bekanntheit der Bahnsteigkarte diskutiert. Die wenigsten Pinneberger wissen überhaupt von der Möglichkeit eine solche zu kaufen. Und das Thema ist schon längst kein lokales mehr. So beteiligen sich Internetnutzer aus der gesamten Republik mit Kommentaren und Posts in den sozialen Netzwerken.

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