Was bleibt, sind die Erinnerungen : Nach 38 Jahren: Das Spielwarengeschäft Zobaw macht dicht

Das Lächeln fällt schwer, aber die Entscheidung, das Spielwarengeschäft an der Rellinger Hauptstraße zu schließen, ist unumstößlich: Birgit Nowak (v. l.), Ingrid Zobawa und Birgitt Sander.
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Das Lächeln fällt schwer, aber die Entscheidung, das Spielwarengeschäft an der Rellinger Hauptstraße zu schließen, ist unumstößlich: Birgit Nowak (v. l.), Ingrid Zobawa und Birgitt Sander.

Das Spielwarengeschäft Zobawa gehörte 38 Jahre zu Rellingen. Jetzt macht Birgit Nowak aus wirtschaftlichen Gründen dicht.

shz.de von
28. März 2017, 16:30 Uhr

Rellingen | Die Entscheidung fiel nach vielen Gesprächen und schlaflosen Nächten, nach mancher Träne und in jedem Fall gegen das Herz: Am 13. April schließt mit dem Spielwarenladen Zobawa ein weiteres Traditionsgeschäft in Rellingen für immer seine Pforten– nach fast 40 Jahren. Der Grund liegt in der zuletzt immer weiter abnehmenden Wirtschaftlichkeit. „Ich muss von dem Laden nicht leben, sonst hätte ich das bis heute gar nicht durchgehalten. Die letzten zwei Jahre waren sehr schwierig“, sagt Birgit Nowak, seit 2008 Inhaberin des charmanten Ladens. Der Konkurrenz im Internet war sie am Ende nicht mehr gewachsen. „Alle guten Ideen und das große Engagement bringen nichts, wenn die Kunden doch online einkaufen“, sagt sie.

Ratlos wirkt Birgit Nowak in diesen für sie schweren Tagen und zutiefst traurig. In die Wehmut mischen sich aber auch fröhliche Gedanken an, Erinnerungen an so manche Anekdote und bessere Zeiten. „Mein inzwischen verstorbener Mann Kurt und ich haben das Haus 1977 gekauft, um hier zu wohnen“, sagte Geschäftsgründerin Ingrid Zobawa. Das Haus bot viel Platz , mehr als die kleine Familie, zu der auch Sohn Stefan gehört, brauchte. So entstand die Idee eines Geschäfts. „Wir dachten an ein Lottogeschäft mit ein paar Spielwaren.“ Am Ende wurde daraus ein Spielwarengeschäft, in dem man bis heute auch Zeitungen kaufen kann.

Gern denkt die Seniorchefin an den Zauber der Anfangszeit zurück, als die Aufregung vor der Eröffnung die ganze Familie erfasste. „Mein Sohn war damals neun Jahre alt und schleppte dauernd seine Schulkameraden an, weil wir jeden Tag neue Pakete mit Spielwaren geliefert bekamen“, sagt sie. Die Rellinger nahmen den Spielwarenladen sofort und so gut an, dass Ingrid und Kurt Zobawa noch ein Außenlager für die großen Spielzeuge wie Küchen oder Trecker mieteten.

Tolle Jahre seien das gewesen, so Ingrid Zobawa, wirtschaftlich erfolgreich und menschlich erfüllend. Sie liebte ihre Aufgabe und hatte ein glückliches Händchen, wenn es darum ging, geeignetes Personal zu finden. Unter anderem stellte sie Birgitt Sander als Verkäuferin ein, damals gerade 17 Jahre alt. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte, denn bis heute hat sie alle Höhen und Tiefen des kleinen Ladens mitgemacht und ihren beiden Chefinnen zur Seite gestanden. Zweiter Glücksgriff war die Einstellung von Birgit Nowak vor etwa zehn Jahren. Ingrid Zobawa und sie – das ist fast ein Mutter-Tochter-Verhältnis, wie beide bestätigen. Getragen von großem Respekt, Zuneigung und Vertrauen. Als die Ältere in den Ruhestand gehen wollte, brachte sich die Jüngere als Nachfolgerin ins Gespräch und bekam den Zuschlag.

Aus geschäftlichen Dingen hat sich die Seniorchefin seitdem konsequent rausgehalten, zum Klönen kommt sie allerdings jeden Tag. Der Weg ist kurz, denn noch immer wohnt die 76-Jährige über dem Laden. „Mir wird so viel fehlen, gerade auch dieses familiäre und freundschaftliche Miteinander. Wir sind hier viel mehr als Kollegen“, sagt Birgit Nowak. Und die Kinder werden ihr fehlen, von denen sie viele kurz nach der Geburt kennenlernte, wenn ihre Eltern Spielzeug für sie aussuchten, und die heute selber kommen, um sich von ihrem Taschengeld ein Kaugummi zu kaufen. Zukünftig wird kein Kind mehr die Frage stellen: „Bist Du die neue Frau Zobarbara?“ Noch bis 13. April hat der Laden geöffnet, und das Team freut sich über jeden Kunden, der noch einmal vorbeischaut. „Wir würden uns sehr gern von möglichst vielen persönlich verabschieden“, sagt Birgit Nowak.

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