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Totes Baby in Seestermüher Scheune : Mutter ist unschuldig

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Moralisch verwerflich, aber nicht strafbar: Das Gericht spricht Corina S. frei von der Schuld am Tod ihres Neugeborenen. Ein Gutachten hatte die Frau entlastet.

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erstellt am 10.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Corina S. ist nicht schuldig am Tod ihres Babys, das am 5. Mai 2012 leblos in einer Seestermüher Scheune gefunden wurde. Zu diesem Urteil kam gestern, am fünften Verhandlungstag, das Landgericht Itzehoe.

Am 8. Juli begann der Prozess gegen die 23-Jährige. Ihr wurde zur Last gelegt, ihr Kind zu Hause geboren und dann nicht versorgt zu haben, sodass dieses kurze Zeit später starb. Am ersten Prozesstag widersprachen sich die Aussagen der Freunde und Bekannten von S. darüber, ob diese überhaupt schwanger gewesen sei. Die Mutterschaft konnte Rechtsmediziner Professor Klaus Püschel am dritten Prozesstag jedoch bestätigen. Zudem schloss er ein Fremdeinwirken als Todesursache aus. Der Säugling sei gestorben, da er während der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten habe. Ein medizinischer Laie müsse in einem derartigen Fall nicht erkennen, dass mit dem Säugling etwas nicht stimmt.

Das Gutachten führte dann auch dazu, dass gestern nicht nur Verteidiger Henning Plate, sondern auch Staatsanwältin Maxi Wantzen für einen Freispruch plädierte. Wantzen forderte das Gericht jedoch auf, eine Geldbuße in Höhe von 1000 Euro zu verhängen. Schließlich habe S. durch das Ablegen des toten Babys in der Scheune gegen das Bestattungsgesetz verstoßen. Für schuldunfähig in dieser Hinsicht halte sie die Angeklagte nicht, darauf hatte indes Plate plädiert.

Nach einer Beratung sprach Richter Eberhard Hülsing das Urteil: „Sie sind von der Anklage wegen versuchten Totschlags freigesprochen.“ Auch er hielt S. für schuldfähig, sodass er ihr wegen der Ordnungswidrigkeit, das Kind nicht zu bestatten, eine Geldbuße in Höhe von 200 Euro auferlegte. Für den Tod des Babys sei sie jedoch nicht verantwortlich, denn sie habe den Tod weder herbeigeführt, noch könne das Gericht ihr Unterlassung vorwerfen. Nach dem Freispruch sagte Hülsing noch: „Die Kammer hält ihr Verhalten im Mai 2012 für moralisch absolut verwerflich.“

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