Musikalische Märchenstunde

Frivol und unheimlich soll das Programm des Hamburger Ensembles Alltonal.
Frivol und unheimlich soll das Programm des Hamburger Ensembles Alltonal.

Vocalensemble Alltonal singt am 14. September in der Rellinger Kirche / Erzählungen, Mythen und Sagen bestimmen das Programm

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04. August 2018, 16:00 Uhr

Im September wird es märchenhaft in der Rellinger Kirche. Das Vocalensemble Alltonal aus Hamburg kommt und bringt sein Programm „Sagenhaft: Märchen – Mythen – Sagen“ mit. Die elf Sänger bringen dabei Werke von der Renaissance bis heute auf die Bühne. Barock, Romantik, Jazz – in fast jeder Zeit und Musikrichtung findet sich etwas, was thematisch zum Repertoire passt. Das Konzert startet um 19 Uhr am Freitag, 14. September.

Kantor Oliver Schmidt, der für das musikalische Programm in der Kirche verantwortlich zeichnet, freut sich auf das kleine Ensemble unter der Leitung von Hildegard Seiler-Liebau. „Kammerchor ist bisher etwas kurz gekommen“, sagt er. „Dabei kann man damit so schön spielen: Mit so wenigen kann man toll mit der Akustik der Kirche arbeiten.“ Genau das wollen die Sänger vorher ausprobieren – die Zuhörer erwartet also möglicherweise ein Konzert mit Stereoeffekt.

Alltonal ist nicht zum ersten Mal in Rellingen zu Gast. „Es ist eine wunderbare Kirche. Es ist schön wieder hier zu sein“, findet der Tenor Matthias Glatzer. Gegründet wurde sein Ensemble 1986 von fünf erfahrenen Sängern. Er erläutert: „Wir sind kein Berufsensemble. Uns geht es um den Spaß am Singen.“ Und den dürften die Sänger bei ihrer Programmwahl haben. Normalerweise a cappella unterwegs, werden sie diesmal von der Pianistin Aleksandra Laptas unterstützt. Sie begleitet und spielt auch einige Soli. Glatzer verspricht: „Es wird eine Überraschung für das Publikum, wie die Märchen musikalisch umgesetzt werden.“


Werke von Schumann, Brahms und Distler

Glatzer erläutert: „Es wird frivol und unheimlich.“ Freuen können sich die Zuhörer zum Beispiel auf Moritaten und Robert Schumanns „Zigeunerleben“ op. 29 Nr. 3. Das Stück, basierend auf dem Gedicht von Emanuel Geibel, ist mal düster und geheimnisvoll, mal voller stürmischer Kapriolen.

Noch dramatischer wird’s mit Hugo Distlers „Der Feuerreiter“ – ein Stück der Moderne. Sprunghafte Stimmführung, wechselnde Tempi und Rhythmen: Da meint man, das Feuer tatsächlich lodern zu hören. Das bekannte Gedicht von Eduard Mörike, in dem der Feuerreiter in einer brennenden Mühle sein Leben lässt, vertonte der Komponist 1938 als sechsstimmiges Chorstück.


Romantik und Grusel im Programm

Ebenfalls im Programm – und ebenfalls etwas gruselig: Johannes Brahms’ „Vineta“ op. 42 Nr. 2 nach Wilhelm Müller. In diesem Lied wird eine alte versunkene Stadt heraufbeschworen, die die Schiffer magisch anzuziehen scheint – bis sie sich fast selbst in die Fluten stürzen wollen, denn „mir ist, als ob mich Engel riefen in die alte Wunderstadt herein“. Gesetzt ist dies in einem beschwingten Dreiertakt voller romantischer Harmonien. Ein Fall von Verklärung?

Schmidts persönliches Highlight wird jedoch ein Werk des eher unbekannten Komponisten Ernst Pepping (1901-1981) sein. Da kommen Erinnerungen hoch: „Ich hatte ein Pepping-Stück in meiner Orgelprüfung“, sagt er schmunzelnd. Es dauerte, bis er in die Musik Peppings fand – doch dann ließ sie ihn nicht mehr los. „Er wollte in den 20er, 30er Jahren neue Wege gehen. Er nahm Bausteine aus den alten Epochen und mischte sie neu“, erläutert Schmidt. Das habe eine ganz eigene Klangsprache ergeben. „Aber für den Hörer angenehm“, betont er. „Pepping kann mit Klangfarben fesseln.“ Glatzer bestätigt: „Es ist spannend, sich auf Musiker einzulassen, die nicht unbedingt bekannt sind.“

Der Eintritt zu dem Konzert ist frei. Um Spenden wird allerdings gebeten. Wie sonst auch gibt es an dem Abend im Turm Getränke und Snacks sowie die Möglichkeit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

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