Musik erklingt zu Epiphanias

Berührten die Zuschauer: Die Kantorei der Osterkirche stand gemeinsam mit dem Elbipolis Barockorchester auf der Bühne.
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Berührten die Zuschauer: Die Kantorei der Osterkirche stand gemeinsam mit dem Elbipolis Barockorchester auf der Bühne.

Kantorei singt Vivaldi und Bach in Kummerfelder Osterkirche / Konzert mit Herausforderungen / Bravo-Rufe und stehende Ovationen

shz.de von
15. Januar 2018, 16:00 Uhr

2018 hat kaum begonnen und in der Kummerfelder Osterkirche gab es bereits jetzt ein musikalisches Jahreshighlight, das schwer zu toppen sein dürfte. Kirchenmusikerin Meike Ruhe (Foto) hat für ihr Epiphaniaskonzert am vergangenen Sonnabend nicht nur erstklassige Musiker verpflichtet, sondern auch ihre Kantorei zur Höchstform gebracht. Gemeinsam mit dem bekannten Hamburger Elbipolis Barockorchester und fünf Top-Solisten, haben ihre Sänger große Gefühle in der eher sachlich gestalteten Osterkirche entstehen lassen. Die Zuschauer waren berührt und zeigten ihre Begeisterung nach dem Konzert durch Bravo-Rufe und stehende Ovationen. Das war der Zeitpunkt, an dem von den Sängern, Musikern und von Konzertleiterin Ruhe die Anspannung sichtlich abfiel.

Ruhe hat langjährige Erfahrung mit öffentlichen Auftritten, sie ist bereits 21 Jahre als Kirchenmusikerin der Osterkirche aktiv. Aber dieses Konzert empfand auch sie als besondere Herausforderung. 40 Mitglieder ihres Chores haben schon seit April vergangenen Jahres geübt. Denn außer Antonio Vivaldis „Gloria“ stand auch Johann Sebastian Bachs „Magnificat“ auf dem Programm – ein Werk, das selbst bei routinierten Berufsmusikern als richtig schwer gilt. Ruhe: „Meinen Sängern habe ich einiges an Vorarbeit und Konzentration abverlangt. Aber wir sind mit den Anforderungen gewachsen“, erklärte sie dem Publikum nach dem Konzert. Und zu ihrem Chor sagte sie: „Ich habe immer daran geglaubt, dass Ihr das schafft.“ Die Sänger waren da nicht so sicher: „Ohne Dich hätten wir das nie gepackt.“, sagten sie. „Du hast großartige Arbeit geleistet. Danke.“

Ruhe war die Rührung anzumerken. Sechs ihrer Chormitglieder mussten vor den Anforderungen allerdings passen: „Die sind aus Vernunftsgründen bereits vorher ausgestiegen. Sie hätten aus beruflichen Gründen die strenge Probendisziplin nicht einhalten können.“

Getragen wurde das Konzert von dem großartigen Elbipolis Barockorchester und den fantastischen Solisten Christiane Canstein und Heike Fischer (Sopran), Ulf Zastrau (Alt), Sven Olaf Gerdes (Tenor) und Helge Gößling (Bass). Anders als im Dezember in der Elbphilharmonie oder auf den anderen großen europäischen Konzertbühnen, auf denen sie sonst zuhause sind, war der Platz für das Orchester sehr begrenzt. Nicht nur, weil die flexible Bühne in der Osterkirche generell eher klein ist, sondern auch, weil das Publikum an diesem Abend ganz nah heranrücken musste. Der Andrang an der Abendkasse war so groß, dass zu den knapp 200 vorhandenen Plätzen in sämtliche Lücken noch weitere Stühle gestellt wurden. So fanden alle Konzertbesucher nach und nach doch noch einen Platz. Bemerkenswert war auch die Anwesenheit vieler jüngerer Zuhörer – sonst eher ungewöhnlich bei Konzerten mit „Alter Musik“.

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