Protest : Müllverbrennungsanlage Bützfleth: Hilferuf aus den Gemeinden im Kreis Pinneberg

In Bützfleth sollen mehr als 200.000 Tonnen jährlich verfeuert werden.

In Bützfleth sollen mehr als 200.000 Tonnen jährlich verfeuert werden.

Bürgermeister-Runde gegen Anlage in Bützfleth bei Stade. Hoffen auf Unterstützung von Kreis und Land.

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14. Dezember 2017, 14:30 Uhr

Pinneberg | Der Widerstand gegen die in Bützfleth bei Stade geplante gigantische Müllverbrennungsanlage (MVA) wird auch im Kreis Pinneberg stärker. Die Runde der ehrenamtlichen Bürgermeister hat Landrat Oliver Stolz um Unterstützung gebeten und ihn aufgefordert, das Thema in den Kreisgremien anzusprechen. Und eine Petition, mit der gegen die Pläne auf der anderen Elbseite protestiert wird, ist bereits von etlichen Bürgern aus dem Kreis Pinneberg unterzeichnet worden. 

In Bützfleth sollen mehr als 200 000 Tonnen Müll jährlich verfeuert werden. Das ist das Zweieinhalbfache der Müllmenge, die in Tornesch-Ahrenlohe (80. 000 Tonnen) jährlich durch den Schornstein gejagt wird. Und wegen der vorherrschenden Westwinde wird ein Großteil des Verbrennungsausstoßes in Richtung Kreis Pinneberg wehen. Die Bützflether „Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Industrie“ (BI) nennt die geplante Anlage „Dreckschleuder“. Einige Gemeinden aus dem Kreis Pinneberg unterstützen deshalb die Klage der BI gegen die MVA.

„Wir haben darüber in der Bürgermeister-Runde mit Landrat Oliver Stolz gesprochen“, berichtet Thorsten Rockel, Bürgermeister von Seestermühe. „Wir finden es schade, dass sich der Kreis Pinneberg noch nicht positioniert hat“, sagte er. Politik und Verwaltung des Kreises seien von den Bürgermeistern einvernehmlich gebeten worden, sich des Themas anzunehmen und sich zumindest der Petition anzuschließen. „Denn letztlich ist der gesamt Kreis Pinneberg betroffen“, so Rockel.

Zudem wünschen die Bürgermeister eine Luftmessung „vor Inbetriebnahme der MVA“. Wünschenswert, so Rockel, sei auch eine zweite Messstelle. Die Bürger in der Marsch seinen sehr besorgt wegen der Pläne in Bützfleth. Besonders schlimm sei, dass dort nur Müll aus dem Ausland verbrannt werden solle. Rockel: „Das wird ein gigantischer Mülltourismus.“ Dass selbst die Stadt Stade gegen die MVA-Pläne klage, „sollte jedem zu denken geben“. Rockel hofft auch auf Unterstützung von Umweltminister Robert Habeck (Grüne). „Bislang fühlen wir uns hier ein bisschen alleingelassen.“

Unabhängig von der Unterstützung von Kreis und Land kann bereits seit einigen Wochen eine Petition mit dem Titel „Stoppt die geplante Müllverbrennung in Stade!“ unterzeichnet werden. „Cirka 200 000 Tonnen Haus- und Gewerbemüll sowie kontaminierte Industriefilter und Klärschlämme sollen in der Anlage verbrannt werden. Dadurch entstehende Giftstoffe werden unumkehrbar in die Umwelt verteilt. Störungen des Immunsystems und Krebserkrankungen können durch die Emissionen der Anlage hervorgerufen werden.“

Nach Ansicht der Bürgerinitiative sind Bau und Betrieb einer Müllverbrennungsanlage in der heutigen Zeit absolut überflüssig. Schon jetzt gebe es für die mehr als 100 Müllverbrennungsanlagen in Deutschland nicht genügend deutschen Müll. Deshalb werde ein „unsinniger Mülltourismus“ auf Kosten und zu Lasten der Anwohner und der Umwelt und zu Gunsten der Eigentümer der Anlage entstehen.

„Wir bestreiten, dass eine solche Anlage ökologisch unbedenklich und ökonomisch sinnvoll arbeiten würde und fürchten massive Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung mit Grundschule, Kindergärten, landwirtschaftlichen Nutzflächen, Naturschutzgebieten sowie auf die Gesundheit der Bevölkerung, auch in den Nachbargemeinden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein“, heißt es in dem Petitionstext.

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