Containerstandort : Müllentsorgung mit Hindernissen in Rellingen

Willi Brand will den Containerstandort im Dahlienhof erhalten – nicht zur Freude aller Anwohner.
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Willi Brand will den Containerstandort im Dahlienhof erhalten – nicht zur Freude aller Anwohner.

GAB baut Container im Dahlienhof und Oberer Ehmschen ab – ohne Ersatzstandorte. Anwohner fürchten falsche Entsorgung.

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16. Januar 2018, 16:00 Uhr

Rellingen | „Das ist eine Zumutung für alte Leute“, beklagt sich Willi Brand. Der 73-Jährige zeigt auf ein Schild der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (Gab) vor dem Containerstandort am Dahlienhof in Rellingen. „Sie befinden sich am Standplatz Dahlienhof. Dieser wurde aufgelöst. Die nächsten öffentlichen Container finden Sie an den Standplätzen Ellerbeker Weg oder Vogt-Schmidt-Straße“, lautet der Hinweis auf der Tafel.

„Heute sollen die Container wegkommen“, erläutert Brand. Für ihn ein Unding. „Ich bin gerade 73 Jahre alt geworden und noch das Nesthäkchen. Wie sollen Anwohner, die kein Auto mehr fahren, denn ihr Papier entsorgen? Auf dem Rollator gestapelt?“, fragt Brand. Er hat sich bereits an Rellingens Bürgermeister Marc Trampe (parteilos) gewandt, um den Standort zu erhalten. „Ein Rückruf steht noch aus“, so Brand.

Auch Brands Nachbar Michel Pätz hat die Rellinger Verwaltung kontaktiert. „Die meisten der hier lebenden Gemeindemitglieder sind im Rentenalter und viele fahren gar kein Auto mehr. Wer macht sich denn hier Gedanken, wie mit diesen Menschen eine weitere Wertstofftrennung erfolgen soll?“, fragt er. Die Konsequenzen sind für ihn klar: Zukünftig landen Dosen, Flaschen und Papier nicht mehr im Container, sondern im Restmüll. „Das ist nicht ökologisch, sondern schlecht für die Umwelt“, betont Brand.

Uneinigkeit

In einem Punkt sind sich die beiden Anwohner des Dahlienhofs uneinig: Ob die Container wirklich erhalten werden müssen. „Wir wollten über Jahre, dass die Container wegkommen. Eigentlich müssten wir zufrieden sein, aber der Zeitpunkt und das Vorgehen sind nicht akzeptabel“, sagt Pätz. Er hätte gern die blauen Papiertonnen. Allerdings müsste das mit der Eigentümergemeinschaft geklärt werden, auch ein Platz müsse gefunden werden. Wer die Kosten dafür zahlen soll, müsse klar sein. Dafür bräuchten die Anwohner Zeit, die sie durch die aus ihrer Sicht zu überstürzte Änderung des Containerstandorts nicht haben.

Doch auch eine schnelle Einführung der blauen Tonnen sieht Pätz problematisch: „Die Übergangszeit, bis auch die externen und in der Nacht Anliefernden begriffen haben, dass hier nichts mehr zu entsorgen ist, wird chaotisch. Deren Papier und Pappberge werden in unseren blauen Tonnen entsorgt, wenn nicht mit sonstigem Unrat einfach auf dem Bürgersteig abgestellt.“ In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hätten sich die Anwohner immer um die Sauberkeit am Containerstandort kümmern müssen. „In unseren Augen liegt aber die Verantwortung bei der Gemeinde, egal an welche Firma oder Gesellschaft sie diese Aufgabe vergeben hat.“

Für die Container, die die Gab im Dahlienhof abbaut, wird es ebensowenig einen Ersatz geben wie für den Standort Oberer Ehmschen. Dafür sollen zwei neue Standorte in der Siemensstraße 31 und der Tangstedter Straße 68 entstehen. „Das ist für die Senioren zu weit“, ist Brand überzeugt. Er will weiter für die fußläufigen Container kämpfen.

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