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Neue LNG-Fähre in Cuxhaven : MS „Helgoland“ auf Jungfernfahrt

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Sie fährt mit Flüssiggas und soll zum neuen Versorger der Insel werden. Die „Helgoland“ kann 1060 Passagiere mitnehmen.

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erstellt am 11.Dez.2015 | 13:05 Uhr

Cuxhaven/Helgoland | Die erste mit LNG-Flüssiggas betriebene Neubaufähre in Deutschland ist in Cuxhaven in Dienst gestellt worden. Das Schiff der Reederei Cassen Eils wurde am Freitag von Christa Eils, der Witwe des Reedereigründers Cassen Eils, auf den Namen „Helgoland“ getauft. Die Fähre wird vom 16. Dezember an zwischen Cuxhaven und Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland verkehren und soll im Sommer auch Hamburg anlaufen.

Die Reeder in Deutschland geben dem Treibstoff LNG in der Schifffahrt gegenwärtig nur wenig Chancen. Die Investitionskosten sind höher und die aktuellen Rahmenbedingungen nicht wirtschaftlich. Dennoch wird Flüssiggas als wichtiger Pfad bei der Einhaltung verschärfter Umweltvorschriften gesehen.

Die auf der Fassmer-Werft in Berne an der Weser gebaute 83 Meter lange und 12,6 Meter breite Fähre nutzt das umweltfreundliche Flüssiggas für den Antrieb. Der Bau kostete über 30 Millionen Euro, wobei die EU das Antriebsaggregat mit rund vier Millionen Euro förderte.

Die Reederei Cassen Eils gehört zur AG „EMS“. Deren Vorstand Bernhard Brons erklärte, das Schiff solle 40 Jahre im Helgoland-Verkehr eingesetzt werden. „Entscheidend ist der ökologische Fußbadruck“, sagte Brons. Durch die LNG-Technologie werde unter anderem 90 bis 95 Prozent weniger Schwefel und Stickoxide ausgestoßen. „Und Feinstaub fällt völlig weg.“

Kapitän Ewald Bebber ist stolz auf das neue Schiff.
Kapitän Ewald Bebber ist stolz auf das neue Schiff. Foto: dpa
 

Kapitän Ewald Bebber zeigt sich hochzufrieden mit dem Schiff. Besonders hervorzuheben sei, dass auf dem Schiff das Konzept der Behindertenfreundlichkeit komplett verwirklicht worden sei.

Hintergrund: LNG-Flüssiggas

LNG (Liquefied Natural Gas) ist Erdgas, das auf minus 162 Grad Celsius gekühlt und damit verflüssigt wird. Dadurch kann es unabhängig von Pipelines in großen Mengen auf Tankern transportiert werden, zum Beispiel von Dubai nach Rotterdam. Das hat den Gasmarkt verändert und wettbewerbsintensiver gemacht. Mit LNG werden Stick- und Kohlendioxid in den Abgasen der Schiffe deutlich verringert und die Feinstaubemission sowie Schwefel ganz vermieden.

Bislang werden Containerschiffe auf hoher See von Schweröl angetrieben, das früher von den Raffinerien als Abfallprodukt betrachtet wurde. Das ist wegen strengerer Umweltvorschriften in wichtigen Fahrtgebieten schon heute nicht mehr möglich und wird spätestens 2020 ganz vorbei sein, wenn weltweit strengere Schwefel-Grenzwerte gelten.

Zwar gilt LNG allgemein als der Schiffstreibstoff der Zukunft, aber bislang fahren nur einige Versorgungsschiffe und Fähren in Skandinavien mit LNG. Die Meyer Werft hat schon Aufträge für große Kreuzfahrtschiffe, die nur mit LNG fahren. Die Reedereien Aida und Costa Crociere aus dem Carnival-Konzern sind damit die ersten, die voll auf LNG setzen.

Das gilt auch für die „Helgoland“ der Reederei Cassen Eils, die zwischen Cuxhaven und der deutschen Hochseeinsel Helgoland verkehren soll.

Die Bugnase der „Helgoland“ ragt im Frühjahr aus der Bauhalle der Werft. Eigentlich sollte das Schiff schon im Sommer in See stechen.
Die Bugnase der „Helgoland“ ragt im Frühjahr aus der Bauhalle der Werft. Eigentlich sollte das Schiff schon im Sommer in See stechen. Foto: Ingo Wagner/dpa
 

Das neue Bäderschiff soll nicht nur mehr Touristen auf die Insel bringen. Es wird die Helgoländer auch täglich mit Waren versorgen. Zehn Standardcontainer von zehn Fuß (etwa 3 mal 2,5 mal 2,5 Meter) und einen Standardcontainer von 20 Fuß (etwa 6 mal 2,5 mal 2,5 Meter) bieten Platz für die Bestellungen der Insulaner. Auch Kühltransporte sind möglich.

Schiffsdaten der MS „Helgoland“
  • Bauwerft: Fr. Fassmer GmbH & Co. KG, Berne
  • Auftraggeber: AG EMS Emden
  • Reederei: Cassen Eils GmbH, Cuxhaven
  • Länge: 83m
  • Breite: 12,60m
  • Tiefgang: 3,60m
  • Verdrängung: 1,820 t
  • Geschwindigkeit: 19 Knoten
  • Gasmotor: MAN Natural Gas Engine E3262LE202, 500 kW
  • Dieselmotoren: 2xWärtsila 9L20DF, 2x1,665kW, 2xCCP2600Ø
  • Passagiere: 1060
  • Besatzung: 12

Etwa 1060 Passagiere kann die Fähre im Sommer aufnehmen. Im Winter sind es etwa 840. Die Reise ist barrierefrei. Die MS „Helgoland“ macht an einem Anleger fest. Das Ausbooten entfällt. „Wir rechnen damit, in Zukunft bis zu 30 Prozent mehr Gäste nach Helgoland zu bringen“, sagt Peter Eesmann, ebenfalls Geschäftsführer von Cassen Eils.

Fahrgäste stehen auf der Galerie des neuen Schiffes.
Fahrgäste stehen auf der Galerie des neuen Schiffes. Foto: dpa
 

Die neue Fähre beim „Roll Out“ im Mai 2015:

Das werden die Helgoländer gerne hören, nachdem die Besucherzahlen während der vergangenen Jahre deutlich zurückgegangen waren. Doch Eesmann fordert von den Helgoländern auch, Geld in den Tourismus zu stecken. Er kleidet das in höfliche Worte: „Gerade der Winter auf Helgoland ist toll. Bald haben Besucher die Möglichkeit, dort täglich hinzufahren. Die Unterkünfte müssen aber zwölf Monate im Jahr geöffnet haben. Und momentan ist das Zinsniveau günstig, um zu investieren.“

Sie mögen Helgoland? Dann wird Sie auch unsere Multimedia-Reportage über die Seenotretter der DGzRS auf dem "Roten Felsen" interessieren. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
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