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Prozess in der Südsee : Mord an Weltumsegler aus Haselau – Lange Haft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Oktober 2011 starb ein Weltumsegler aus Haselau – er wurde auf der Insel Nuku Hiva ermordet. Seine Lebensgefährtin kam mit dem Leben davon. Der Täter hatte die beiden über die Insel Nuku Hiva geführt.

Haselau | Ein Südsee-Jäger der Marquesainseln muss wegen der grausamen Tötung eines Weltumseglers aus Haselau (Kreis Pinneberg) ins Gefängnis. Arihano Haiti wurde vom Schöffengericht in Papeete (Französisch Polynesien) für den Mord an Stefan R. zu einer Freiheitsstrafe von 28 Jahren verurteilt. Dies berichtete die örtliche Nachrichtenplattform „Tahiti Infos“.

Der Prozess gegen Arihano Haiti begann am vergangenen Dienstag. Dem 33-Jährigen wurde vorgeworfen, am 9. Oktober 2011 den Haselauer auf der Insel Nuku Hiva erschossen und den Leichnam anschließend verbrannt zu haben. Das Gericht befand den Angeklagten für schuldig. Außerdem fesselte er Heike Dorsch, die Lebensgefährtin des 40-jährigen R., an einen Baum und belästigte sie sexuell. Heike Dorsch konnte fliehen. Sie schrieb 2012 ein Buch über die „Weltumsegelung, die zum Alptraum wurde“. Die beiden waren 2008 mit dem 14 Meter langen Katamaran „Baju“ zu einer Weltumsegelung gestartet.

Die Polizei durchsuchte die Insel nach der Tat, doch Arihano Haiti wurde nicht gefunden. Er stellte sich den Behörden 52 Tage später. Laut „Tahiti Infos“ hat Haiti nicht geleugnet, für den Tod des Weltumseglers verantwortlich zu sein. Jedoch stellte er seine Tat als Notwehr dar: Sein späteres Opfer habe ihn zuvor unter Drogen gesetzt, an einen Busch gekettet und vergewaltigt. Auch habe er Heike Dorsch nicht sexuell belästigt, sondern ihr lediglich zeigen wollen, was ihm durch ihren Lebensgefährten widerfahren sei. Eine Version der Ereignisse, die laut „La Provence“ von den Nebenklägern als absurd beschrieben wurde. Demnach sagte der Anwalt, Haiti habe der Frau nicht gezeigt, was ihm widerfahren sei, sondern was er seinem Opfer angetan habe.

Laut örtlicher Medien sagten am dritten Prozesstag Psychiater vor Gericht aus, die den Täter als psychisch gesund, aber instabil beschrieben. Bekannte sprachen von einem impulsiven Charakter, eine Ex-Freundinnen sagte aus, von ihm geschlagen worden zu sein. Am vierten Prozesstag dann das Urteil: 28 Jahre Haft.

Zur Tatzeit im Oktober 2011 waren der Deutsche und der Jäger Arihano Haiti, der ihn als Führer begleitete, auf Nuku Hiva im Wald unterwegs, um wilde Ziegen zu jagen. Dieses Drama hatte wegen Gerüchten über Kannibalismus blutrünstige Spekulationen angeheizt. Allerdings haben die Ermittlungen keine Beweise für einen „Kannibalen-Mord“ erbracht. Bei der Urteilsverkündung äußerte der Verurteilte den Eltern des Opfers gegenüber Bedauern, für seine Tat zeigte er allerdings keine Reue. Die Familie des Täters reagierte erleichtert. „Gott hat mein Gebet erhört. Mein Sohn wird nicht sein gesamtes Leben im Gefängnis verbringen“, sagte sein Vater unter Tränen. Arihano Haiti wurde in die Haftanstalt Nuutania gebracht, die zu den überfülltesten und baufälligsten Gefängnissen Frankreichs zählt. Papeete auf Tahiti ist Hauptstadt des französischen Überseegebiets Französisch-Polynesien, zu dem auch die Marquesainsel Nuku Hiva gehört.

Mit dpa

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erstellt am 17.Mai.2014 | 17:00 Uhr

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