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Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 11:34 Uhr

Mobbing in Realität und Cyberspace

vom

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 01:14 Uhr

KREIS PINNEBERG | Beleidigen, Drohen, Verfolgen oder peinliche Fotos eines anderen Menschen im Internet verbreiten: Mobbing ist im Kreis Pinneberg ein Thema mit zunehmender Bedeutung - und hat die Grenzen in die virtuelle Welt längst überschritten.

Die Opferhilfeorganisation "Weisser Ring" spricht über eine kreisweite Zunahme der ihr bekannten Mobbingfälle im ersten Halbjahr 2013. 15 der insgesamt 74 Opferfälle seit Anfang des Jahres entfallen auf den Tatbestand Mobbing/Stalking, erklärt Dietrich Anders, Leiter der Außenstelle des "Weissen Rings" im Kreis Pinneberg. 20 Mobbing-Fälle seien es im Gesamtjahr 2012 gewesen, zehn im ersten Halbjahr.

"Aber nur ein Bruchteil der Fälle landet bei mir", sagt Anders. Er berichtet von einem aktuellen Fall, in dem einem 70-jährigen Einwohner von Nachbarn Kot auf die Türklinke geschmiert werde, Steine ans Fenster geworfen würden. Die Folgen für Betroffene können schlimme Ausmaße annehmen: Schlaflosigkeit, Angstattacken, Depressionen, vielleicht sogar Berufsunfähigkeit, heißt es seitens des "Weissen Rings".

Zum Mobbing-Opfer kann jeder werden - vom Kind bis zum Rentner. Doch gerade an Schulen geht es mitunter hoch her. Ein "gefühlt steigender" Trend sei das Cyber-Mobbing, bestätigt Schülersprecher Yannick Penz vom Wedeler Johann-Rist-Gymnasium. "Das ist in den unteren Jahrgängen von der fünften bis zur siebten Klasse ein großes Thema. Einmal im Monat kommt irgendwas vor", weiß der 16-Jährige und spricht von schlimmen Beleidigungen und Drohungen auch über soziale Netzwerke im Internet, wo sich die Täter unbesiegbar fühlten.

Anders weiß von einem Fall im Kreis Pinneberg, in dem ein Schüler auf eine Hamburger Schule wechselte, weil er sich gegen das Mobbing nicht mehr wehren konnte. "Ich glaube nicht, dass die, die das veranlassen, sich im Klaren darüber sind, dass sie andere kaputt machen", sagt Anders.

Von "24-Stunden-Mobbing" durch die ständige mediale Erreichbarkeit spricht Sabine Zurlo, zuständig für die Pressearbeit sowie Präventionsarbeit der Polizei im Kreis Pinneberg. Vielen seien die Persönlichkeitsrechte gar nicht bewusst. Private Fotos würden weitergegeben, schnell sei da mal ein Foto kommentiert und der Überblick über den Adressatenkreis verloren. In ihr Aufgabengebiet fällt es, die Medienkompetenz von Schülern zu stärken. "Ohne Prävention geht es nicht", sagt sie. Genauso sieht es Jörn Folster vom Jugendschutz Kreis Pinneberg. "Ist man betroffen, ist es wichtig, sich Hilfe zu holen, die beste Freundin, Eltern, Vertrauenslehrer oder die Polizei", sagt er. Ein Forum für Betroffene bietet auch die Internetseite des "Weissen Rings". www.mobbing-schluss-damit.de

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