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Serie: Zehn Jahre Tornesch : „Mittlerweile suchen Künstler uns“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kabarett, Musik und mehr: Der Verein Tornescher Allerlei organisiert seit 1991 ein Bühnenprogramm im Pomm 91.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 16:28 Uhr

Tornesch | Fragt man Torneschs Bürgermeister Roland Krügel nach dem Kulturangebot in seiner Stadt, fällt zuerst der Name des multikulturellen Vereins Tornescher Allerlei (To All), der regelmäßig Kultur ins Pomm 91 bringt. „Mit ganz viel Liebe“ sei der Verein im Einsatz, so Krügel. Doch auch die Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tornesch, die Esinger Liedertafel, der Neon-Kunstdialog, der Tag der Heimat zum Volkstrauertag, die Keramiktage, Konzerte in der Kirche und die Ausstellungen regionaler Künstler im Rathaus bleiben nicht unerwähnt.

„Für mich gehört Kultur zur Daseinsvorsorge. Es ist zwar keine Pflichtaufgabe einer Stadt wie das Vorhalten der Freiwilligen Feuerwehr, aber wenn man möchte, dass Lebensqualität in einer Stadt vorhanden ist, muss man sich Gedanken um die Förderung der Kultur machen.“ Über mangelnde Unterstützung hätte sich noch keiner der Vereine beschwert, so Krügel.

So bunt ist das kulturelle Leben in Tornesch jedoch nicht immer gewesen. To All sei beispielsweise 1991 gegründet worden, da viele Tornesch als „kulturelle Wüste“ empfunden hätten. Doch als es die Stadtrechte vor zehn Jahren gab, feierte To All schon Erfolge.

„Als sich der Verein 1991 gründete, habe ich gedacht: Das ist Schwachsinn“, erinnert sich der heutige Vereinsvorsitzende Hanfried Kimstädt (66), der vom Bürgermeister als Kulturbeauftragter der Stadt bezeichnet wird. Die Gründungsmitglieder hätten das kulturelle Angebot der Großgemeinde Tornesch bereichern wollen. „Es gab eigentlich nichts, nur ein paar plattdeutsche Veranstaltungen. Man fuhr für die Kultur nach Hamburg“, so Kimstädt, der 1997 in den Verein eintrat und mittlerweile seit 1999 die Vereinsgeschicke leitet.

Bei To All lief nicht von Anfang an alles rund. Über die Gründungsmitglieder sagt Kimstädt: „Die haben eine ziemliche Durststrecke mitgemacht. Die Veranstaltungen waren nicht so gut besucht.“ Am Anfang habe Hausgemachtes auf dem Programm gestanden. „Sie haben jemanden gesucht, der Märchen vorlesen oder auf seiner Geige rumkratzen konnte“, sagt er. Flops gab es auch in der späteren Vereinsgeschichte immer mal wieder, wie Kimstädt zugibt. Ganze acht Gäste seien beispielsweise zu einem hebräischen Liederabend gekommen. Die Künstler hätten nur einen Tag später in Meldorf den kompletten Dom gefüllt. Das ist zwölf Jahre her. Richtig bekannt geworden sei To All 1997 mit dem ersten Tornesch Open Air, so Festival-Initiator Kimstädt.

„Mittlerweile suchen nicht mehr wir die Künstler. Die Künstler suchen uns – aus Deutschland und vor allem den baltischen Staaten. Wir könnten hier jede Woche eine Veranstaltung bieten. Doch dafür haben wir nicht genug Aktive“, sagt Kimstädt.

Die Kabarettisten Alma Hoppe oder Hans Scheibner standen bereits auf der Vereins-Bühne im Pomm 91. Die Pianistin Michi Komoto wird im kommenden Jahr bereits zum zwölften Mal auftreten. „Almost Pop“ war schon zweimal hier. Alles Anlässe, bei denen „die Bude auch gerammelt voll ist“, berichtet Kimstädt. Ebenso beim jährlichen Fest mit Live-Musik zum St. Patricks Day. Bis zu 200 Zuschauer finden dann im Saal Platz. Ansonsten seien im Schnitt 60 bis 70 Zuschauer pro Veranstaltung dabei. Auch hinter dem Tornescher Kulturtag, der jährlich veranstaltet werde, steckt der Verein.

Einmal im Monat eine Bühne bieten

16 aktive der 66 Mitglieder helfen mit, wenn es etwa einmal im Monat darum geht, die Bühne für die Künstler fit zu machen, den Saal zu bestuhlen, zu kassieren, Getränke auszuschenken oder an Länderabenden für ein paar dutzend Menschen zu kochen.

Der selbstständige Mediendesigner Kimstädt steckt Leidenschaft in die Vereinsarbeit. Zukünftig möchte er den kulturellen Austausch innerhalb Torneschs Städtepartnerschaften stärker fördern. Gleichzeitig setzt er sich für die räumliche Optimierung des 1982 gebauten Pomm 91 ein. So stamme die Beleuchtung „aus der Steinzeit“, wie er sagt. Scheinwerfer habe die Stadt auf Bitten hin angeschafft. Lichtorgien könne man damit jedoch nicht feiern. Vor zwei Jahren habe eine Lichtarchitektin ein Konzept erstellt, dass aufgrund von Geldmangel seitens der Stadt seither auf Eis liege. Das als Altentagesstätte konzipierte Gebäude habe zudem keine Garderobenräume für die Künstler. Und auch die Stühle vor und nach jeder Veranstaltung mangels Lagerfläche von und auf die Bühne zu räumen, sei nicht optimal. Auch wenn es Unterstützung der Stadt gebe, bemängelt Kimstädt: „Die Relation der Ausgaben der Stadt stimmt nicht. Kultur kommt dabei zu kurz.“

Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Sponsoren, Eintrittsgelder und Zuschüsse des Kreises Die Stadt füllt die Lücken. „Die Stadt übernimmt Ausfallbürgschaften von zirka 1000 Euro jährlich“, so Kimstädt. „Das Konzept funktioniert. Wir kommen gut über die Runden.“

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