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Saisonstart der Motorradfahrer : Mit Vorsicht aus dem Winterschlaf

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Tüv und ADAC raten zur Überprüfung der Maschinen. In 70 Prozent der Unfälle tragen jedoch Autofahrer die Hauptschuld.

Kreis Pinneberg | Kaum bleibt es frostfrei auf den Straßen der Region sind sie wieder zu sehen: Motorradfahrer. Bereits vor Ostern waren die ersten Gruppen auf ihren Zweirädern unterwegs, um das gute Wetter ausnutzten. Der Motorradsaison-start bedeutet jedoch für alle Verkehrsteilnehmer, dass sie in den kommenden Wochen besonders aufmerksam sein müssen. „Alle müssen sich erst mal wieder daran gewöhnen: Die Motorradfahrer müssen den Winterrost loswerden, sich wieder auf das Fahrverhalten ihres Zweirads einstellen und ihre Fähigkeiten realistisch bewerten“, sagt Björn Seelig, Leiter der Tüv-Station Elmshorn.

Eine Auswertung der ADAC-Unfallforschung von ewta 900 Motorradunfällen zeigt, dass mehr als 40 Prozent der zirka 1000 beteiligten Motorradfahrer Schädel-Hirn-Traumata erlitten. Dies verdeutlicht die Bedeutung, aber auch die Grenzen des Motorradhelms. Bei etwa drei Prozent der Unfälle wurde der Helm vom Kopf des Fahrers abgestreift. Der ADAC rät dazu, Helme zu kaufen, deren Innenschalen sich an die individuellen Kopfformen anpassen lassen; das fördere nicht nur den Komfort, sondern führe auch zu einem stabilen Sitz des Helms.
Im Idealfall werde der Kopf des Fahrers beim Helmkauf vermessen und die Innenschale entsprechend angepasst. Hilfestellung gibt es auch für Ersthelfer: Muss einem Motorradfahrer nach einem Unfall der Integralhelm abgenommen werden, so kann der Ersthelfer mit zwei Handgriffen die Wangenpolster entfernen, um den Helm leichter vom Kopf zu ziehen. Zudem werden Motorradhelme durch Verwendung neuer Materialien leichter. Doppelscheiben-Visiere, die bei widrigen Witterungsverhältnissen bessere Sicht ermöglichen, gehören bei guten Motorradhelmen zur Standardausstattung.
Weiter rät der ADAC, für den Helmkauf genug Zeit einzuplanen. Wichtig sei es auch, einen Fachhändler mit großem Markensortiment aufzusuchen, um möglichst viele unterschiedliche Passformen auszuprobieren. Der Helm müsse am ganzen Kopf fest sitzen, ohne zu drücken. Deswegen sollte der Helm mindestens zehn Minuten lang getragen werden. Die meisten  Händler ermöglichen eine Probefahrt mit dem Wunschhelm. Dabei lassen sich Akustik und Aerodynamik des Helms auf der eigenen Maschine testen. Brillenträger sollten den Helm mit dem passenden Brillenmodell ausprobieren. Und: Je heller die Farbe oder kontrastreicher das Design des Motorradhelms, desto besser wird der Fahrer im fließenden Verkehr gesehen.

Auch die Autofahrer müssen sich erneut darauf einstellen, dass es Verkehrsteilnehmer gibt, die schlecht zu sehen sind, aber trotzdem sehr schnell sein können. „Laut statistischem Bundesamt tragen in rund 70 Prozent aller Unfälle zwischen Pkw und Motorrad die Autofahrer die Hauptschuld“, so Seelig. Da die Zweiradfahrer nicht durch eine Knautschzone geschützt sind, seien sie bei  Kollisionen besonders gefährdet. „Ich kann Autofahrer daher nur aufrufen, eine besondere Vorsicht walten zu lassen und die Kurven nicht zu schneiden,“ sagt der Leiter der Tüv-Station. 

Auch Motorradfahrer müssten sich auf die Saison vorbereiten. „Nicht nur die Maschine, sondern auch der Fahrer hatte eine längere Pause und muss daher darauf achten, fit zu sein“, so Seelig. Er rate dazu, es zunächst ruhig angehen zu lassen. „So bringen sie ihre Kondition. Fahrfähigkeit und Konzentrationskraft Schritt für Schritt auf das notwendige Niveau.“

Auch die Maschine muss fit gemacht werden.  Sowohl der Tüv Nord als auch der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC), raten den Motorradfahrern dazu, vor der ersten Tour die wichtigsten Funktionen ihrer Maschinen zu überprüfen, um sicher in die neue Saison zu starten. Dazu gehöre die Überprüfung des Stands von Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel. Gegebenenfalls müssten diese nachgefüllt werden. „Ist die Menge seit dem Einwintern weniger geworden, könnte ein entsprechendes Bauteil undicht sein. Eventuell ist im Zuge des Wechselintervalls ein Austausch der Flüssigkeit notwendig“, teilt der ADAC mit. Auch der Ladestand der Batterie sollte überprüft werden.

Hebel und Schalter

Zudem sollten Bremsbeläge, Bremswirkung und Druckpunkt der Bremse kontrolliert werden. Auch der Freilauf der Räder sollte einwandfrei funktionieren, bevor es auf Tour geht. Wichtig sei zudem, dass alle Hebel und Schalter leichtgängig funktionieren. Auch die Bowdenzüge sollten leichtgängig sein. Bei Fahrzeugen mit Antriebskette ist es laut ADAC zudem wichtig, Kettenspannung und Verschleiß zu prüfen und die Kette gegebenenfalls zu fetten. Auch die Reifen sollten Motorradfahrer unter die Lupe nehmen. „Stimmt der Luftdruck?“ „Ist das Profil noch mindestens zwei Millimeter hoch und sind die Reifen noch dicht?“ Lauten die Fragen, die dabei beantwortet werden sollten.

Zudem gilt, wie bei Autos, das sowohl Brems-, Fern- und Abblendlicht als auch der Blinker funktionieren müssen, damit die Maschine verkehrssicher ist. Können Mängel nicht behoben werden, wird dazu geraten, die erste Tour zu verschieben.

Fahrlehrer warnt: Vorsicht vor Selbstüberschätzung

„Autofahrer vergessen oft, dass Motorradfahrer auch schnell unterwegs sind“, sagt Rolf Leutsch, Fahrlehrer bei der Fahrschule Lienau in Pinneberg und Uetersen. Dadurch unterschätzten sie häufig, wie weit ein Zweiradfahrer entfernt ist. Zudem wünsche sich Leutsch mehr Rücksicht von Autofahrern für Biker. „Es wird oft gesagt: ‚Die rasen so‘, aber gleichzeitig ermöglichen sie auch den Motorradfahrern keine freie Fahrt und bremsen sie aus“, so der der Fahrlehrer, der zirka 40 Jahre Berufserfahrung hat.

Die Biker warne Leutsch vor Selbstüberschätzung. Nicht nur die Maschine müsse aus dem Winterschlaf geholten werden, sondern auch der Fahrer selbst. „Erstmal sollten ein paar Übungsfahrten gemacht werden und nicht gleich die 500 Kilometer-Tour“, sagt er. Anfänger sollten zudem ihre eignen Grenzen kennen und nicht von Anfang an probieren, erfahrenen Fahrern blind nachzueifern. Sie  sollten erst Erfahrungen sammeln. „Auf die Vernunft des Fahrers kommt es an“, sagt Leutsch.

Fahrer sollten zudem auf die richtige Einstellung von der Beleuchtung achten, damit sie für andere Verkehrsteilnehmer sichtbarer sind. „Wichtig ist auch die richtige Ausrüstung: Helm, Handschuhe, passende Hose und Jacke.“ Wer in Jeanshosen  fährt, riskiert laut Leutsch einiges.

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erstellt am 02.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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