Mit schönen Haaren gegen Krebs

Lieferten eine großartige schauspielerische Leistung ab und begeisterten das Publikum: Jan Rzepucha als Pfleger Bastian, Reinhard Matthies als Arzt Dr. Leonhard und Jana Engel als Sophie.
Lieferten eine großartige schauspielerische Leistung ab und begeisterten das Publikum: Jan Rzepucha als Pfleger Bastian, Reinhard Matthies als Arzt Dr. Leonhard und Jana Engel als Sophie.

Forum Theater: 100 Besucher bei berührender Inszenierung / Weitere Aufführungen am Wochenende

shz.de von
28. August 2018, 16:00 Uhr

Warum über das Sterben weinen, wenn man doch weiß, dass es kommt? Mit solchen Gedanken beschäftigt sich die an einem aggressiven Weichteilkrebs erkrankte Sophie im Schauspiel „Heute bin ich blond“. Das Forum Theater inszenierte das auf Tatsachen basierende Stück von John von Düffel in berührender Weise.

Die an Krebs erkrankte Studentin Sophie (Jana Engel) beschreibt fortwährend den Verlauf ihrer Krebserkrankung im Tagebuch. Sie wirft ihre Tagebucheinträge per Beamer an die Wand. Doch auch künstlerisch gelungene Bilder des mit Sophie befreundeten Fotografen Martin (Jan Lübeck) bereichern das überwiegend von einem Krankenbett dominierte Bühnenbild.

Jana Engel spielt Sophie, die sich gegen ihre Krankheit wehrt, gekonnt emotional mit facettenreichen Stimmungsschwankungen. Vor allem ihre beste Freundin Annabel (Hannah Langhein), aber auch Pfleger Bastian (Jan Rzepucha) helfen ihr, ein Leben zu führen als wäre sie gesund. Partys, Flirten und Sex inklusive. Sophie gelingt es mit Hilfe von Perücken, in ständig neue Identitäten zu schlüpfen. Zahlreiche humorvolle Szenen wie der singende Pfleger Bastian beleben das Schauspiel. Doch auch die grob-ignorante Perücken-Frau (Stefanie Rippl) und der betrunkene „Disco-Anbaggerer“ (Andreas Hettwer) brachten die Zuschauer zum Lachen. Die Darsteller, darunter Arzt Dr. Leonhard (Reinhard Matthies), boten insgesamt eine überzeugende Leistung.

Die Technik sorgte für eine atmosphärische Stimmung mit Licht- und Mikrofoneffekten. Regisseur Björn Oberhössel legte es nicht darauf an, das Publikum in Schock zu versetzen. Er ließ auf traurige Episoden wie den Haarverlust humorvolle Szenen mit dem tanzenden Pfleger Bastian folgen. Die Beteiligten meisterten die Herausforderung, den emotionalen Stoff nicht kitschig, sondern realistisch und mit Tiefgang zu inszenieren. So gibt es zwar für Sophie ein Happy-End und sie darf das Krankenhaus verlassen – doch ihre Freundin Chantal erliegt den Folgen ihrer Krebserkrankung. Mit zahlreichen Bravo-Rufen der 100 Zuschauer klang der gelungene Theaterabend im Rathaus aus.

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