Mit „Rettungs-App“ gegen Herztod

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Technik und Gesundheit Netzwerk von ehrenamtlichen Ersthelfern soll Überlebenschancen bei Herzstillständen verbessern

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13. Dezember 2017, 16:30 Uhr

In Deutschland erleiden nach Informationen unserer Zeitung jährlich mehr als 50 000 Menschen einen Herzstillstand. Nur zehn Prozent überleben. Durch schnelle Wiederbelebungsmaßnahmen können sich die Überlebenschancen allerdings verdoppeln bis verdreifachen.

Die Überlebenschancen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sollen nun über eine App verbessert werden. Bei 112-Notrufen mit dem Verdacht auf einen Herzstillstand, greift die regionale Einsatzleitstelle Elmshorn in den Kreisen Pinneberg, Dithmarschen und Steinburg ab sofort auf „Meine Stadt rettet“ zurück – ein Netzwerk sogenannter App-Retter. Das sind qualifizierte Ersthelfer, die sich registrieren lassen und mittels einer App auf ihrem Smartphone alarmiert werden können. Entwickelt wurde das Projekt vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Campus Lübeck.

Automatisch wird geprüft, ob sich ein registrierter Ersthelfer in der Nähe zum Notfallort befindet. Ist dies der Fall, wird er auf schnellstem Wege zum Einsatzort geführt. Der Ersthelfer versorgt dann den Patienten bis zum Eintreffen professioneller Rettungskräfte.

In der Region entlang der Westküste haben sich seit Ende September bereits mehr als 1200 qualifizierte Menschen in das Netzwerk der ehrenamtlichen Lebensretter aufnehmen lassen. Doch wie wird man als qualifiziert eingestuft? „Wichtig sind dabei aktuelle Kenntnisse darüber, was bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu tun ist“, betont Stephan Bandlow, Leiter der Kreisleitstelle.

„Die lebensrettenden Maßnahmen der ersten Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind an keiner anderen Stelle in der Rettungskette zu ersetzen“, ergänzt Dr. André Gnirke, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH). Er fügt an: „Die Maßnahmen sind schnell zu erlernen und hoch effektiv.“

Bevor der Ersthelfer die Einsatzinformationen einsehen kann, muss er über einen Pin-Code seine Bereitschaft bestätigen. Dafür hat dieser zwei Minuten Zeit. Andernfalls wird der Einsatz an einen anderen Ersthelfer in der Nähe weitergeleitet. Ein direkter Austausch mit der zuständigen Leitstelle ist jederzeit möglich.

Die App-Retter haben mittels GPS die Möglichkeit, sich Defibrillatoren in der Nähe anzeigen zu lassen. Die App ist nämlich mit einer Vielzahl von Defibrillatoren Datenbanken verbunden. Damit soll gewährleistet werden, dass im gesamten europäischen Raum schnell geholfen werden kann. Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt bei der Ersthilfe jede Sekunde.

Weitere Infos auf der Homepage www.meine-stadt-rettet.de

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