Kreis Pinneberg / Hamburg : Mit Pulver gegen Stichflammen

Mit hohem Druck schießt das entzündete Gas aus der Leitung: Die Feuerwehrleute sind mit Pulverlöschern im Einsatz.
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Mit hohem Druck schießt das entzündete Gas aus der Leitung: Die Feuerwehrleute sind mit Pulverlöschern im Einsatz.

Übung macht den Meister: Einsatzkräfte der Metropolregion proben in der Feuerwehrakademie Hamburg das Löschen von Gasbränden.

shz.de von
28. Mai 2015, 16:00 Uhr

Hamburg | Eine Stichflamme schießt bis zu zehn Meter in die Höhe. Das Rauschen ist ohrenbetäubend, die erschreckende Hitze auf der nackten Gesichtshaut zu spüren. Ein Gasbrand in einer technischen Baugrube. Mit Pulverlöschern nähern sich die Einsatzkräfte der Flamme. Der weiße Inhaltsstoff spritzt aus den Löschgeräten. In wenigen Sekunden bekämpfen sie den Brand auf dem Gelände der Feuerwehrakademie Hamburg. Und dann dasselbe noch einmal: Die Flamme wird neu entzündet. Mehr als 30 Feuerwehrmänner- und frauen der Feuerwehren aus der Metropolregion Hamburg wollen für den Ernstfall proben. Schnell ist die Situation wieder unter Kontrolle. Der Brand ist eine Simulation auf dem Übungsgelände, zu der der Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz am Dienstagabend eingeladen hatte.

Zu den Hintergründen der Übung sagt der Sprecher der Hamburger Feuerwehr Hendrik Frese: „Beschädigungen an Gasleitungen haben wir täglich.“ Volker Mielisch, Sprecher von Hamburg Netz und Schleswig-Holstein Netz, ergänzt: „Ganz extrem ist es in Schleswig-Holstein bei der Erschließung des schnellen Internets. Glasfasernetze werden gern mit Erdraketen verlegt.“ Aber auch bei Tiefbauarbeiten oder zu tiefen Spatenstichen im Garten könnten Leitungen beschädigt werden.

Frank Homrich, Wehrführer des Kreisfeuerwehrverbands Pinneberg, spricht von insbesondere kleineren Fällen „alle 14 Tage einmal“. Er erinnert unter anderem auch an den Einsatz im Borsteler Weg in Pinneberg im Juni 2014. Dort schoss eine Stichflamme stundenlang aus dem Leck einer Gasleitung, die bei Bauarbeiten beschädigt worden war.

Großeinsatz im Kreis Stormarn

Einen Großeinsatz hatte es zudem erst im Februar dieses Jahres in Delingsdorf im Kreis Stormarn gegeben, bei dem eine Gasleitung durch eine Tiefbaufirma beschädigt worden war, es jedoch nicht brannte. „Eine entzündete Gasleitung kommt nicht jährlich vor. Das ist sehr, sehr selten“, so Mielisch. Doch oft reiche zur Entzündung ein Funkenschlag. Der Gasaustritt sei zu hören, aber nicht zu sehen.

Laut Frese sei ein Gasbrand besser zu kontrollieren als unkontrolliertes Ausströmen des Gases, das Explosionsgefahr biete. Gelöscht werden müsse der Brand dennoch, sollten beispielsweise Gebäude in unmittelbarer Nähe stehen, erläutert Mielisch. Zuvor müsse jedoch die Gasleitung abgesperrt werden, damit die Zufuhr von Brennstoff unterbleibt. Der Netzbetreiber sei für die Behebung des Gasschadens zuständig. Ein Mitarbeiter müsse innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein.

Die Gefahrenabwehr bleibt in diesem Fall Aufgabe der Feuerwehr. Die Schulung auf dem Gelände der Feuerwehrakademie Hamburg dient der Prävention. „Damit die Einsatzkräfte wissen, was auf sie zukommt“, so Mielisch. Frese ergänzt: „Übung macht den Meister. Gerade im Bereich der Freiwilligen Feuerwehr ist es ein nicht alltäglicher Einsatz.“

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