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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 06:44 Uhr

Kreis Pinneberg : Mit Pillen durch den Joballtag

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine Studie zum Doping am Arbeitsplatz zeigt, dass drei Millionen Beschäftigte in Deutschland zu Medikamenten greifen.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2015 | 11:00 Uhr

Pinneberg | Drei Millionen Beschäftigte in Deutschland nehmen leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente, um durch den Arbeitsalltag zu kommen. Diese Zahl liefert die DAK in einer neuen Studie. Demnach sei die Anzahl der Arbeitnehmer, die sogenanntes Hirndoping betreibe, in den vergangenen sechs Jahren gestiegen –  von 4,7 auf 6,7 Prozent. Vor allem Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten oder unsicheren Jobs gehörten zur Risikogruppe für den Medikamentenmissbrauch. Geschluckt würden Pillen gegen Angst, Nervosität und Unruhe, Depressionen, Tagesmüdigkeit sowie Betablocker, so die DAK. 

Für Jens Festersen, Gewerkschaftssekretät im Verdi-Bezirk Pinneberg-Steinburg, ist das keine Überraschung. „Die Arbeitsbelastung hat im Laufe der letzten Jahre zugenommen“, sagt er über die  Ergebnisse der jährlichen Arbeitnehmerbefragung DGB-Index „Gute Arbeit“. Personalabbau und die Übertragung weiterer Aufgaben an einen Arbeitnehmer hätten zur  Arbeitsverdichtung geführt.

Sämtliche Fragen zum Thema  Doping im Job, Risiken, Abhängigkeit, Alternativen und  Stressabbau beantworten  Experten der DAK in einer kostenlosen Beratungshotline am Dienstag, 31. März, von 8 bis 20 Uhr  unter 0800-111841.

Hoher Leistungsdruck, Stress und Überlastung sind laut DAK-Report meist Auslöser für den Griff zur Pille.  Mehr als jeder Zweite bekommt die Medikamente durch ein Rezept vom Arzt. Jeder Siebte erhält Tabletten aus dem Freundes- oder Familienkreis. Jeder Zwölfte bestellt sie ohne Rezept im Internet. „Wir mussten feststellen, dass sich viele selbst therapieren“, so Thomas Ehlert, DAK-Leiter im Kreis Pinneberg, über die Studie. Dabei  könnten laut DAK Risiken und Nebenwirkungen von Herzrhythmusstörungen über Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen bis zu Persönlichkeitsveränderungen und Abhängigkeit auftreten. „Die Einnahme dieser Medikamente sollte von einem Arzt angeordnet und überwacht werden“, mahnt auch Dr. Guido Csomós, Ärztlicher Direktor am Regio-Klinikum Pinneberg. Ohnehin, so Csomós, sollte man nicht versuchen, die Grenze seiner Leistungsfähigkeit durch die Einnahme von Medikamenten zu verschieben, sondern sich einen Ausgleich suchen. Nebenwirkungsfrei seien Bewegung und eine gesunde Ernährung: „Es ist nachgewiesen, dass bereits zweimal 30 Minuten Sport in der Woche gut für Körper und Geist sind.“

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