zur Navigation springen

Führung durch Pinneberg : Mit Otto Klafack in die Kaiserzeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kindheit, Schule und Jugend in Pinneberg - mit Otto Klafack geht es auf Zeitreise.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Pinneberg | „Der Kaiser ist ein lieber Mann, er wohnet in Berlin, und wär’ das nicht so weit von hier, so ging ich heut’ noch hin.“ Mit solchen historischen Liedern und Anekdoten hat Peter Russ in der Gestalt von Obernachtwächter Otto Klafack die Pinneberger Geschichte beleuchtet. 30 Teilnehmer begleiteten den Museumspädagogen und Historiker bei seinem Rundgang vorbei an ehemaligen Schulen und weiteren spannenden historischen Orten.

Beim Rundgang erzählte Klafack vor allem von Kindheit, Schule und Jugend zur Zeit des deutschen Kaiserreichs. Er startete an der Elmshorner Straße, Ecke Koppelstraße, und stoppte auch an der ersten Pinneberger Schule in der Schulstraße. Während des Rundgangs sprach der mit Tutehorn und originalgetreuer Kleidung ausgestattete Klafack jedoch auch einen traurigen Punkt an: die Kinderarbeit. Die Teilnehmer erfuhren, dass der Nachwuchs in Schleswig-Holstein ab acht-, teilweise schon ab sechs Jahren in der Region zehn, zwölf und mehr Stunden in den Fabriken arbeiten musste. Die als reaktionär geltenden Preußen führten schon in den 1830er Jahren Kinderschutzgesetze ein. Erst als die Preußen das ehemalige dänische Schleswig-Holstein annektierten, kamen diese Gesetze auch nach Pinneberg. Russ berichtete, in keinen Pinneberger Dokument etwas über Kinderarbeit gefunden zu haben. Postkarten und ein Foto einer Maschinenfabrik zeigten aber schuftende Pinneberger Kinder. „Vermutlich wurde das Thema hier totgeschwiegen“, sagte Russ.

Doch Klafack hatte auch Beispiele für Engagement parat: „Mit gewaltigem Aufwand kümmerte sich die Fabrikantenfamilie Wuppermann um Kinder und Jugendliche.“ Es gab eine Warteschule beziehungsweise einen Arbeiterkindergarten, eine Pappschule für Jungen (Lernschule für Papp- und Holzarbeiten). Es existierte darüber hinaus eine Nähschule und eine Hauswirtschaftsschule für Mädchen. Die Mitarbeiter veranstalteten zusätzlich Weihnachtsfeiern in der firmeneigenen Turnhalle, die heutige Ernst-Paasch-Halle in der Lindenstraße.

1700 Teilnehmer seit Beginn 2013

Die Führung endete an der Christuskirche. Denn mit der Konfirmation endete für die meisten Jugendlichen die Schule und das Berufsleben begann. „Ziel der Jugendlichen war die Heirat in der Kirche“, erläuterte der Obernachtwächter.

Nach der Tour bilanzierten Sabine und Matthias Wacker aus Pinneberg: „Wir finden die Führungen mit Herrn Russ immer sehr spannend, humorvoll und kurzweilig.“ Bei der Rundtour mit dem Nachtwächter sei es möglich, viel über die Geschichte ihrer Stadt zu erfahren.

Mit Unterstützung des Pinneberg Museums gelang es Russ von Mai 2013 an knapp 1700 Teilnehmer bei öffentlichen und gebuchten Führungen zu begeistern. „Eine unterhaltsame Führung erleichtert es, Menschen derartige Fakten nahezubringen“, sagte Russ. Fünf Stadtführungen zu unterschiedlichen Themen hat er bereits entwickelt. Ein Besuch im Pinneberg Museum vervollkommnet den Blick auf die lokale Historie. Klafack erzählt beispielsweise nichts über Pinneberg in der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der Nachkriegszeit.

Die nächsten Stadtrundgänge sind aufgrund der Fußball-WM schon sehr früh im nächsten Jahr. Startzeit ist jeweils 18 Uhr. Die nächste Führung unter dem Motto „Pinnebergs Pensionopolis“ am 27. April startet am Bahnhof. Russ wird dabei den Teilnehmern vor Augen führen, dass Pinneberg zum vermutlich wichtigsten Ausflugsort der Großstädter aus Hamburg und Altona zählte. Es kamen im Kaiserreich auf 4000 Pinneberger Einwohner jährlich 100  000 Besucher. Wichtiger Aspekt dieser Führung ist es, den Teilnehmern die Fülle an Hotels, Pensionen, Gastwirtschaften und ehemaligen touristischen Aktionen aufzuzeigen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen