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Pinneberger Tageblatt

25. November 2017 | 08:58 Uhr

Mit Musik Konflikte entschärfen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Reformationsjubiläum Festkonzert der Kantorei Rellingen als Jahreshöhepunkt / Werke von Bach, Mendelssohn Bartholdy und Poulenc

von
erstellt am 24.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Der Höhepunkt des diesjährigen Reformationsjahres, 500 Jahre Kirchenspaltung durch Martin Luther (kleines Foto, rechts) als unnachgiebige Triebfeder, naht. Für Sonnabend, 28.      Oktober, ab 19 Uhr, lädt die Rellinger Kirchengemeinde in die 1756 gebaute Barockkirche zum großen Festkonzert ein.

Rellingens Kantor Oliver Schmidt hat sich eine Menge vorgenommen. Drei größere Werke will der Musiker und Komponist in den Mittelpunkt stellen: Auf die Kantate „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“, BWV 80 von Johann Sebastian Bach (1685-1750, kleines Foto, links) folgt die „Symphonie Nr. 5 D-Dur“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Abschließend erklingt das „Gloria“ von Francis Poulenc. Die Solisten des Abends sind Eva Koch (Sopran), Carmen Bangert (Alt) und Keno Brandt (Bass). Es singt die Rellinger Kantorei begleitet von der Sinfonietta Lübeck.

„Ein’ feste Burg ist unser Gott, ein’ gute Wehr und Waffen“ – Luthers Lied „ist die berühmteste Melodie der Reformation“, betont Schmidt. Die Kernbotschaft des 46. Psalms erfahre in Luthers deutschsprachiger Nachdichtung noch eine Intensivierung. Mittels etwas kriegerischer Bildsprache werde zu Gottvertrauen auch in scheinbar ausweglosen Situationen ermutigt. Schmidt: „Die erlösende und befreiende Perspektive, die Christus in die Welt gebracht hat, wird in diesem Lied besonders nachdrücklich in Erinnerung gerufen. Sänger, Hörer und Leser werden in die Lage versetzt, sich Konflikten und Problemen des Alltags zu stellen und sie zu entschärfen.“

Bachs Kantate hat Luthers Melodie und Text zur inhaltlichen Grundlage. Alle vier Strophen des Liedes werden ungekürzt chorisch oder solistisch gesungen. Ihre Bildsprache wird durch Bachs musikalische Nachzeichnung besonders lebendig. Alle Ängste und Gefahren, die sich im Alltag zeigen können, werden musikalisch erlebbar, müssen am Ende aber Hoffnung und Optimismus Platz machen.

Mendelssohns Symphonie beschreibt laut Schmidt die Reformationsepoche als Ganzes. Luthers theologische Anliegen und Positionen sowie die Konflikte, die sie in der Gesellschaft hervorriefen, werden in Klänge gefasst. Zwei kirchenmusikalische Themen bilden dabei den musikalischen Rahmen. Die „Amen“ –Liturgie aus der Dresdner Kreuzkirche kennen viele Musikliebhaber als Hauptthema aus dem „Parzival.“ Mendelssohn zitiert sie nicht heroisch wie Wagner, sondern eher beschwichtigend und hoffnungsstiftend. Die Melodie von „Ein‘ feste Burg“ ist das Hauptthema des Schlusssatzes und erfährt eine vielseitige musikalische Behandlung; durchaus auch einmal heroisch, vor allem aber perspektivisch, mitunter sogar gelöst und heiter.

Zu guter Letzt erklingt das „Gloria“ des Katholiken Francis Poulenc (1899-1963). Es steht, so weiß Schmidt, in keiner direkten äußeren Beziehung zu Luther und der Reformation. „Doch weisen Luthers Thesen und Poulencs Musik inhaltlich erstaunliche Parallelen auf. Luther stellt Christus ins Zentrum seines Glaubensverständnisses und versteht dessen Tod und Auferstehung als einzige und unentbehrliche Voraussetzung für ein Leben nach dem Tod“, erklärt Schmidt. Poulenc vertrete in seiner Musik dieselbe Position durch ein ebenso einfaches wie geniales Christus – Motiv aus nur vier Tönen, das im gesamten sechsteiligen Werk immer wieder erklingt und es dominiert. Das klangliche Umfeld zu diesem Motiv bildet die einmalige Klangsprache Poulencs, die – vorgetragen vom großen Orchester – Elemente der Postromantik, der Moderne und der kirchlichen Tradition verknüpft.

Schmidt blickt versöhnlich und hoffnungsvoll in die Zukunft: „Die Verbindung katholischer und evangelischer Musik in einem Konzertprogramm ist längst Alltag, und das ist gut so.“ Sie mag als Hinweis und Ermunterung dienen, auch bei anderen nur scheinbar unüberbrückbaren Gegenpositionen in Gesellschaft und Religion nach Schnittmengen zu suchen, die ein konstruktives Neben- und schließlich Miteinander aller Seiten möglich machen.
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Karten für 15, 25 und 35 Euro gibt es in der Buchhandlung „Lesestoff“, Hauptstraße 74, bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie online unter www.mrk-rellingen.de; www. reservix.de und an der Abendkasse. Eine Begleitperson eines Schwerbeschädigten erhält freien Eintritt.


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