Mit Musik gegen Vorurteile

Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt, nur der Kassenprüfer ist neu – von links nach rechts: der Erste Vorsitzende Martin Schreiber, die Zweite Vorsitzende Julia Geisler, Kassenprüfer Manfred Bogott, Kassenwartin Stephanie Schult, Kreisjugendwart Matthias Schulz, Jugendbeisitzerin Jennifer Schiemann und der Fachleiter für Spielleute und Blasmusik Marcel Blohm.
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Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt, nur der Kassenprüfer ist neu – von links nach rechts: der Erste Vorsitzende Martin Schreiber, die Zweite Vorsitzende Julia Geisler, Kassenprüfer Manfred Bogott, Kassenwartin Stephanie Schult, Kreisjugendwart Matthias Schulz, Jugendbeisitzerin Jennifer Schiemann und der Fachleiter für Spielleute und Blasmusik Marcel Blohm.

Kampf gegen das angestaubte Image: Kreis Pinneberger Musikerverband will neue Mitglieder für die 18 Spielmannszügen werben

shz.de von
31. Januar 2018, 16:00 Uhr

„Wer heute als Jugendlicher in einem Spielmannszug mitmacht, gilt als uncool“, sagt Marcel Blohm. „Leider“, fügt er hinzu. Denn Blohm engagiert sich im Vorstand des Musikerverbandes Kreis Pinneberg und vertritt, gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen, insgesamt 18 Spielmannszüge und Musikzüge aus dem Kreisgebiet. Er selbst findet das gemeinsame Musizieren im Spielmannszug großartig und würde potenziellen Nachwuchs gern großflächig begeistern. Denn: „Unsere Kinder und Jugendlichen kommen meist aus Spielmannszug-Familien. Das überträgt sich von Generation zu Generation.“ Jugendliche ohne einen Bezug kämen selten.

„Manchmal bringen unsere jungen Musiker aber Klassenkameraden oder Freunde mit“, so der Kreisfachleiter Musik. Seine Erfahrung: „Die Vorurteile verschwinden dann ganz schnell beim Mitmachen.“ Der Erste Vorsitzende Martin Schreiber ergänzt: „In der Regel gilt, dass das Interesse für Spielmannszüge wächst, je weiter die Freizeitmöglichkeiten größerer Städte entfernt sind.“

Mehr als 500 Mitglieder gibt es im Kreismusikerverband Pinneberg, in Schleswig-Holstein sind es mehr als 3500. Hauptaufgabe ist die musikalische Fortbildung. Schreiber: „Wir sind sozusagen eine Musikschule für Spielmannszüge.“ In Elementarlehrgängen werden die Musiker ausgebildet. Blohm sucht entsprechende Dozenten und engagiert sie. Auch die Dozenten sind ehrenamtlich tätig, bekommen aber eine Aufwandsentschädigung.

Der Pinneberger Vorstand ist neben der Weiterbildung auch Ansprechpartner, wenn Ehrungen anstehen: „Ich bin vor Ort und überreiche beispielsweise Ehrennadeln für langjähriges Mitwirken. Die Mitglieder freuen sich über die Anerkennung“, sagt Schreiber, dem anzumerken ist, dass er diese Aufgabe gern übernimmt.


Neuer Vorstand, alter Vorstand

Auf der Jahreshauptversammlung des Kreismusikerverbandes Pinneberg ist am vergangenen Montag in Schenefeld der alte zum neuen Vorstand gewählt worden. Alles lief schnell, glatt, einstimmig – und die Kasse stimmt. Kreisjugendwart Matthias Schulz berichtete über Ausflüge und Aktivitäten der jungen Mitglieder. So gab es unter anderem Diskussionen und Veranstaltungen zum Thema „Welche Auswirkungen haben der digitale Wandel und die mediale Zukunft auf das Vereinsleben?“ Eine Antwort ergab sich praxisnah schon vor Ort: Während die jungen Musiker ganz selbstverständlich digital kommunizieren und, wenn die Lage es erfordert, ihre Sitzungen auch mal per Videochat abhalten, verlassen sich die Älteren auf die Post. Sehr zum Leidwesen von Kay Prieß, Präsident des Musikerverbandes Schleswig-Holstein, der seinen Kollegen aus dem Kreis Pinneberg während der Jahreshauptversammlung seine Anliegen vortrug.

Prieß warb für mehr Datendisziplin. Jahresmeldungen über Mitglieder würden über ein neues Vereins-Computersystem abgewickelt. Aber das hätten noch nicht alle verinnerlicht: „Wir bekommen Briefe mit der Information, dass der Verein 20 weibliche und 10 männliche Mitglieder hat. Was sollen wir damit anfangen?“, fragt er ratlos in die Runde. Zumal die Daten auch Grundlage für Zuschüsse des Landes Schleswig-Holstein und die Gema-Gebühren seien. Der Gema-Rahmenvertrag ist für die Spielmannszüge wichtig, weil so pauschal alle eventuellen Urheberrechte der Musikstücke abgegolten sind (siehe Kasten).


Landesmusikfest im September in Norderstedt

Das zweite Anliegen von Prieß kam bei den 25 Teilnehmern der Jahreshauptversammlung besser an: Er machte auf das Landesmusikfest 2018 aufmerksam. Mit Gästen aus dem ganzen Bundesgebiet soll es vom 14. bis zum 16. September in Norderstedt musikalisch rundgehen. Nach dem Motto man muss Feste feiern wie sie fallen – oder man macht sie eben selbst – lädt der Musikerverband Schleswig-Holstein, gemeinsam mit dem Musikerverein Norderstedt und dem Spielmannszug von TuRa Harksheide zur großen Sause ein. 30 Vereine kommen. Auch die Big Band der Bundeswehr hat sich angesagt. „Wir wollen Norderstedt zum Klingen bringen“, sagt Prieß.

Außerdem wurde beschlossen, Lehrgänge im kommenden Jahr sinnvoller und effektiver gemeinsam mit dem Kreis Steinburg durchzuführen. „Das Projekt ist etwas ins Stocken geraten, steht aber auf der Liste“, verspricht Schreiber. Ansonsten wünschen sich die Musiker generell mehr Räumlichkeiten und Unterstützung seitens der Verwaltung. Blohm: „Da gibt es in den Kommunen oft eine Ungleichbehandlung. Es ist für uns wirklich harte Arbeit, wenn wir einmal etwas fordern und durchsetzen wollen, während die Sportvereine alles hinterhergeschmissen bekommen.“

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