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DAS SONNTAGSGESPRÄCH : „Mit Hilfe erreicht man seine Ziele leichter“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn über den Weißen Ring und ihr ehrenamtliches Engagement.

shz.de von
erstellt am 02.Jul.2017 | 15:00 Uhr

Pinneberg | Mit Kirsten Bruhn hat sich eine prominente Paralympics-Medaillengewinnerin dem Opferschutz verschrieben. Die erfolgreiche Schwimmerin ist seit 2008 Botschafterin des Weißen Rings. Deshalb nimmt sie am 6. Juli ab 18 Uhr an einer Podiumsdiskussion in den Räumen der Volksbank Pinneberg-Elmshorn teil, bei der die Arbeit der Opferschutzorganisation im Mittelpunkt steht. Im Sonntagsgespräch erklärt Bruhn, warum sie sie unterstützt und warum ihr der Sport so wichtig ist.

Wieso unterstützen Sie den Weißen Ring?
Mein Vater ist pensionierter Oberkommissar. Dadurch kam ich häufig mit Menschen in Berührung, die nicht das Glück hatten, auf eine intakte Familie und ihr soziales Umfeld bauen zu können. Mir war es immer ein Bedürfnis, denen zu helfen, die zum Beispiel Kriminalitätsopfer geworden sind und völlig allein mit dem Schicksalsschlag zurechtkommen müssen. Diese Menschen hätten ohne den Weißen Ring niemanden, der für sie da ist. Deshalb ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich ihn unterstütze.

Wie kommt es, dass Sie in Pinneberg dabei sind?
Es gibt so viele tolle Geschichten, die kaum jemand kennt. Da sind zum Beispiel die Helikopter-Polizisten, die Mützen häkeln. Die Häkelhelden unterstützen mit den Einnahmen aus dem Verkauf den Weißen Ring. Zusätzlich häkeln sie auch noch mit Gefängnisinsassen und helfen denen so bei der Resozialisierung. Ich finde es wichtig, dass solch ein Einsatz mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Dabei können Podiumsdiskussionen wie die in Pinneberg helfen.

Findet der Opferschutz aus Ihrer Sicht genügend Beachtung?
Der Weiße Ring muss einen schwierigen Spagat bewältigen. Einerseits wollen die Opfer nicht unbedingt in die Öffentlichkeit. Andererseits ist die Organisation für ihre Arbeit auf Spenden und Mitglieder angewiesen und muss deshalb öffentlich in Erscheinung treten. Daher sind wir auf die angewiesen, die bereit sind, über ihr Schicksal zu sprechen.

Sie engagieren sich auch für das Deutsche Rote Kreuz. Haben Sie ein Helfer-Gen?
Ich habe in meinem ganzen Leben immer festgestellt, dass es besser ist, wenn man Hilfe hat. Dann erreicht man seine Ziele leichter. Aus meiner Sicht funktioniert unsere Gesellschaft nur, wenn Menschen bereit sind, etwas für andere zu tun. Auch meine Ausbildung bei der AOK in Neumünster hat mich geprägt. Dort galt das Musketier-Prinzip „Einer für alle, alle für einen“. Ich finde nicht nur den Film, sondern auch das Motto gut.

Sie haben im Schwimmen elf Medaillen bei den Paralympics gewonnen. Wie wichtig ist Ihnen der Sport?
Das Schwimmen war für mich immer ein Teil meines Lebens – allein durch meine Familie, in der alle begeisterte Schwimmer sind. Vor meinem Unfall war der Sport eine Selbstverständlichkeit, danach ist er eine Notwendigkeit geworden. Mit Sport geht es mir besser als ohne. Nach meinem Unfall im Jahr 1991 war für mich vieles nicht mehr wie vorher. Da sich so vieles verändert hat, war es für mich wichtig, dass mit dem Schwimmen zumindest ein Teil meines früheren Lebens erhalten geblieben ist. So ist der Sport für mich nicht nur aus medizinischer Sicht von sehr großer Bedeutung.

Erhöhen die Paralympics die Akzeptanz von Behinderten?
Es hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. So liegen beispielsweise zwischen der medialen Berichterstattung in Athen 2004 und in Rio 2016 Welten. Es gibt aber immer noch ganz viel Potenzial nach oben. Wir tun alles dafür, damit sich die Situation für Behinderte weiter verbessert – im Sport und in der Gesellschaft. Da hinken wir in vielen Bereichen anderen europäischen Ländern hinterher. Um Verbesserungen zu erreichen, sind aber auch Politik und Wirtschaft gefordert. Von deren Seite erhoffe ich mir noch mehr Unterstützung.

Wollen Sie mit Ihrem Weg auch Vorbild für andere sein?
Das ist kein bewusstes Ziel von mir. Aber wenn der ein oder andere von meinem Beispiel motiviert wird, bin ich dafür sehr dankbar.

Kirsten Bruhn (47) ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Aktiven im deutschen Behindertensport. 1991 wollte sie mit einem Studium im Fach Grafik und Design beginnen, erlitt jedoch einen Motorradunfall und in Folge eine inkomplette Querschnittlähmung mit Ausnahme der vorderen Oberschenkelmuskulatur. Seit diesem Unfall ist sie auf die Verwendung eines Rollstuhls angewiesen, betrieb jedoch zur Eigenmotivation weiterhin den Schwimmsport, in dem sie zahlreiche Erfolge feierte. Sie holte 2004, 2008 und 2012 Paralympisches Gold und  insgesamt elf Medaillen.
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