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Pinneberger Tageblatt

24. November 2017 | 23:30 Uhr

Mit Elbsegler und Glitzerhaube

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interkulturelle Woche Die Mitarbeiter des Flüchtlingscafés Salem planen eine Modenschau mit Trachten aus aller Welt

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 16:00 Uhr

„Sowas hatte mein Mann auch. So ein Elbsegler wie Helmut Schmidt.“ „Aber Helmut Schmidt hatte kein Elbsegler! Der trug immer Prinz Heinrich!“ Diskussionen um modische Feinheiten wie die richtige Bezeichnung von Helmut Schmidts Kopfbedeckung werden in der letzten Zeit oft geführt im Diakonieverein Migration. Der Grund: Im Zuge der Interkulturellen Woche planen die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen des Flüchtlingscafé Salem eine große Modenschau – mit Trachten aus aller Welt.

Getragen werden die Stücke von Menschen, die auch aus den Ländern kommen. Mehr als zehn Nationen bekommen hier ihren großen Auftritt – stilecht mit landestypischer Musik und kulinarischen Kleinigkeiten aus aller Welt.

Kleidung ist für viele Menschen ein Zeichen ihrer Identität. Manchmal zeigt sie unmittelbar, woher der Mensch kommt und was ihn ausmacht. „Wenn ich durch die Elmshorner Innenstadt laufe und sehe Frauen in dieser bunten, afrikanischen Kleidung, dann frage ich mich immer, woher sie wohl kommt?“, berichtet Elwira Flohr, Hautamtliche beim Diakonieverein und Ideengeberin der Trachtenschau. Kleidung zeigt, wo Menschen ihre Heimat haben – aber sie enthält auch Codes, die nur Eingeweihte lesen können. So wie beim bayrischen Dirndl die Schürzenschleife auf der linken Seite bedeutet, dass die Trägerin ledig ist, rechts aber, dass sie einen Ehemann hat, gibt es auch bei Trachten aus anderen Ländern bestimmte Zeichen, die auf den Familienstand, Beruf oder gar Reichtum der Träger hindeuten. „Unsere Schau wird darum moderiert. Wir werden immer auch ein bisschen dazu erzählen“, sagt Flohr. Das Ziel der Veranstaltung sei dabei die Stärkung gegenseitiger Toleranz: „Wir wollen, dass die Vielfalt in Elmshorn gelebt wird. Und je mehr wir voneinander wissen, desto besser verstehen wir uns.“

Afghanistan, Syrien, Polen, Eritrea, Indien – die Liste der Länder, aus denen typische Kleidung gezeigt wird, ist lang. Manche Stücke haben Menschen, die zum Flüchtlingscafé Salem kommen, aus ihren Heimatländern mitgebracht. Andere Kleidungsstücke wurden von Verwandten geschickt oder von Reisen mitgebracht. Bei den Kleidern aus Russland und der Urkaine konnte der Elmshorner Chor Druschba aushelfen, sagt Flohr. Und: „Wir haben viel gefunden, aber bei den Deutschen war die Sache schwierig.“ Gefunden wurde zunächst das Fischerhemd, mit dem Rainer Feldhaus bei der Trachtenschau auftreten wird. „Das Hemd kommt ursprünglich von den Finkenwerder Fischern. Damals war Finkenwerder noch eine Insel“, sagt er. Seit dem 17. Jahrhundert habe es sich verbreitet und werde auch heute noch in ganz Norddeutschland, bis rüber nach Frankreich getragen. „Der Anlass war ja eigentlich die Kleidung aus anderen Ländern. Aber darüber entstand für uns auch eine Auseinandersetzung mit unserer eigenen Kleidung. Was tragen wir eigentlich hier?“, berichtet Bärbel Rickert vom Organisationsteam.

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