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Pinneberger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 08:28 Uhr

Schenefeld : Mit eigener Yacht zum Äquator

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Erich Smolarek: Der 76 Jahre alte Weltenbummler pendelt zwischen Schenefeld und eigenem Zoo in Wismar hin und her. Nun hat er ein Buch über seine Abendteuer geschrieben.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Schenefeld | Erich Smolarek steht auf dem Kopf. Dabei singt er „Lustig ist das Zigeunerleben“. Der rüstige 76-Jährige spielt auf der Mundharmonika. Mit seiner sportlich-musikalischen Handstand-Einlage verkörpert Smolarek Lebensfreude pur. Der Schenefelder hat allen Grund, sich von einer lebensbejahenden Seite zu zeigen. Es gelang ihm, auf seinem selbst gebauten Zwei-Mast-Motorsegler „Ingrid“ acht Jahre lang um die Welt zu segeln. Der gebürtige Wismarer und Australien-Auswanderer fasste 1965 den Entschluss, sich eine eigene Yacht zu bauen.

Smolareks Reisen führten ihn unter anderem von den windstillen Inseln der Salomonen und Nord-Neuguinea bis hin zum Äquator. „Dort fuhr ich 3000 Kilometer Richtung Westen mit Motor-Kraft und dann mit den Passat-Winden dreiviertel um die Erde bis hin in die Karibik“, berichtet der Lokalredakteur. Er finanzierte sich seine Reisen mittels diverser Tätigkeiten. „Vom Toilettenreiniger bis zum Manager habe ich alle Jobs übernommen“, sagte der DDR-Flüchtling. So arbeitete er unterwegs in den größten Kupferminen der Welt (Neuguinea), um Geld für die Weiterfahrt über Mauritius und La Reunion bis nach Südafrika zu verdienen. Doch auch technische Managerjobs im Jemen, Saudi-Arabien und Nigeria übernahm der Weltenbummler, um sich seinen Traum zu erfüllen. Einnahmen brachten dem Schenefelder ferner zahlende Reisegefährten an Bord seines Motorseglers. „Dazu gehörte „ein liebeskranker Engländer“.

Mit seiner damaligen – ebenfalls Ingrid getauften Frau – fischte er für den gemeinsamen Lebensunterhalt. Teilweise begleitete ihn Ingrid während seiner Reisen, mitunter flog die Bankangestellte nach Hamburg, um dort zu arbeiten. Heute lebt Smolarek seit über 18 Jahren glücklich mit seiner Schenefelder Gattin Heidi zusammen. Smolareks Segler-Biographie ist in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. „Ich habe nie einen Schein gemacht, sondern mir alles selbst beigebracht“, erklärt der in der Nationalen Volksarmee ausgebildete Unterfeldwebel. Das gilt vom Bootsbau bis hin zur Navigation.

Der Auswanderer war gegen Ende seiner Segelzeit froh, sein Boot auf der Insel Barbados unter den Hammer gebracht zu haben. „In den letzten Jahren war ich ein Sklave meiner Yacht“, so Smolarek. Mitsegler versuchten, abgesprochene Routen zu ändern und nicht empfohlene Routen zu befahren. Seine zahlreichen Abenteuer beschreibt er in seinem Buch „Weiter als der Horizont: Yacht gebaut und losgesegelt“.

Doch auch heute ist es nicht ruhig um den Abenteurer geworden. Smolarek bezeichnet sich selbst als einen „gut mit Beton und Stahl vertrauten Rentner“. Für seinen Enkel baute er einen Elefanten zum Klettern. Er baute auf seinem Grundstück einen Zoo mit afrikanischen Tieren in Übergröße. Es entstanden eine sieben Meter hohe Giraffe, ein vier Meter großer Strauß und weitere Tiere in Übergröße, darunter ein Warzenschwein, der Kronen-Kranich und im vergangenen Jahr ein auf dem Rücken liegendes Nilpferd.

Heute lebt der 76-Jährige abwechselnd in Wismar und Schenefeld. Interessierte führt er durch den Park und hält Vorträge über seine Weltenbummler-Törns – ohne Honorar. „Ich mache das alles aus Spaß und freue mich, wenn Menschen Freude an meinen Erzählungen haben“, so der Idealist. Wer interessiert ist, kann Smolarek per E-Mail an erichsegelt@gmx.de und unter der Telefonnummer (0176) 48397320 kontaktieren.


 

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