Mit der S-Bahn in die Geschichte

Die Chill-Steine am Halstenbeker Bahnhof stellen Keimlinge dar – die Gemeinde achtet darauf, dass sie regelmäßig gepflegt werden.
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Die Chill-Steine am Halstenbeker Bahnhof stellen Keimlinge dar – die Gemeinde achtet darauf, dass sie regelmäßig gepflegt werden.

Von 2009 bis 2014 verwandelte sich die Station Halstenbek in ein Kunstwerk / Gemeinde und Bürger packen an, damit es so bleibt

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15. August 2018, 16:00 Uhr

Wirtschaft, Kultur, Freizeit – in unserer Serie „Liebenswertes Halstenbek“ stellen wir unterschiedliche Aspekte des Halstenbeker Lebens vor. Im heutigen letzten Teil: Der Halstenbeker Bahnhof.

Gelbe Kacheln, Grafitti, grüne Ablagerungen an den Wänden – dieses Bild vom Halstenbeker Bahnhof ist Geschichte. Eine Schülerin beschwerte sich 2009, dass sie ihren Schultag immer mit dem Gang durch den hässlichen Bahnhofstunnel beginnen müsse. Und das war der Beginn für das Bahnhofserwachen, ein Jugendprojekt, das den tristen Durchgangsort für die 6000 Fahrgäste täglich in ein Kunstwerk mit Aufenthaltsqualität verwandeln sollte. „Es war der Start für Kunst im öffentlichen Raum in Halstenbek“, sagt Daniela Spitzar vom Fachdienst Schule, Jugend, Sport, Kultur und Soziales. Sie leitete damals das Projekt in Kooperation mit der Deutschen Bahn „Station & Service“, etwa 80 Kindern und Jugendlichen der Schule an der Bek, lokalen Künstlern sowie der Geschichtswerkstatt Halstenbek.

Bis 2012 dauerte die Bahnhofsverwandlung. Die Idee hatte Spitzar von einer befreundeten Künstlerin aus den USA: Sandra Bloodworth ist die Direktorin der Kunstabteilung der New Yorker U-Bahn. Und was dort drüben klappt, das funktioniert auch in Halstenbek: Die Kinder bemalten mehr als 30 Aluminiumplatten zu unterschiedlichen Themen – viele davon verbunden mit der Halstenbeker Geschichte. So zeigen die bunten Tafeln im Tunnel die technische Entwicklung seit Erbauung des Bahnhofs im Jahr 1883 – vom Dampfzug bis zum ICE. Oder auch vom Grammophon zum Raumschiff. Und die wachsenden Pflanzen, die sich als Thema durch den Bahnhof ziehen, stehen nicht nur symbolisch für das Bahnhofserwachen, sondern auch für Halstenbek als Baumschulengemeinde. „Halstenbek hat seit Jahren eine Identität“, sagt Spitzar. Diese sollte mit dem Projekt hervorgekehrt werden.


Weite Felder voller Setzlinge

Die Baumschulen finden sich auch im Eingangsbereich als aufgeklebte Folie wieder: Eine halbtransparente Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt weite Felder voller Setzlinge – die einstige Umgebung des Bahnhofs. Die Halstenbeker Familie Heins hatte ringsum ihre Baumschulfelder und forstete laut Spitzar nicht nur in Europa, sondern auch in den USA auf – und sie initiierte den Bau des Halstenbeker Bahnhofs, wie auf weiteren Tafeln zu lesen ist. Am Bahnhofserwachen war sie ebenfalls beteiligt: Die Nachfahrinnen Barbara und Gabriele Schmidt-Heins unterstützten das Projekt mit altem Familienmaterial und mit ihrem Knowhow als Konzeptkünstlerinnen. Pflanzen bestimmen zudem den Bahnsteig. Sofort springen die 14 Chill-Steine ins Auge, die Mitarbeiter der Bahn 2011 einsetzten. Die riesigen Keimlinge wurden von den Halstenbeker Schülern zusammen mit einem Betonbauer gestaltet und Ingenieure planten vorher ganz genau, wie und wo die Steine angebracht werden können. In den Wartehäuschen hingegen schmücken Scherenschnitte nach Vorbild des romantischen Malers Philipp Otto Runge (1777-1810) im eigens erschaffenen Farbkonzept das Glas. Die Schüler hatten die filigranen Pflanzen vorsichtig mit Skalpell ausgeschnitten. Den Abschluss des Projekts markierte im Mai 2014 die Einweihung der Lichtinstallation Jan Philip Scheibes im Eingangsbereich: Das Wort „erblühen“ leuchtet seitdem den Fahrgästen in strahlendem Grün entgegen.

2010: Preis „Kinder zum Olymp“

Das Aufblühen des Bahnhofs erntete 2010 den Preis „Kinder zum Olymp“ – ausgewählt wurde das Projekt unter 800 Bewerbern. Und es erfüllte seinen Zweck: „Die Resonanz auf die Neugestaltung war riesig“, sagt Spitzar. „Zur Eröffnung kamen 300 Besucher.“ Nicht nur die Gemeinde, sondern auch die Halstenbeker achten seitdem darauf, dass der Bahnhof ordentlich aussieht: „Unsere Bemühungen, es immer wieder schön zu machen, haben gefruchtet.“
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