Halstenbek : Mit allen Sinnen die Natur genießen

Anna Danisger.
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Anna Danisger.

Heilpraktikerin Anna Danisger bietet Kräuterführungen am Halstenbeker Rückhaltebecken an. Immer mehr Menschen wollen mehr über Löwenzahn und Co. wissen.

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08. Juni 2014, 12:00 Uhr

Pinneberg | Der Weg in die Natur führt über den großen, kargen Platz vor dem Halstenbeker Schützenvereinshaus, direkt an den S-Bahn-Schienen. Anna Danisger (38) wartet an den Glascontainern, ihre dunklen Haare glänzen in der Sonne. Von dort aus geht es auf eine besondere Tour. Eine Kräuterführung. Doch bevor es losgeht, ein kurzer Blick auf einen Quadratmeter Grün an Ort und Stelle. Unkraut? Nein. „Aus dem was ich hier sehe, könnte ich einen grünen Salat machen“, sagt die Heilpraktikerin. Löwenzahn, Spitzwegerich, Brennnessel oder Girsch, garniert mit weiß-gelben Blüten von Gänseblümchen.

Danisger bietet regelmäßig Kräuterführungen zum Halstenbeker Rückhaltebecken in Zusammenarbeit mit der hiesigen Volkshochschule an. Der Zuspruch nimmt zu: „Immer mehr Menschen wollen wissen, was sie aus der Natur essen können.“ Beliebt seien besonders grüne „Smoothies“. Die erfrischenden Getränke bestehen unteren anderem aus zerhackten Kräutern.

Los geht’s: Der Weg zum Rückhaltebecken führt über einen von Bäumen gesäumten Weg, der derzeit durch dichtes Blattwerk vor der Sonne schützt – zwischen Schienen und Schrebergärten. Wo Spaziergänger mit Hunden schlendern und Hobbygärtner ihre Hecken stutzen, sieht Danisger essbare und heilende Pflanzen am Wegesrand. Dort der Löwenzahn mit Mineralstoffen und Vitamin C, hier der Gundermann mit lila Blüten, der den Blutdruck senkt. Und das Schöllkraut: „Das ist nicht essbar, jedoch wird die gelbe ‚Milch‘ der Pflanze in der Homöopathie verwendet“, berichtet die 38-Jährige. Wer die Pflanzen kennt, kann sie auch pflücken. Jedoch gilt Vorsicht: „Man sollte alles waschen, denn es könnten Fäkalien von Hunde, Katzen oder Mäusen darauf sein“, empfiehlt die Heilpraktikerin. Auch von Straßen solle aufgrund der Abgase 100 Meter Abstand gehalten werden.

Dass Brennnesseln essbar sind wissen viele Menschen. Für Danisger sind sie eine „gesunde“ Quelle: „Mit Brennnesseltee kann man entwässern und gleichzeitig gibt die Pflanze Mineralien zurück.“ Zudem seien die Blätter nach dem Kochen zubereitbar wie Spinat. Die Pflanze könne sogar angefasst werden. Wer von unten nach oben streift, kommt ohne das „Brennen“ auf der Haut aus. Die oberen jungen Triebe sind sogar sofort essbar: „Einfach die kleinen Härchen platt drücken“, sagt die 38-Jährige bevor sie ein Blatt verzehrt.

Die Verbindung von Danisger zur Natur geht auf ihre Kindheit zurück. Sie wuchs auf der griechischen Insel Kreta auf, ist Tochter eines Griechen und einer Deutschen: „Mit meinem Vater bin ich früher spazieren gegangen um Essbares zu sammeln.“ Zuhause gab es dann Radicchio-Salat oder wilden Spargel. Mit 21 Jahren kam Danisger nach Deutschland, genauer Hamburg, brachte zwei Kinder und machte eine Ausbildung zur Rechtsanwalt-Fachangestellten. Vier Jahre arbeitete sie in dem Beruf. „Ich bin ein naturgebundener Mensch, mir hat etwas gefehlt“, erinnert sich die Hamburgerin. Es folgte die Ausbildung zur Heilpraktikerin. Ein Seminar über Heilpflanzen führte sie zur Natur, mit dem Ergebnis der heutigen Kräuterführungen. „Ich habe meine Lebensweise in den Beruf getragen.“ Seit 2011 kommt sie ihrer Berufung nach.

Kurz vor dem Rückhaltebecken stoppt Danisger. Eine Linde, der Baum der Liebenden, Blätter in Herzform. „Die frischen, kleinen Blätter haben ein süßliches Aroma“, sagt sie. Eine leichte Bitternote schwingt aber auch mit: „Die Bitterstoffe erden, die Gedanken verflüchtigen sich, man ist schlagartig bei sich selbst.“ Angekommen am Rückhaltebecken kommen noch die „Tücken“ der Natur ins Spiel. Die Heilpraktikerin entdeckt eine Zecke auf ihrem Arm und entfernt sie sofort. „Es sind mehr Zecken als im letzten Jahr“, sagt Danisger. Sie empfiehlt die Zecken sofort zu entfernen und nicht zu zerdrücken, so könnten Erreger in den Körper gelangen. Zudem weist die 38-Jährige auf einen Irrglauben hin: „Eigentlich sitzen Zecken nicht im Baum, das ist ein Mythos.“ Eher seien die Spinnentiere im hohen Gras zu finden.

In den grünen Weiten an der Halstenbeker Wasserstelle findet sich auch Holunder aus dem beispielsweise Sirup hergestellt werden kann, der beruhigende Baldrian und auch der Gefleckte Schierling, ein sogenannter Doldenblütler. Letzterer ist giftig. „Hände weg“, sagt Danisger. „Die nicht giftigen Doldenblütler sind schwer zu bestimmen.“ Ein Verzehr sei lebensgefährlich.

Die nächste Gelegenheit sich von Danisger in die Geheimnisse der Natur einweihen zu lassen, ist am Sonnabend, 21. Juni. Dann findet in Halstenbek ein Naturtag statt. Gemeinsam mit den Teilnehmern werden Wildkräuter gesammelt und im Anschluss daran entsteht daraus ein Menü. Vielleicht gbit es auch grünen Salat mit Löwenzahn, Spitzwegerich, Brennnessel oder Girsch, garniert mit weiß-gelben Blüten von Gänseblümchen.
 

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