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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 19:04 Uhr

Mit 50 Beamten gegen Einbrecher

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Soko Ermittler sollen effizienter werden / Standort ist Pinneberg / Modellphase bis Frühjahr / Ziel: Aufklärungsquote von zehn Prozent

Wohnungseinbrüche sind ein besonders heißes Thema. „So eine Tat verletzt die Intimsphäre der Opfer massiv“, sagte Ingo Minnerop, Kripo-Chef für die Kreise Pinneberg und Segeberg, gestern während einer Präsentation der neuen Sonderkommission (Soko) Wohnung in Pinneberg. Die Zahlen sind besorgniserregend: Die Ermittler zählten 2015 im Kreis Pinneberg insgesamt 976 versuchte und vollendete Einbrüche. Ein Jahr später waren es 915. Im Kreis Segeberg registrierten sie 832 und 779 Taten. In jeweils etwa 40 Prozent der Fälle blieb es beim Versuch. „Doch auch ein gescheiterter Versuch beeinträchtigt das Sicherheitsgefühl der Menschen“, sagte Minnerop. Die Aufklärungsquote ist zudem extrem niedrig. Im Kreis Pinneberg lag sie 2015 bei 8,1 Prozent, im Folgejahr sogar nur bei 6,3 Prozent.

Chefin der neuen Soko ist Sarah Lampe. Die Leiterin der Kripo Pinneberg führt nun zusätzlich eine Truppe von etwa 50 Ermittlern. 25 von ihnen sind dem Standort Pinneberg zugeordnet, von denen einige aber auch eine kleine Außenstelle der Soko in Bad Segeberg unterstützen. Zum Team gehören zudem 15 Zivilfahnder und Experten für Sachfahndung und Spurensicherung, die in ihren Stamm-Dienststellen bleiben. „Wir haben als Soko ein Vorgriffsrecht auf die Fahnder“, sagte Lampe.

Doch woher kommt das Personal für die Soko, die Anfang Oktober zunächst auf sechs Monate beschränkt ihre Arbeit aufgenommen hat? Neue Stellen sind nicht geschaffen worden. „Für uns ist das ein Kraftakt. Wir haben die Kollegen aus verschiedenen Revieren abgezogen. Ersatz gibt es vorerst nicht“, sagte Minnerop. Auch eine Entlastung der Reviere, etwa weniger Streifendienste, ist laut Minnerop nicht geplant. Das heißt: Die Beamten sammeln bis zum Ende der Pilotphase im März Überstunden. Die Soko soll ein Defizit der Vergangenheit beseitigen. „In unserer dezentralen Struktur gingen Informationen verloren. Ab jetzt gibt es jeden Morgen per Telefonkonferenz eine Lagebesprechung mit allen Dienststellen. Bilder Verdächtiger werden ausgetauscht. Und unser Mitarbeiter-Pool kann flexibel eingesetzt werden“, sagte Lampe.

Nach Angaben der Polizei deutet sich an, dass die Zahl der Taten in diesem Jahr um etwa 30 Prozent zurückgeht. Warum erst jetzt eine Soko? Und warum in Pinneberg? Jan-Hendrik Lewering, stellvertretender Leiter der Polizeidienststelle in Pinneberg, sagte: „Im Gegensatz zum geschlossenen Stadtgebiet Hamburgs müssen wir in der Fläche agieren, die Taten passieren an vielen Orten einer großen Region. Die Zentralisierung von Aufgaben ist nicht einfach. Auch fehlten uns bisher passende Räume.“ In Pinneberg haben Beamte ihre Einzelbüros geräumt. Der Soko steht nun ein eigener Flur zur Verfügung. Pinneberg drängt sich als Standort auf. „Im Hamburger Umland ist das Problem mit Wohnungseinbrüchen besonders groß. Öffentliche Verkehrsmittel und Autobahnen sind für Einbrecher optimal, um schnell zum Tatort zu kommen und wieder zu verschwinden“, sagte Minnerop. 60 Prozent der Einbrecher kämen nicht aus der Region, seien teils Mitglieder internationaler Banden.

Für die Pilotphase der Soko gibt Minnerop ein Ziel aus: Die Aufklärungsquote soll über die Zehn-Prozent-Marke steigen.

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