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Das Sonntagsgespräch : „Mir hilft, dass ich fest im Glauben stehe“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Gisela Eickmeier vom Initiativkreis für krebskranke Kinder.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Rellingen | Gisela Eickmeier ist Leiterin des Initiativkreises für krebskranke Kinder. Im Sonntagsgespräch erklärt sie unter anderem, wie sie es schafft, den Jungen und Mädchen sowie deren Familien beizustehen und warum der Initiativkreis Unterstützung braucht.

Warum engagieren Sie sich so sehr für kranke Kinder?
Mir geht es gut und ich wollte immer von diesem Glück etwas abgeben. Ich war selbst einmal schwer krank, weiß also wie es ist, wenn der eigene Körper einen im Stich lässt und wie sehr das Leben am seidenen Faden hängt.

Wie sieht die Arbeit des Initiativkreises für krebskranke Kinder aus?
Wir wollen dazu beitragen, dass sich kranke Kinder wohlfühlen und ein wenig Freude haben. Dafür ist nicht nur eine vernünftige medizinische Versorgung erforderlich. Spielsachen, der Klinik-Clown, Musiktherapien, Fernseher auf den Zimmern, Übernachtungsmöglichkeiten für die Eltern – wir helfen dabei, in den Stationen für krebskranke Kinder des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Der Initiativkreis versucht, die Finanzierung für all solche Dinge sicherzustellen und arbeitet dabei unter anderem mit Rolf Heidenberger und „Appen musiziert“ zusammen. Uns beschäftigen auch Einzelschicksale. Behindertengerechter Umbau eines Kinderzimmers, der Kauf von Weihnachtsgeschenken – wir springen dort ein, wo wir gebraucht werden. Dank der engen Verzahnung von Ärzten, Station und Initiativkreis können wir Wünsche spontan und ohne Bürokratie erfüllen.

Wie versuchen Sie, kranke Kinder und deren Eltern zu unterstützen?
Wichtig ist, sich um die gesamte Familie zu kümmern. So beschenken wir beispielsweise auch immer die Geschwisterkinder. Die leiden enorm unter der Situation und kommen damit auch nur schwer klar. Überhaupt ist die Krankheit eine Belastung für alle und die Angst der Eltern ist unvorstellbar. Das ganze Familienleben bricht plötzlich zusammen. Deshalb geht es mir nicht nur um die finanzielle Unterstützung. Genauso wichtig ist, für die Menschen da zu sein, die jemanden zum Reden brauchen oder einfach nur bei den kranken Kindern am Bett zu sitzen.

Gisela Eickmeier (74) setzt sich schon seit fast 30 Jahren für krebskranke Kinder ein. Sie wohnt in Rellingen, ist verheiratet und hat vier Töchter sowie vier Enkelkinder.

Gibt es Schicksale, die Sie besonders bewegt haben?
Sicherlich der Tod der an Leukämie erkrankten Tonia aus Haseldorf nach der Stammzellentransplantation. Tonia war danach auf der Intensivstation und lag wochenlang  im Koma. Ihre Mutter war jeden Tag bei ihr im Krankenhaus. Dieser intensive Kontakt in der letzten Lebensphase und mit der unglaublich tapferen Mutter geht mir heute noch nach, weil es einerseits irgendwie still war, andererseits aber auch so traurig und endlich für Tonia und die ganze Familie. Mir gehen natürlich viele Schicksale nahe, 72 Prozent aller Krebserkrankungen bei Kindern sind heute aber heilbar. Das macht immer wieder Mut und ich bin sehr, sehr dankbar und glücklich, wenn die Kinder es schaffen und den Krebs besiegen können.

Wie schaffen Sie es damit umzugehen, wenn Sie bei einem Kind sind und wissen, dass es sterben wird?
Alle Kinder, die gesund werden, geben mir richtig viel Kraft. Dadurch kann ich auch die begleiten, die es nicht schaffen. Man fragt immer nach dem „Warum“, bekommt aber keine Antwort oder erhält diese vielleicht viel später. Mir hilft, dass ich fest im Glauben stehe. Ich glaube an eine gerechte Welt und dass diese Kinder gesegnet und nicht irgendwo alleine sind. Und ich kann beten.

Wie geht es mit dem Initiativkreis in den kommenden Jahren weiter?
Ich setze meine Arbeit fort, solange es meine Gesundheit erlaubt und ich gebraucht werde. Um kranken Jungen und Mädchen zu helfen, sind wir aber auf Spenden angewiesen. Gerade demnächst, zur Weihnachtszeit, damit wir den Kindern im Krankenhaus etwas schenken und ihre Wünsche erfüllen können. Und die Spender wissen längst, dass jeder Cent bei den krebskranken Kindern direkt ankommt, denn wir arbeiten alle ehrenamtlich.

Spenden können an folgendes Konto überwiesen werden: Initiativkreis für krebskranke Kinder, Sparkasse Südholstein, IBAN: DE4523051030000759 797; BIC: NOLADE21SHO
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