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Nach Flammeninferno in London : Ministerium fordert den Hochhaus-Check im Kreis Pinneberg

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach dem Inferno im Londoner Grenfell Tower, bei dem mindestens 80 Menschen starben, fordert das Landesinnenministerium Schleswig-Holsteins den Kreis Pinneberg und die Kommunen zur Überprüfung ihrer großen Gebäude auf.

Kreis Pinneberg | 21 Zentimeter sind nicht viel. Doch manchmal können sie entscheidend sein. In diesem Fall sind sie es. 21 Zentimeter mehr, und das Kreishaus in Elmshorn wäre ein Hochhaus. Doch weil es das laut Bauordnung eben nicht ist, muss beim Kreishaus nicht, wie bei allen anderen Hochhäusern im Kreis Pinneberg, überprüft werden, wie gut der Brandschutz ist. Anlass für den geplanten Hochhaus-Check ist der verheerende Brand des Grenfell Towers im Londoner Stadtteil North Kensington, bei dem im vergangenen Monat mindestens 80 Menschen ihr Leben verloren haben. In dem Gebäude hatte sich ein Feuer wegen einer leicht entflammbaren Fassadendämmung rasend schnell ausgebreitet.

Die Landesregierung geht nach eigenen Angaben zwar nicht davon aus, dass etwas Derartiges auch in Schleswig-Holstein passieren kann. Doch sicherheitshalber ordnete sie eine Überprüfung aller Hochhäuser an. Zuständig sind die Kreise oder, wenn sie eine eigene Bauabteilung haben, die Städte. Im Kreis Pinneberg haben Elmshorn, Pinneberg und Wedel sowohl eigene Bauaufsichten als auch Hochhäuser. Hochhäuser, für die der Kreis Pinneberg zuständig ist, gibt es unter anderem in Uetersen sowie Tornesch und der Gemeinde Halstenbek. Pinnebergs Kreissprecher Oliver Carstens weist darauf hin, „dass wir mit der Landesbauordnung und der sogenannten Hochhausrichtlinie in Schleswig-Holstein seit langer Zeit ein hohes Sicherheitsniveau haben“.

20 Hochhäuser gibt es im Kreis Pinneberg

Dennoch, so Carstens, könne nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass abweichend gebaut oder instand gehalten worden sei. Das Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration habe deshalb auch den Kreis Pinneberg gebeten, „in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Brandschutzdienststellen zu prüfen, ob für die im jeweiligen Zuständigkeitsbereich befindlichen Hochhäuser Brandverhütungsschauen erfolgt sind, ob Mängel festgestellt wurden und ob diese fristgerecht beseitigt wurden.“

Das gelte insbesondere im Hinblick auf vorhandene Fassadendämmungen und Fassadenverkleidungen.Laut Carstens gibt es im Kreis Pinneberg 60 „hochhausähnliche Objekte“, davon 20 Hochhäuser. Dass die Prüfer von Kreis und Städten alle dieser Bauten direkt vor Ort in Augenschein nehmen müssen, glaubt Carstens indes nicht: „Vieles wird man der Bauakte entnehmen können.“ Das Ministerium erwartet nach Carstens Angaben, dass die Ergebnisse der Überprüfung „umgehend“ mitgeteilt werden.

Übrigens: Als Hochhaus gilt ein Gebäude, bei dem der Fußboden mindestens eines Raumes sich in mehr als 22 Meter Höhe befindet. Beim Kreishaus sind es nur 21,79 Meter. 21 Zentimeter zu wenig.

Brandschutzrichtlinien und Bauordnungen sind in Deutschland eng verzahnt: Jeder Aufenthaltsraum in einem Gebäude muss über zwei voneinander unabhängige Rettungswege, von denen einer über die Rettungsgeräte der Feuerwehr führen darf, verfügen. So kommt es, dass ein Gebäude dann als Hochhaus definiert wird, wenn es die Nennrettungshöhe des höchsten Rettungsgerätes von 23 Metern erreicht oder überschreitet. Die bauaufsichtlichen Auflagen, die ein Hochhaus erfüllen muss, sind durch die Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR) genau festgelegt. In diesem Regelwerk sind die Beschaffenheiten der Feuerwehrwege, Bauteile, Rettungswege und sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung definiert. Vor allem die Verwendung nicht brennbarer Baustoffe und die Standsicherheit, welche sicherstellt, dass ein Gebäude nach Entfachung eines Feuers nicht sofort einstürzt, spielen für den vorbeugenden Brandschutz in Hochhäusern eine wichtige Rolle. Ein Problem stellt der sogenannte Bestandschutz dar: Hochhäuser, die vor Inkrafttreten der aktuellen MHHR errichtet wurden, müssen lediglich dem Regelwerk genügen, das zur Zeit der Abnahme des Gebäudes durch das Bauamt galt. Viele Hochhäuser aus dem 20. Jahrhundert erfüllen die aktuellen Brandschutzrichtlinien trotz zusätzlicher Brandschutzanpassungsmaßnahmen nicht.
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erstellt am 21.Jul.2017 | 10:00 Uhr

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