zur Navigation springen

Kreis Pinneberg : Minister zeichnet Junglandwirte aus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Politiker kritisiert Industrialisierung der Lebensmittelerzeugung und fordert den Nachwuchs auf, künftig neue Wege zu gehen.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2015 | 14:00 Uhr

Appen | Robert Habeck (Grüne), Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holsteins, schlich fast unbemerkt durch den Seiteneingang ins Bauerncafé auf dem Almthof in Appen. Als Laudator ehrte er dort die besten Junglandwirte aus Schleswig-Holstein. Doch schon nach der Begrüßung durch Wencke Ahmeling, Vorsitzende des Landjugendverbands, war klar: Das wird kein Heimspiel für Habeck. „Ihr könnt dem Minister nachher mitteilen, was Euch stört“, sagte Ahmeling und ergänzte nach einer kurzen Pause: „Oder auch, was er gut macht.“ Großes Gelächter bei den Junglandwirten. Ahmeling betonte die Bedeutung der Landwirtschaft: „Wir haben zukunftsfähige Berufe, ohne die wir nicht leben könnten. Keiner möchte mit einem knurrenden Magen aufwachen.“

Habeck verwies zu Beginn seiner Rede darauf, sachlich über Themen zu diskutieren. „Vieles läuft falsch in der agrarpolitischen Debatte. Es ist leichter mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, als über politische Rahmenbedingungen zu reden.“ Zu seinen zahlreichen Aufgaben gehöre auch die Landjugend. „Ich bin auch der Minister der Landjugend“, sagte Habeck weiter. Die Leistung der Landwirte und die Optimierung von Prozessen habe dazu geführt, dass sich Deutschland wirtschaftlich gut entwickelt habe. „Sie haben dafür gesorgt, dass unter zehn Prozent des Einkommens für Lebensmittel aufgewendet werden müssen und mehr Geld für Luxus bleibt“, sagte Habeck. Dennoch dürfe niemand die Augen vor der ökonomischen Entwicklung verschließen, die vor 20 oder 30 Jahren so nicht abzusehen gewesen sei. „Viele wissen heute nicht mehr, was Landwirtschaft ist. Wo sind die Schweine, die wir schlachten und essen? Wir sehen sie nicht mehr.“ Die hochproduktive Landwirtschaft mit immer schnellerer Mästung und effektiveren Milchkühen habe so zu Fehlentwicklungen wie kurze Lebensdauer von Tieren geführt. „Viele haben damit übertragen einen Ferrari im Stall, fahren ihn aber schnell kaputt.“ Habeck forderte in der Debatte um die Agrarreform Fairness ein: „Eine gute Ausbildung ist die Grundlage, Fairness zu erstreiten.“ Der Minister rief zudem dazu auf, neue Wege zu beschreiten.

Diese zeigte Hauke Pein, Betriebsleiter des Almthofs, auf. „Neben der Milchproduktion mit 220 Tieren haben wir als zweiten Geschäftsbereich Tourismus aufgebaut“, sagte der studierte Landwirt. 80 bis 90 Schulklassen und mehr als 40.000 Besucher würden den Hof in Appen pro Jahr besuchen. „Wir betreiben einen gläsernen Hof und versuchen den Besuchern das Einmaleins der Landwirtschaft beizubringen“, sagte Pein. Besonders fasziniert seien die Besucher von seiner Milchtankstelle, an der Kunden jederzeit frische Milch erhalten können. „Solche Konzepte sind es, die neue Wege in der Landwirtschaft aufzeigen – abseits von Massenproduktion und Ökolandwirtschaft“, sagte der Minister Habeck lobend.

900 junge Menschen hatten sich am Wettbewerb „Grüne Berufe sind voller Leben – Nachwuchs bringt frischen Wind“ beteiligt. Folgende Junglandwirte wurden von Landesminister Robert Habeck (Grüne) und dem Landjugendverband Schleswig-Holstein als Landessieger in den Bereichen Land-, Forst- und Hauswirtschaft ausgezeichnet.
Leistungsgruppe 1: 1. Sören Schütt (Krogaspe), 2. Andreas Buhk (Schnakenbek), 3. Gesa Redderberg (Neuwittenbek);
Leistungsgruppe 2: 1. Hannes Bern (Kiel) und Nils Hansen (Elskop), 2. Mirco Hagelstein (Neustadt) und Martin Rungenhagen (Pronstorf), 3. Lutz Elbers (Hoisdorf) und Bosse Klepper (Ellerau);
Forstwirtschaft: 1. Morten Husmann (Struvenhütten), 2. Vincent Küster (Tangstedt), 3. Lukas Praefke (Langenweißbach);
Hauswirtschaft: 1. Melina Dohrn (Ecklak), Femke Möller (Wester-Ohrstedt), 3. Jane Petersen (Ahrenshöft).
zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen