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Pinneberger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 12:07 Uhr

„Mindestlohn treibt Schwarzarbeit“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Neue Studie: Auch die Rente mit 63 kann der Schattenwirtschaft einen neuen Schub geben – Gewerkschafter „Stimmungsmache“

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2014 | 16:56 Uhr

Die Bundesregierung schafft einer Studie zufolge neue Anreize, Geld mit Schwarzarbeit zu verdienen. Die Pläne für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Rente mit 63 führten dazu, dass in Zukunft mehr Geld am Staat vorbei verdient werde, heißt es in einer Studie der Universität Linz und des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält das für Stimmungsmache gegen bessere soziale Standards.

Doch auch andere Arbeitsmarktexperten erwarten, dass bald wieder mehr Aufträge ohne Rechnung abgewickelt werden.

Nach der gestern veröffentlichten Modellrechnung werden in der Schattenwirtschaft in diesem Jahr 338,5 Milliarden Euro umgesetzt.

Das entspräche 12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wäre der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren. 2013 lag die Schattenwirtschaftsquote noch um 0,2 Prozentpunkte höher.

Doch dieser Rückgang ist so schwach wie seit vielen Jahren nicht.

Und während in den vergangenen Jahren Arbeitsmarktreformen wie die Einführung von Minijobs die Schwarzarbeit unattraktiver machten, gebe es allmählich eine Kehrtwende. In diesem Jahr habe die Politik schon keinen Anteil mehr an dem Rückgang, erklärten IAW-Direktor Bernhard Boockmann und der Linzer Schattenwirtschaft-Experte Friedrich Schneider. Der Rückgang sei ausschließlich eine Folge der stabilen Konjunktur: Weil die Chancen auf einen regulären Job gut sind, fehle den Menschen die Zeit und die Motivation für Schwarzarbeit.

In den kommenden Jahren werde die große Koalition der Schwarzarbeit voraussichtlich sogar wieder Vorschub leisten. „Das macht sie natürlich nicht absichtlich, aber indirekt, indem sie reguläre Arbeit teurer macht“, sagte der IAW-Direktor. Pläne wie der flächendeckende Mindestlohn, die Rente mit 63 oder die höheren Beiträge zur Pflegeversicherung machten legale Arbeit unattraktiver.

Zusammengerechnet erwarten die Experten durch diese Maßnahmen ein Wachstum der Schattenwirtschaft um drei Milliarden Euro pro Jahr.

Noch stärker wirke sich aus, dass die Bundesregierung die kalte Progression, also den heimlichen Steueranstieg durch Lohnerhöhungen, nicht ausgleichen will. Das stärke die Schattenwirtschaft um 5,3 Milliarden Euro. „Wenn die große Koalition keine kompensierenden Effekte beschließt – und im Koalitionsvertrag ist dazu nichts abzusehen – dann rechnen wir tatsächlich in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Schattenwirtschaft“, sagte Boockmann.

Gewerkschafter halten diese Prognose für unseriös. „Die Aussage, dass Mindestlöhne und die Rente mit 63 die Schwarzarbeit erhöhen, ist reine Spekulation und durch keinerlei Fakten unterlegt“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. „Offensichtlich ist kein Argument zu billig, um gegen den Mindestlohn Stimmung zu machen.“

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