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Baumschulen und Gärtner im Kreis Pinneberg : Mindestlohn führt zu höheren Produktionskosten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wettbewerbsnachteile befürchtet. Ausbildungsqualität gefährdet. Konkurrenz durch Discounter.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2015 | 15:45 Uhr

Kreis Pinneberg | Axel Huckfeld, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB), und Hans Hermann Buchwald, Präsident der Landesgruppe Schleswig-Holstein im Gartenbau Nord (GVN), hatten auf der gemeinsamen Mitgliederversammlung einige Themen, die ihnen unter den Nägel brannten. Diskutiert wurde über die Ausbildungssituation, die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP), eine mögliche Landesgartenschau 2020 sowie den Mindestlohn. „Eigentlich hätte ich Sie bei allen Themen ansprechen können, aber da es sozusagen Ihr Antrittsbesuch bei uns Gärtnern ist, wollte ich Sie nicht erschlagen, aber Ihnen die Vielfältigkeit unserer Branche aufzeigen“, wandte sich Huckfeld an Silke Schneider (parteilos), Staatssekretärin im Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

„Sie glauben gar nicht, wie hoch hier intern die Wellen geschlagen sind“, fasste Huckfeld die Diskussionen über den Mindestlohn zusammen. Trotz der Übergangszeit bis 2016 forderten die beiden Vorsitzenden Nachbesserungen durch die Politik. „Nicht die gesetzliche Lohnhöhe ist das Problem, sondern die Folgen wie Dokumentationspflichten und Arbeitszeitgesetz“, so Buchwald. Der Mindestlohn und die Begleitkosten würden zu höheren Produktionskosten führen. „Wir sind auf den europäischen Markt angewiesen und müssen uns täglich gegen internationale Konkurrenz durchsetzen“, fürchtete er einen Wettbewerbsnachteil. Beide Verbände wollen ihre Imagekampagnen zur Nachwuchsgewinnung fortsetzen. Dennoch warnte Huckfeld: „Die Beschulung ist noch sichergestellt. Die Ausbildung könnte aber leiden, wenn keine reinen Fachklassen mehr angeboten werden können.“ Die Zusammenlegung verschiedener Gewerke sei wegen sinkender Auszubildenenzahlen mittlerweile nicht mehr auszuschließen. Um die Ausbildung attraktiver zu machen, beschlossen beide Verbände die Einführung der Initiative „Top Ausbildung Gartenbau“. Zudem werde über eine zentrale Landesberufsschule nachgedacht.

„Die Themen Ihrer Tagesordnung zeigen, dass Sie sich für die Zukunft gut aufgestellt haben“, sagte Staatssekretärin Schneider in ihrem Grußwort. Hinsichtlich der EIP-Fördermöglichkeiten seien vor Weihnachten Gespräche geführt worden. „Leider gab es Verzögerungen bei der Bewertung durch die EU“, sagte Schneider. Die Auswahl der Projekte solle nun erfolgen. „Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Projekte bei der Bewertungskommission einen guten Eindruck machen“, so die Staatssekretärin. Das Thema Mindestlohn sparte sie aus.

Frank Schoppa, Geschäftsführer der Geschäftsstelle des BdB Landesverbandes und Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland, und Helmuth Huss von der Unternehmensberatung Co Concept, stellten die Planungen zur „Innovations- und Zukunftsstrategie Gartenbau Schleswig-Holstein“ vor. „Wenn man schon einsteigt, sollte man einen großen Wurf landen“, sagte Schoppa. Geplant sei die Verbesserung der Wertschöpfungskette, Einführung neuer Technologien sowie die regionale Verankerung der Branche. „Wir haben keinen Wettbewerb unter Gärtnern, sondern haben die Discounter als Konkurrenz“, warnte Schoppa und ergänzte: „Gärtner haben unter den Vorstellungen des Lebensmitteleinzelhandels zu leiden.“ Daher sei eine regionale Ausrichtung wichtig. „Wir haben Hamburg vor der Tür. Es wäre töricht, wenn wir das nicht als Markt nutzen“, so Schoppa. Zuspruch gab es von Rupert Fey von der Initiative „Nordfreun.de“: „Regionalität ist der neue Mega-Trend. Regionallität ist das neue Bio.“

Im Zuge der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) werden, bis 2020 Innovationen mit 9,5 Millionen Euro gefördert, die nachhaltig in Bezug auf Ökonomie, Ökologie und Effizienz in den Betrieben sind. BdB und GVN haben für Schleswig-Holstein drei Projekte eingereicht. Im Bereich der Baumschulen soll die „Thermische Bodenbehandlung“, bei der durch Bedampfung des Bodens die chemische Entseuchung ersetzt werden soll, getestet werden. Zudem sollen sogenannte Klimawandelbäume, die für neue klimatische Bedingungen und Belastungen in den Städten gerüstet sind, ermittelt werden. Im Zierpflanzenbau soll die regionale Identifikation und damit die Wertschöpfungskette verbessert werden.
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