Millionen im Kampf gegen Asbest

Neue Rohre braucht Rellingen: Laut Verwaltung sind etwa 13 Kilometer der Leitungen aus Asbestzement.
Neue Rohre braucht Rellingen: Laut Verwaltung sind etwa 13 Kilometer der Leitungen aus Asbestzement.

Rellinger Verkehrsausschuss berät über alte Rohrleitungen, eine einsame Telefonzelle, nervige Altautos und Feuchtwiese gegen Überflutung

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03. Februar 2018, 16:00 Uhr

Unter der Leitung von Peter Geercken (SPD) treffen sich am Dienstag, 6.  Februar, die Mitglieder des Rellinger Verkehrsausschusses. Ab 19 Uhr wird sich das öffentlich tagende Gremium im Ratssaal des Rathauses in der Hauptstraße 60 unter anderem mit Anträgen zu „Überschwemmungsereignissen in Ellerbek“ beschäftigen.

Zum Verständnis: Am 8. Januar lag der Verwaltung ein Schreiben von Steffen Otto aus der Kellerstraße vor. Dessen Forderung lautete: „Im Zuge der wiederholten Überschwemmungsereignisse in Ellerbek am 3. Januar und dem dringlichen Handlungsbedarf, geeignete Gegenmaßnahme zu ergreifen, beantrage ich die folgende Genehmigung und Umsetzung: Erweiterung des Regenrückhaltebeckens-Volumes Pütjenweg um die Fläche einer Feuchtwiese.“

Des Weiteren lag in diesem Kontext ein Begehren von Otto an den Wasserverband Mühlenau sowie die Gemeindebüro Ellerbek vor, die Überschwemmungsereignisse mit Hilfe einer „Verlegung der Trassenführung des Kellergrabens auf dem Gemeindegebiet Rellinen zur Mühlenau“ in den Griff zu bekommen.

Der Verkehrsausschuss wird vorerst eine Entscheidung verschieben, heißt es aus der Verwaltung. Denn: „Die identische Thematik war Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Nachbarn des Antragstellers (Kläger) und der Gemeinde Ellerbek sowie der Gemeinde Rellingen (jeweils Beklagte). Die Klage wurde abgewiesen. Die Rechtslage ist somit geklärt.“ Verwaltung und Politik setzen in jedem Fall auf eine Lösung durch Dialog: „Gleichwohl wird die untere Wasserbehörde zu einem Gespräch laden, um die Überschwemmungsthematik auf Behördenebene zu besprechen. Diese Gespräche bleiben abzuwarten, bevor über die Anträge entschieden wird.“


Umsatz liegt unter fünf Euro pro Monat

Handys statt öffentliche Telefonzelle: Geercken und das Gremium müssen an diesem Abend auch über den von der Telekom beantragte „geplanten Rückbau einer öffentlichen Telefonstelle Höhe Hauptstraße 103“ entscheiden. Die Begründung für den Betreiber: „In den letzten Jahren ist der Betrieb öffentlicher Telefonstellen aufgrund der geringen Nutzung unwirtschaftlich geworden. Der durchschnittliche Umsatz des Telefonhäuschens Höhe Hauptstraße 103 soll bei unter fünf Euro im Monat liegen.“ Die Entscheidung, eine Jahrzehnte alte Kultur aus dem öffentlichen Raum und Leben zu „verbannen“, dürfte kaum überraschend ausfallen.

Nicht ganz so „gemütlich“ dürfte die Diskussion um „möglicher Verstöße gegen die Nachtanlieferung mit Großtransportern“ für Autohäuser im Bereich Stawedder auf Halstenbeker Gebiet gehen. Mit der Konsequenz: „Der Ausschuss für Verkehr beauftragt die Verwaltung, Kontakt zum Ordnungsamt der Gemeinde Halstenbek hinsichtlich möglicher Verstöße aufzunehmen.“ Vorausgegangen sind Beschwerden von Anwohnern, die bereits in 2014 an das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Bereich: technischer Umweltschutz) abgegeben worden waren und nun wieder auf der Tagesordnung stehen. Getoppt wird das Ärgernis, dass „aufgrund einer erneuten Zunahme im öffentlichen Bereich abgestellter abgemeldeter beziehungsweise ausgedienter Altfahrzeuge nach Rücksprache mit Claudius von Rüden (SPD), Halstenbeks Bürgermeister in 2017 durch das Rellinger Ordnungs-amt ein Schreiben an zwei Halstenbeker Gewerbetreibende versandt worden waren, mit der Aufforderung, den öffentlichen Bereich von abgemeldeten oder Schrott-Fahrzeugen freizuhalten.“

Größeren Beratungsbedarf dürfte der SPD-Antrag als letzter Tagesordnungspunkt „Austausch von Asbestzement(AZ)-Rohrleitungen“ mit sich ziehen. Die Fakten sind alles andere als „rosig“. Laut Verwaltung sind derzeit in Rellingen noch etwa 13   Kilometer der Leitungen aus dem Material. „Größere Probleme gibt es im Bereich Drosselstraße/Lerchenstraße. Hier handelt es sich um ein Moorgebiet, das Grundwasser steht hoch. Die Leitungen werden langsam ‚zersetzt‘, sind ‚weich‘. Im Zeitraum 2015 bis 2017 kam es zu 20 Rohrbrüchen. Dies sind plötzliche Ereignisse mit längerer (mehrstündiger) Unterbrechung der Trinkwasser-Versorgung“, heißt es in der Vorlage.

Längst ist die Sanierung ein Haushaltsposten mit hohem finanziellem Aufwand. Doch es geht langsam voran: „Wenn die Projekte 2018 und 2019 abgeschlossen sind, so wären in 2020 immer noch etwa zwölf Kilometer AZ-Leitung übrig. Das sind etwa 17 Prozent des Trinkwasser-Netzes. Bei Berücksichtigung der aktuellen Preise würden die Baukosten für die Erneuerung der restlichen AZ-Leitungen etwa 8,4  Millionen Euro betragen – gegebenenfalls weitere Preissteigerung.“


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