Milch: Nachfrage in den Supermärkten steigt

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01. April 2020, 16:31 Uhr

Horst/Barmstedt | Überquellende Einkaufswagen, leergeräumte Ladenregale: Das ist das Bild in vielen Supermärkten. Die Renner unter den Hamstern sind Klopapier, Nudeln und Konserven. Auch Seife ist immer wieder ausverkauft.

Doch wie sieht es eigentlich bei den Molkereien aus? Sinkt der Absatz oder steigt er? Das können schnell existenzielle Fragen werden, denn Bauern können ihre Kühe ja nicht wie eine Maschine hoch- und herunterfahren. Wir haben bei der Meierei Horst und der Meierei in Barmstedt nachgefragt.

Hans Möller ist Vorstand der genossenschaftlich organisierten Meierei in Horst. Für ihn sind die Schwankungen am Markt derzeit noch gut auszuhalten. „Wir beliefern ja auch Gastronomie und Caterer, etwa für Kantinen. Die Nachfrage dort ist zuletzt um etwa ein Drittel zurückgegangen“, sagt der Landwirt, der selbst einen Milchviehbetrieb führt. Zum Teil werde dieser Rückgang jedoch von einer deutlich gestiegenen Nachfrage im Einzelhandel wieder ausgeglichen. Überschüssige Milch werde zu haltbaren Produkten wie Butter verarbeitet. „Da kommt nichts weg“, sagt Möller zum sensiblen Produkt der Milchbauern. Wirtschaftlich gebe es noch keine Probleme. „Im Moment trifft uns das nicht so hart.“

Anders sieht es aus bei der Meierei Barmstedt, die keine Trinkmilch produziert, sondern Roh- und Magermilch zu Käse, Butter sowie Milch- und Molkenkonzentraten verarbeitet. Käse und Butter würden zwar verhältnismäßig gut abgesetzt. Insgesamt seien die Auswirkungen der Corona-Krise aber deutlich negativ für das Unternehmen. „Im Sektor Großverbrauch sieht es sehr mau aus. Abnehmer wie Hotels oder Restaurants fallen weg, die Nachfrage aus dem Ausland hat ebenfalls stark abgenommen“, sagt Dirk Rowedder, Geschäftsführer der Meierei. Was die Produktionsabläufe angeht, habe man die ohnehin hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards weiter verschärft. „Die Milchwagenfahrer kommen getrennt voneinander, Schichten werden entzerrt und für Mitarbeiter aus der Verwaltung wird auch Homeoffice angeboten“, so Rowedder.

Mit rund 180 Mitarbeitern erwirtschaftet das größte selbstständige milchwirtschaftliche Unternehmen in Schleswig-Holstein normalerweise um die 400 Millionen Euro im Jahr. Ein Umsatz, der 2020 kaum zu erwarten ist.

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