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Pinneberger Tageblatt

22. November 2017 | 05:00 Uhr

Milch aus der Nachbarschaft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Übernahmekonzept für Meierei Horst steht / Mitglieder bleiben vorerst in der Genossenschaft / Produktionsmenge wird halbiert

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Atempause für die Meierei Horst: Nachdem die Ökomelkburen ihr Rettungskonzept präsentiert haben, führen die 22 Mitglieder der Genossenschaft den Betrieb zunächst weiter. Das sagte Ökomelkbur Achim Bock aus Lutzhorn gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Bisher war ihr Plan, die Genossenschaft zum 1. April zu verlassen.

Sobald die Banken dem Unternehmen frisches Kapital zur Verfügung stellen, wollen Bock und seine Kollegen Hans Möller aus Lentföhrden sowie Heino Dwinger aus Schmalfeld (beide Kreis Segeberg) alle Anteile der Genossenschaft übernehmen. Danach sollen dort auch Kunden Mitglieder werden können. „Wir wollen Landwirte und Verbraucher wieder an einen Tisch bringen, ohne den Großhandel dazwischen“, sagte Möller. Konkreteres werde aber erst Mitte des Jahres feststehen.

Die Produktionsmenge wird zunächst um 50 Prozent reduziert, wie Geschäftsführer Simon Pries sagte. Denn die Bauern, welche die Genossenschaft verlassen wollten, verkauften ihre Milch seit dem 1. April an die Breitenburger Milchzentrale in Itzehoe - zumindest auf dem Papier. Denn die Meierei Horst kaufe einen Teil der Milch von der Breitenburger Milchzentrale zurück. Die Bauern brächten ihre Milch weiterhin direkt in die Molkerei nach Horst. „Wir kaufen so viel, dass die Meierei ausgelastet ist, können bei der Menge zukünftig aber flexibel sein. Dafür sind wir mit der Breitenburger Milchzentrale eine Partnerschaft eingegangen“, sagte Bock. Die vor Kurzem eingestellte Produktion von Schulenburg-Quark solle wieder aufgenommen werden.

Dass die Meierei auch langfristig eine Zukunft hat, davon scheint Möller überzeugt. Regionalität sei im Trend, zudem habe die Meierei mit ihrer traditionellen und schonenden Verarbeitung der Milch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im norddeutschen Raum. „Wir wollen eine regionale Marke nicht aussterben lassen“, sagt Möller. „Der Standort bleibt, die Mitarbeiter auch – und damit das Know-How“, sagte er. Der Betrieb hat elf Angestellte.


Bauern wollen Marke bekannter machen


Eine Käserei, mit deren Produkten bessere Preise erzielt werden könnten, sei vorerst nicht geplant. Die nötigen Investitionen wären zu hoch, sagt Bock. Als erstes gehe es nun darum, die Traditionsprodukte aus Horst bekannter zu machen. Da müssen wir sicher die Werbung verstärken“, sagte der Milchbauer. Außerdem erhoffen sich die Melkburen einen Schub, wenn Kunden Genossenschaftsanteile übernehmen und in ihrem Umfeld für die Erzeugnisse „Made in Horst“ werben. Auch wenn die Melkburen die Meierei übernehmen, werde dort weiter konventionelle und ökologische Milch parallel verarbeitet.

Ein Rettungsplan für den 1891 gegründeten Traditionsbetrieb sei nötig geworden, weil immer mehr Lieferanten austraten und ihre Milch zu höheren Preisen an andere Molkereien verkauften. Die Zahl der Mitglieder der Meierei-Genossenschaft sei während der vergangenen Jahre von 60 im Jahr 2005 auf heute 22 gesunken.

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