Moorrege : Mieter in Sorge vor einem Rauswurf

Betroffen von einem möglichen Abriss der alten Schule wären Daniela Reimers und Sohn Ferdinand (links) sowie Gerlinde Lange (daneben), außerdem Günter und Ulrike Krziwanie (Mitte, mit Hund Cookie) sowie deren Tochter Christin (rechts). Die Grundstücke von Ute Tobuschat (Dritte von links) und Cordula Seiß (Zweite von rechts) grenzen unmittelbar an. Sie befürchten eine Wertminderung.
Betroffen von einem möglichen Abriss der alten Schule wären Daniela Reimers und Sohn Ferdinand (links) sowie Gerlinde Lange (daneben), außerdem Günter und Ulrike Krziwanie (Mitte, mit Hund Cookie) sowie deren Tochter Christin (rechts). Die Grundstücke von Ute Tobuschat (Dritte von links) und Cordula Seiß (Zweite von rechts) grenzen unmittelbar an. Sie befürchten eine Wertminderung.

Die Gemeinde Moorrege will das Grundstück mit der alten Unterglinder Schule an einen Investor verkaufen. Der will dort Seniorenwohnungen bauen. Der Plan weckt Ängste bei den derzeitigen Bewohnern.

shz.de von
01. März 2017, 16:00 Uhr

Moorrege | In der alten Unterglinder Schule an der Pinneberger Chaussee werden schon lange keine Kinder mehr unterrichtet. Die ehemaligen Klassen- und Verwaltungsräume sind heute Wohnungen mit einer Größe zwischen 56 und 114 Quadratmetern. Für diejenigen, die in den Einheiten 60 bis 60c zu Hause sind, ist es das Paradies mit viel Grün und vor allem einer intakten und gewachsenen Nachbarschaft. Jetzt ist das Idyll gefährdet, denn die Gemeinde will das knapp 5000 Quadratmeter große Grundstück an einen Investor verkaufen. Der Plan weckt Ängste bei den Bewohnern.

Gerlinde Lange wohnt seit 40 Jahren in der alten Schule

Gerlinde Lange wohnt seit 40 Jahren in der alten Schule, Ulrike und Günter Krziwanie kommen auf 37 Jahre, Gisela Wulff ist vor drei Jahren eingezogen, Daniela Reimers vor gerade mal einem knappen Jahr. Die alleinerziehende Mutter eines fast erwachsenen und eines neunjährigen Sohnes ist besonders verbittert. „Wir kann man eine Wohnung vermieten, wenn man weiß, dass man in Kürze verkaufen will?“ Die Moorregerin ist auf günstigen Wohnraum angewiesen und fürchtet nun, ihrer Heimatgemeinde aus finanziellen Gründen den Rücken kehren zu müssen.

„Die Möglichkeit eines Verkaufs schwebte immer über uns. Was uns jetzt aber besonders stört und ärgert, ist, dass wir keine Informationen bekommen“, sagte Ulrike Krziwanie, deren vier Kinder in der alten Schule groß geworden sind und die viele Jahre den Trägerverein für den ehemaligen Moorreger Jugendtreff leitete. Sie wirft der Gemeinde Intransparenz vor und wartet wie alle anderen Bewohner auf klare Aussagen etwa über den Zeitplan. Und sie möchte Antworten, etwa auf die Frage, ob sie gekündigt werden und wenn ja, zu wann?

Lange hätten sich die Mieter in Sicherheit gewiegt

Lange hätten sich die Mieter in Sicherheit gewiegt, weil die frei werdenden Wohnungen entgegen anderslautender Aussagen der Gemeinde immer wieder zügig vermietet worden seien, so Krziwanie. Also haben sie kräftig investiert, versucht, die Zeichen der Zeit mit eigenen finanziellen Mitteln abzumildern. Entsprechend fühlen sie sich nun getäuscht, vor allem Reimers.

Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) wiegelt ab. „Als der Mietvertrag mit Frau Reimers unterzeichnet wurde, gab es noch keine Verkaufspläne“, sagte der Christdemokrat auf Nachfrage. Heute Abend wird sich der Bauausschuss im nichtöffentlichen Teil der Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Es könnte eine kontroverse Diskussion geben, denn die SPD hat inzwischen durchblicken lassen, dass sie lieber sozialen Wohnungsbau realisieren möchte. Das entspricht allerdings so gar nicht den Vorstellungen des Bürgermeisters, der seniorengerechte Wohnungen plant. Und in dem Investor offenbar jemanden gefunden hat, der den Weg mitgehen würde.

Würde der Investor die alte Schule abreißen, muss sich zumindest Reimers neu orientieren. Dass sie sich die Mieten in Moorrege leisten kann, glaubt sie nicht. Weinberg rät ihr ebenso wie den anderen Mietern abzuwarten. Es ergebe keinen Sinn, sich sofort nach etwas Neuem umzuschauen. „Man wird die Mieter nicht einfach entlassen können“, sagte er. Gleichzeitig machte der Bürgermeister den Familien ein Angebot: „Ich helfe ihnen bei der Suche nach einer neuen Unterkunft in Moorrege.“

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