Die „Appen musiziert“-Stars im Interview : Michael Holm „treibt die Liebe zur Musik an“

Michael Holm ist einer der Künstler, die am 20. September bei „Appen musiziert“ auftreten.
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Michael Holm ist einer der Künstler, die am 20. September bei „Appen musiziert“ auftreten.

Mit „Mendocino“ und „Tränen lügen nicht“ den Schlager-Thron erklommen. Live-Auftritte wichtigste Einnahme für Künstler.

shz.de von
23. Juli 2015, 12:30 Uhr

Appen | Seine Hits „Mendocino“ und „Tränen lügen nicht“ dürfte wohl jeder kennen. Michael Holm ist einer der Künstler, die am 20. September bei „Appen musiziert“ auftreten. Im Interview spricht der Sänger unter anderem über den Wandel in der Musikindustrie, zeitlose Hits und seine Vorliebe für Südamerika.

Was ist das Besondere an „Appen musiziert“?
Das Publikum und die Organisation sind einfach klasse. Ich bedauere es, dass diese tolle Veranstaltung eingestellt wird und freue mich, dass ich am 20. September noch einmal dabei sein darf.

Sie sind seit Jahrzehnten im Musikbusiness erfolgreich.Was fasziniert Sie an dieser Branche?
Mich treibt die Liebe zur Musik an. Deswegen bin ich überhaupt in diese Branche gekommen und arbeite als Sänger, Produzent, Autor und Verleger. Diese Arbeit ist sozusagen mein Leben und deshalb denke ich noch längst nicht daran, mich zur Ruhe zu setzen. Solange es mir Spaß bringt, bleibe ich dabei.

Was hat sich in der Branche verändert?
Musik wird zwar wahrscheinlich so viel wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit konsumiert. Trotz allem ist die Einnahmesituation für Sänger, Produzenten und Plattenfirmen verheerend. Speziell neue Technologien wie MP3-Dateien haben zu einem grundlegenden Wandel geführt. Die Musikindustrie wie es sie einmal gab ist dadurch praktisch zusammengebrochen. Die Künstler, die in den Charts vorn liegen, verkaufen 80 Prozent weniger als früher. Es hat sich deshalb sehr viel vom Platten- ins Live-Geschäft verlagert. Dort wird inzwischen das meiste Geld verdient. Früher wurde eine Tournee gemacht, um ein Album zu bewerben. Heute soll das Album die Tournee promoten.

In Deutschland sind Sie vor allem als Schlagersänger bekannt. In den USA, Japan und Südkorea feierten Sie Erfolge mit dem Projekt Cusco. Wie kam es dazu?
Zu der Instrumentalmusik haben mich schöne Eindrücke inspiriert, die ich Ende der 1970er Jahre während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Südamerika sammelte. Besonders hat mich der Ort Machu Picchu beeindruckt, eine alte Stadt der Inkas, die von den Spaniern übersehen und erst 1911 wieder entdeckt wurde. Machu Picchu ist aber natürlich kein Name für ein Projekt. Deswegen habe ich es Cusco genannt, früher das Zentrum des Inkareiches. Die gesamte Reise durch ganz Südamerika war für mich ein unvergleichliches Erlebnis. Das Lebensgefühl und die Gastfreundschaft der Menschen werde ich nie vergessen. Diese Eindrücke wollte ich durch die Cusco-Musik konservieren.

Ihr Hit „Mendocino“ wird in vielen Fußball-Stadien von den Fans gesungen. Freut Sie das?
Auf jeden Fall. Ich finde es toll, im Stadion „Mendocino“ zu hören. Für einen Künstler ist es sowieso fantastisch, wenn seine Werke nicht nach kurzer Zeit wieder vergessen sind. Ich freue mich, dass ich mit „Tränen lügen nicht“, „Mendocino“, „Barfuß im Regen“ und „Nur ein Kuss, Maddalena“, „Lucille“ und „Baby, du bist nicht allein“ gleich mehrere Lieder habe, mit denen mich das Publikum in Verbindung bringt. Dafür muss jeder Musiker dankbar sein.

Sind Sie selbst Fußball-Fan?
Sogar ein großer. Wer in Oberbayern lebt, ist natürlich Anhänger von Bayern München. Mir hat aber auch Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp gefallen, weil ich für ein attraktives Spiel schwärme, das aufregend und dynamisch ist. Der Besuch im Stadion soll schließlich ein Erlebnis sein. Ich kann nichts damit anfangen, wenn auf dem Platz nur das Routineprogramm abgespult wird und gute Mannschaften lediglich das Nötigste tun, um zu gewinnen.

Mehrere Ihrer Songs sind unvergessen. Was macht einen Titel zum zeitlosen Hit?
Das kann keiner so richtig erklären. Es gibt wunderschöne Melodien, die im Nirwana versanden. Dann gibt es Lieder wie „Time To Say Goodbye“, die die ganze Welt bezaubern. Als Künstler muss man auf jeden Fall versuchen, den Zeitgeist zu treffen und braucht die Unterstützung der Medien. Selbst der tollste Titel wird kein Erfolg, wenn ihn keiner kennt. Letztendlich ist es die Begeisterung des Publikums für eine Geschichte und eine Melodie, die einen Song zum Hit macht. Es ist jedenfalls ein großartiges Gefühl, wenn die Menschen für meine Musik schwärmen und meine Titel wie in den 1970er Jahren auf Platz eins der Charts stehen. Das fühlt sich vermutlich ein bisschen so an wie der Gewinn einer olympischen Goldmedaille oder der Fußball-Weltmeisterschaft.

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