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Pinneberger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 22:08 Uhr

Pinneberg : Meterhohe Skulpturen von Weltruf

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ausstellung „Die Befragung des Raumes“: Großplastiken aus Cortenstahl und Zeichnungen des Künstlers Jörg Plickat in der Drostei in Pinneberg.

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erstellt am 06.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Pinneberg | „Sie müssen von unten fotografieren, ganz von unten. Das gibt das beste Foto“, lautet die Anweisung von Jörg Plickat. So liege ich dem Bildhauer und seinem Werk „Dialogue“ regelrecht zu Füßen – die Rede ist von einer meterhohen Skulptur, die weltberühmt ist und jetzt hinter der Drostei auf einem Sockel steht.

Weltberühmt, weil zwei Reproduktionen schon in Australien und China für Furore sorgten und an Privatsammlungen verkauft wurden. Aufsehenerregend, weil der für die Skulptur verwendete Cortenstahl mit einem Material bearbeitet wurde, das durch frühzeitige Rostbildung die nachhaltige Korrosion verhindert und gleichzeitig an die Vergänglichkeit mahnt. Ergänzt wird sie durch eine zweite Skulptur vor der Drostei, die den Titel „Divided World“, auf Deutsch „Geteilte Welten“ trägt.

Jetzt will Stefanie Fricke, Künstlerische Leiterin der Drostei, Dingstätte 23, diesen außergewöhnlichen Künstler den Pinnebergern nahebringen. Die Ausstellung mit dem Titel „Die Befragung des Raumes. Skulpturen und Zeichnungen“ öffnet am Sonntag, 8. Februar, mit einer Vernissage. Beginn ist um 11    Uhr. Unveröffentlichte Exponate, darunter plastische Arbeiten aus Stein, Stahl und Bronze, Grafiken und Dokumentationen sowie Werkmodelle und Fotografien ergänzen die Retrospektive des norddeutschen Künstlers, der als Gastprofessor in China an der Tsinghua Universität von Peking und der Nationalakademie in Hangzhou sowie seit 2014 auch an der Universität von Madrid sein Wissen an junge Künstler weitergibt.

Plickat selbst ist ein Künstler zum Anfassen – wie das so schön heißt. Er ist locker, witzig und mampft während des Gesprächs einen Schokoriegel nach dem anderen – und hilft beim Ausladen der kleinen Skulpturen aus dem Lkw.

Der Versuch einer Annäherung an sein Werk: „In meinen Kunstwerken geht es um Paar-Themen wie Mann und Frau, Yin und Yang, These und Antithese“, sagt er und verweist auf die Skulpturen draußen. Die eine stellt zwei Personen dar, die miteinander kommunizieren, die andere zerteilte Welten“, sagt er.

„Die Reduktion der menschlichen Figur auf elementare Formen zieht sich wie ein roter Faden durch Plickats Schaffen“, schreibt Kunstexpertin Barbara Aust-Wegemund in dem Katalog zur Ausstellung. Mit seinen Monumentalplastiken bespiele Plickat den öffentlichen Raum, der sich durch lokale und regionale Merkmale definiere, heißt es dort weiter.

„Ich möchte den öffentlichen Raum in Pinneberg testen. Es ist ein Angebot“, beschreibt Plickat seine Motivation. Er rät, um die Skulpturen herumzugehen und sie aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Wer die Ausstellung besucht, entdeckt gar konkrete Zeichnungen als Vorbild zu den abstrakten Skulpturen. „Nur ein paar Schritte weiter“, so Aust-Wegemund. Hemmschwellen muss niemand haben: „Es lohnt sich, zu kommen, weil es eine Schulung des Auges ist. Man lernt dadurch zu sehen, kann den eigenen Blick erweitern und in den Werken Paare und deren Beziehungen zueinander entdecken. Und die eigene Fantasie bereichern.“

Für Fricke ist es eine Premiere: „Wir hatten noch nie Skulpturen vor und hinter der Drostei“, sagt sie . Und es sei eine große Chance, diese Ausstellung zu haben. Nicht eine von irgendjemandem, sondern von Jörg Plickat. Klotzen statt kleckern“, sagt sie. Fricke erhofft sich von der Ausstellung, dass Menschen nach acht Wochen vorbeikommen und sagen: „Schade, dass die Skulpturen jetzt weg sind.“

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