Messen, rechnen, scannen

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Ein Nivelliergerät ist Objekt des Monats Oktober im Industriemuseum

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17. Oktober 2018, 17:54 Uhr

Gesehen haben sie alle schon einmal: Männer und Frauen, die mit Stativen und darauf geschraubten Instrumenten am Straßenrand stehen. In einiger Entfernung steht eine weitere Person an einer gestreiften Stange oder einer meist gelben Latte.

Es handelt sich bei den Gerätschaften nicht um Radarfallen oder Lasergeräte, die
messen, ob die Autofahrerinnen und Autofahrer sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, sondern um Instrumente zur Landvermessung. Diese kommen in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz. Während Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katasterämter, die heute in Schleswig-Holstein in dem Landesamt für Vermessung und Geoinformation zusammengefasst sind, überwiegend Messinstrumente zur Bestimmung von Entfernungen benutzen, arbeiten andere Vermessungstechniker auch mit dem sogenannten Nivelliergerät.


Messung von Höhenunterschieden

Die ermittelten Daten werden für die Erstellung von
Plänen und Karten, aber auch für die Vorbereitungen von Straßenbauarbeiten oder den Gebäudebau genutzt. Nivelliergeräte werden immer dann eingesetzt, wenn Höhen oder Höhenunterschiede bestimmt werden sollen. Dies kann sowohl in der Landvermessung der Fall sein, um etwa Erhöhungen im Gelände festzustellen, als auch im Bauwesen.

In letzterem Bereich funktionieren die Instrumente ähnlich wie eine Wasserwaage und helfen etwa bei der Ausrichtung von Neubauten. Ergänzend zum Nivellier werden ein Stativ und eine Nivellierlatte benötigt. Diese ist zwischen drei und fünf Metern lang. Für eine Messung muss sie senkrecht gehalten werden. Um sicherzu- stellen, dass die Nivellierlatte gerade steht, wird sie in einem Lattenrichter ausgerichtet und in Lot gebracht.

Moderne Messinstrumente sind in der Regel elektrooptische Geräte, die Entfernungen oder Höhen mit Hilfe von Laser- beziehungsweise Infrarotstrahlen ermitteln. Im Falle des Nivelliergerätes bedeutet dies, dass das auf dem Stativ befestigte Gerät
mittels optischer Strahlung einen Strichcode auf der Nivellierlatte abscannt. Vergleichen lässt sich dieses Vorgehen mit dem Scannen von EAN-Codes an der Supermarktkasse.


Datenerfassung mittels Strichcode

Zur Bestimmung von Höhenunterschieden werden zwei Messpunkte benötigt. Das Nivelliergerät scannt also zunächst den Strichcode auf der einen Latte, wird dann gedreht und scannt im Folgenden den Strichcode einer zweiten Latte, die im gleichen Abstand zum Nivellier auf der genau gegenüberliegenden Seite aufgestellt ist. Durch die beiden ermittelten Messwerke kann der Höhenunterschied bestimmt werden.

Das hier vorgestellte Nivelliergerät stammt aus einer Elmshorner Ingenieurgemeinschaft, in deren Tätigkeitsfeld unter anderem die Entwicklung von Verkehrswegen und Siedlungsstrukturen fällt. Nachdem es durch ein moderneres Messinstrument ersetzt wurde, kam es im Frühjahr dieses Jahres als Spende in das Industriemuseum. Zu sehen ist es derzeit auf dem Plakat der Sonderausstellung „Stadtplan und Katasterkarte – Die Vermessung der Stadt“ sowie noch bis zum 13. Januar im zweiten Obergeschoss des Museums.

Wer ein Nivelliergerät einmal selbst ausprobieren möchte, hat am 4. November im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntags die Gelegenheit dazu. Gemeinsam mit einem Vermesser der Stadt sollen die Höhen der Gebäude in der Königstraße gemessen werden – Mathematik zum
Anfassen! Die Aktion beginnt um 12 Uhr auf Höhe der Stadtbücherei.

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