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Pinneberger Tageblatt

20. November 2017 | 05:09 Uhr

Otto Hoge : „Merkel wollte nur die Macht“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In Rellingen hat Otto Hoge (70) nach vier Jahrzehnten sein CDU-Parteibuch zurückgegeben. Der Fraktion bleibt er jedoch erhalten.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 15:00 Uhr

Rellingen | Als finanzpolitischer Sprecher der Rellinger Union ist Otto Hoge eine Institution. Als Chef des Finanzausschusses hält der Kommunalpolitiker das Heft seit Jahren fest in der Hand. Doch seiner Partei hat er den Rücken gekehrt: Nach vier Jahrzehnten gab der 70-Jährige sein CDU-Parteibuch zurück. Der Hauptgrund: Hoge kann der Großen Koalition in Berlin nichts abgewinnen. Zudem ist die Arbeit der Bundeskanzlerin Angela Merkel für Otto Hoge „ein rotes Tuch“. Wir sprach mit dem Ratsherrn über Motive, über Gegenwind und Zukunftspläne nach der Politikerkarriere.

Herr Hoge, nach 40 Jahren in der CDU geben Sie Ihr Parteibuch zurück. Warum?

Die Bundespolitik der CDU – insbesondere die Innenpolitik – trifft nicht mehr meine Zustimmung. Es geht immer mehr in Richtung „Gleichmacherei“, das kann und will ich nicht unterstützen.

Warum ist für Sie denn eine große Koalition auf bundespolitischer Bühne ein Tabu?
Angela Merkel wollte nur die Macht, eine ausgewogene Politik im Sinne der CDU ist ihr weniger wichtig. Das sieht man auch daran, dass sie jetzt in vielen Fragen der Sozialpolitik einknickt und der SPD die Führung überläßt – siehe beispielsweiese Mindestlohn, Rente mit 63 und so weiter.

Muss sich also ein Staatssekretär wie Ole Schröder (CDU) aus Rellingen für fünf Jahre „verbiegen“?
Natürlich nicht, der Austritt aus der CDU war meine Entscheidung – nicht die von Ole Schröder. Die Politik von Angela Merkel trifft ja durchaus auf Zustimmung in Teilen des Volkes. Meine allerdings nicht.

Wie haben Ihre Parteifreunde vor Ort reagiert?
Meine Rellinger Kollegen akzeptieren meine Meinung, sie findet dennoch nur wenig Zustimmung. Da in der Kommunalpolitik aber Sachfragen im Vordergrund stehen, hat das keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit. Von außerhalb des Kreises der Kommunalpolitiker habe ich viel Anerkennung und Zustimmung zu meinem Handeln erfahren.

Haben sie versucht, Ihnen den Schritt auszureden?

Natürlich, sowohl der Ortsvorsitzende als auch der Fraktionsvorsitzende haben das erfolglos versucht, auch andere Kollegen aus der Gemeindevertretung haben Gespräche mit mir geführt.

Welche Konsequenzen hat Ihr Handeln auf Ihr politisches Wirken in Rellingen?
Keine. Ich habe mein vollständiges Ausscheiden im Zusammenhang mit dem Parteiaustritt aus der aktiven Politik angeboten, hier war man der Meinung, dass meine Sacharbeit im Bereich Finanzen im Vordergrund steht. Und die bin ich nach wie vor bereit, zu leisten.

Sie sind seit dem 1. April 1998 Gemeindevertreter und Chef des Finanzausschusses. Ist das als Parteiloser denn weiter möglich?
Ich bin jetzt als Parteiloser in der Gemeindevertretung, gehöre weiterhin der CDU-Fraktion an. Damit ändert sich an der Zusammenarbeit nichts.

In der Rellinger Kommunalpolitik gibt es nur wenige wie Sie, die komplizierte Haushaltsdiskussionen mit Inhalt füllen können. Sie werden am 2. Oktober 71 Jahre alt. Hängen Sie noch eine Legislaturperiode dran?
Bei der nächsten Kommunalwahl bin ich 75 Jahre alt, habe dann 20 Jahre Kommunalpolitik auf dem Buckel – das reicht.

Wer wird in der CDU als Kronprinz aufgebaut?
Nicht mein Thema, das wird innerparteilich abgehandelt. Ich war’s in der Vergangenheit nicht – und wollte es auch nicht sein.

Ein Leben nach der Politik – wie sieht das bei Ihnen aus?
Ich bin nach wie vor für einige Unternehmen beratend tätig, das wird noch eine Zeit lang so weitergehen. Daneben gibt es Golf spielen, Fahrrad fahren – ich habe drei verschiedene Fahrräder –, andere ehrenamtliche Tätigkeit im Vereinsbereich und nicht zuletzt die Familie. Ich bin später auch weiterhin gut beschäftigt.

Vielen Dank für das Gespräch.


 

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