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Pinneberger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 00:54 Uhr

Ehrenamt : Merkel empfängt Ellerbekerin

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

140 Vertreter von Flüchtlingshilfe-Organisationen aus ganz Deutschland tauschen Erfahrungen in Berlin aus.

von
erstellt am 20.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Ellerbek/Berlin | „Etwas mulmig war mir schon auf meiner Bahnfahrt nach Berlin“, gab die Ellerbekerin Heike Rix zu. Die Bundeskanzlerin hatte eingeladen, und sie war geschickt worden, um die Flüchtlingshilfe-Organisation „Ellerbek Hilft“ dort zu vertreten. „Aber dann war es ganz problemlos“, sagte Rix im Rückblick.

Nachdem sie im Bundeskanzleramt die Sicherheitskontrolle durchlaufen hatte, wurden die eintreffenden Besucher – 140 Vertreter verschiedener ehrenamtlicher Flüchtlingsinitiativen – in eine Empfangslobby gebeten. „Es gab Büfetts mit Speisen und Getränken, und bei einer Tasse Kaffee und Gebäck an den Stehtischen kam man mit Vertretern anderer Hilfsinitiativen sehr leicht ins Gespräch: ,Woher kommen Sie? Was machen Sie dort? Wie sind Ihre Erfahrungen?‘, so lauteten die am häufigsten gestellten Fragen.

Und ja, die Erfahrungen ähnelten sich sehr. Es wurde von Erfolgen bei der Arbeit mit den Geflüchteten berichtet und ebenso von den Enttäuschungen, erläuterte Rix. „Der junge Flüchtling zum Beispiel, der bei allem dabei ist, der nach 18 Monaten die C1-Prüfung geschafft hat, der dankbar für den Ausbildungsplatz und mit Eifer bei der Sache ist“, nannte sie als Beispiel. Oder die Kinder, die alle einen Kita- oder Schulplatz bekommen und einheimische Freunde gefunden hätten. Der Bürgermeister, der mit Flüchtlingskindern Fußball spiele und dessen Frau in den Schränken ihrer Kinder nach passender Kleidung für sie suche.

Aber es sei auch davon gesprochen worden, dass im Laufe der Zeit das Interesse an Sprachkursen, Begegnungen, Aktivitäten nachlässt. „Erst waren alle begeistert über das Projekt Nutzgarten, den die Geflüchteten pflegen und abernten wollten. Aber dann waren wir froh, dass wir nicht noch, wie geplant, Hühner angeschafft haben. Sie wären wohl verhungert so wie die Pflanzen vertrockneten“, so der Bericht eines engagierten Ehrenamtlichen aus Rendsburg. Als nächster Programmpunkt habe eine Führung durch das Bundeskanzleramt mit der offenen, eleganten Architektur und den lichtdurchfluteten Räumen gestanden. „Dann war es Zeit für die Begrüßung durch die Kanzlerin und die anschließende Diskussion“, berichtete Rix.

Dabei seien Probleme in der Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen und behördlichen Vertretern zur Sprache gekommen. Auch die Frustration durch Behördenwiderstand sei thematisiert und die beschwerliche Bürokratie kritisiert worden. „Es ist bedauerlich, dass immer wieder Geflüchtete mit guten Deutschkenntnissen und sogar mit einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ausgewiesen werden“, sagte Rix. Eine der Forderungen an die Kanzlerin sei gewesen, dass ehrenamtliche Initiativen bei Einzelfallentscheidungen mit einbezogen werden.

„Eine Teilnehmerin berichtete, dass in ihrer Gemeinde alle Institutionen wie zum Beispiel Bürgermeister, Gemeindevertreter, Jobcenter, Sozialamt, Kirchen, Firmen und Vertreter der Flüchtlingshilfe regelmäßig zusammenkommen, um darüber zu sprechen, wo es Probleme gibt und wie man sie gemeinsam lösen kann“, beschrieb die Ellerbekerin den Erfahrungsaustausch. Dadurch sei beispielsweise erreicht worden, dass auf Arbeitsgenehmigungen nicht mehr monatelang gewartet werden müsse und die Firmen deshalb die Plätze anderweitig vergeben würden. Auch Informationen über freie Plätze für Integrationskurse würden so schneller und zuverlässiger weitergegeben.

„Sie haben Vieles auf die Beine gestellt, was der Staat nicht alleine hinbekommen hätte“, bedankte sich Merkel bei ihren Besuchern. Sie und auch der Chef des Kanzleramtes, Peter Altmaier, forderten die angereisten Vertreter der Flüchtlingsinitiativen auf, ihren Dank an alle Ehrenamtlichen zu überbringen. „Es ist noch viel zu tun, aber wir sind entschlossen, Sie nicht allein zu lassen“, sprach die Kanzlerin den Helfern Mut zu. „Wenn ich selbst mal wieder daran zweifle, ob unsere Bemühungen Sinn machen, werde ich mich künftig an dem ,Wir schaffen das‘ wieder aufrichten“, so das Fazit von Rix. Ein Livestream ist in der Mediathek der Bundesregierung unter der Rubrik „Live aus dem Kanzleramt“ zu finden.

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