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Aktionstag in Schenefeld : Menschen mit Handicap erheben ihre

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Keine Gewalt gegen Menschen mit Handicap: Beteiligte formulieren Sorgen und Ängste bei Aktionstag im „Stadtzentrum“ Schenefeld.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2016 | 13:00 Uhr

Schenefeld | Schwarzgekleidete Menschen mit weißen Gesichtern nähern sich dem Marktplatz. Einige von ihnen tragen Kopfgitter. Aus weißen Papierflocken formen sie ein Blütenbild. Menschen mit Handicap haben am vergangenen Sonnabend eine beeindruckende Performance geboten. Die Vorführung war ein Bestandteil des Projekts „Gemeinsam statt gemein – keine Gewalt gegen Menschen mit Handicap“.

„Es kann nichts Besseres als diese Veranstaltung geben“, betonte die Projekt-Schirmherrin, Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Diverse Beteiligte, darunter die AG Barrierefreiheit und der Weiße Ring, haben eineinhalb Jahre benötigt, um das Projekt mit Gesprächen, Performances und Bastelaktionen vorzubereiten. Mitglieder vom Forum Inklusion schilderten ihre Ängste. Die Beteiligten beleuchten das Thema Gewalt aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Zuhörer lauschten den Berichten von Menschen mit Handicap gebannt. „Wenn ich in den Bus einsteige, geht es mir nicht gut“, sagte Antje. Sie sei auf einen Gehstock angewiesen und leide – wie auch Julia – unter massivem Gedrängel. Die Frauen berichteten von Diebstählen. Thomas litt unter einer seelischen Behinderung. Er hat sich immer noch nicht von den Qualen eines körperlichen Angriffs erholt. Melanie betonte, infolge ihrer Behinderung auf Distanz zu stoßen. „Einige Menschen wollen mich gar nicht kennenlernen“, bedauerte sie.

Peter Wieruch, der stellvertretende Kreisvorsitzende des Weißen Ringes, stellte klar, dass sich der Verein um die Sorgen der Betroffenen kümmere. „Wird beispielsweise bei jemandem eingebrochen, ist das ein Schlag gegen das Urvertrauen“, erläuterte Wieruch. Die unter Angstzuständen betroffenen Menschen benötigten „Zuwendung in besonderem Maße“. Mitarbeiter des Weißen Ringes kämen bei entsprechender Benachrichtigung sogar nach Hause.

Die Diskussionsteilnehmer formulierten schließlich ihre Wünsche. Thomas forderte eine gleiche Behandlung aller Menschen, egal ob Mann oder Frau, Menschen mit oder ohne Handicap. „Es geht hier um Menschenrechte, die realisiert werden sollten“, betonte er. Die ebenfalls unter einem Handicap leidende Julia wünschte sich, eine langsamere Taktung der Ampel vor dem „Stadtzentrum“. Wieruch verwies auch auf die Lotsenstellung des Weißen Rings: Die Mitarbeiter bemühen sich um therapeutische Hilfe und helfen bei juristischen Problemen.

Positive Resonanz

Das Projekt unter Federführung der Gleichstellungsbeauftragten Ute Stöwing kam bei den Besuchern wie Beteiligten sehr gut an. „Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die so etwas organisieren“, freute sich Birgit Schulze von der Tafel. Monika Popp von der AG Barrierefreiheit lobte die facettenreiche Veranstaltung mit Friedenstänzen, Pflastercollage, Glücksrad und Gesprächen. „Es ist schön, dass die Besucher auf die Sorgen aufmerksam gemacht werden“, so Popp. Vielen seien die Nöte von Menschen mit Handicap „zu wenig bewusst“.

Den Machern der Veranstaltung gelang es, mit Besuchern in einen Dialog zu treten. Sie bekamen Infos an den verschiedenen Ständen, darunter vertreten das Heilpädagogische Förderzentrum Friedrichshulde, der Rat für Kriminalitätsverhütung und der Kunstkreis Schenefeld. Eltern und Kinder beteiligten sich an Tänzen, fertigten Valentinspostkarten an und genossen den Auftritt von „Rosi und den Knallerbsen“.

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