Schulbau : Mensa über zwei Stockwerke

Stadtrat Stefan Bohlen wurde im Beisein von Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk (links) und Bürgermeisterin Urte Steinberg vereidigt.
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Stadtrat Stefan Bohlen wurde im Beisein von Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk (links) und Bürgermeisterin Urte Steinberg vereidigt.

Helene-Lange-Schule: Die Planungen sorgen bei Verwunderung in der Politik. Die Kosten steigen von 4,33 auf 5,55 Millionen Euro.

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12. März 2020, 22:00 Uhr

Pinneberg | Die Planungen für den Neubau der Mensa der Helene-Lange-Schule sorgten nicht nur bei Natalina di Racca-Boenigk (CDU für Verwunderung. Das Architektur- und Ingenieurbüro Bley und Voß stellte am Mittwochabend im Schulausschuss die Pläne vor. Auf dem Schulgelände soll eine zweistöckige Mensa mit etwa 170 Plätzen, zwei neuen Betreuungsräumen und Ausgabeküche entstehen.

„Ich kann mir keine Mensa auf zwei Ebenen vorstellen. Ich kann mir vorstellen, was da passiert. Die Idee muss mir mal einer erklären“, sagte di Racca-Boenigk. Wenn sich Kinder mit vollen Tabletts und Getränken begegnen, sei der Sturz vorprogrammiert. „Wenn man mal ein Schnellrestaurant besucht und mit einem vollen Tablett eine Treppe hochgeht, stellt uns als Erwachsene das schon vor eine Herausforderung“, pflichtete ihr der stellvertretende Ausschussvorsitzende, der die Sitzung leitete, Kai Vogel (SPD), bei. Der Landespolitiker ergänzte: „Ich habe schon viele Schulen von innen gesehen, aber keine mit Mensa über zwei Stockwerke.“

„Bei Treppen und Tabletts hatten wir die gleichen Befürchtungen wie Sie. Die Schule hat uns aber überzeugt, dass die Schüler das können“, erläuterte Heiner Koch, Leiter des Fachbereichs Schulen, Kindergärten und Verbund. Auch die Unfallkasse sehe „keine Bedenken“. „Uns konnte keiner bestätigen, dass es ein Problem ist.“ Die Politik regte an, eine Getränkeausgabe im Obergeschoss einzurichten. „Der Küchenbetreiber hat sich dagegen ausgesprochen“, berichtete Beate Hormann, Technische Abteilungsleitung des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP).

Auch die Finanzen sorgten für Diskussionen. „Ist das ein Mercedes oder ein Volkswagen? 5,3 Millionen Euro sind eine Ansage“, sagte di Racca-Boenigk. Bei der Kostenschätzung im März 2019 waren die Planer von 4,33 Millionen Euro ausgegangen. Die neuesten Zahlen lagen mit 5,55 Millionen Euro deutlich höher. Diesen Anstieg konnte sich die Unionspolitikerin nicht erklären. „Uns sind die Baukosten komplett weggelaufen“, sagte Bauingenieur Carsten Voß (Foto). „Das waren vor einem Jahr erste Zahlen. Nachdem es die Planungen gab, kamen die echten Zahlen auf den Tisch.“ Hormann versicherte: „Die Planung ist definitiv kein Mercedes. Wir haben bei jedem Punkt auf die Kosten geachtet. Ich kann mit gutem Gewissen sagen: Es ist eine überlegte und vernünftige Ausstattung.“ Für Gelächter sorgte die eher flapsige Bemerkung von Vogel: „Das müssen wir mal so glauben.“

Joachim Dreher (Grüne & Unabhängige) stellte den Antrag, die Diskussion abzubrechen und nicht fortzuführen. „Wann die Haushaltsmittel zur Verfügung stehen – darauf hat die Verwaltung mit dem Schulentwicklungsplan eine Antwort gegeben. Eine Umsetzung ist 2025 oder in den Folgejahren möglich. Was bis dahin sein wird, wissen wir alle nicht“, sagte Dreher. Jetzt die Planung voranzutreiben ohne zu wissen, wann und ob es sich aufgrund der Finanzlage der Stadt umsetzen lasse, hielt er nicht für sinnvoll. In der Vorlage der Verwaltung hieß es zu der Kostenberechnung: „Es ist kein Puffer für Unvorhergesehenes und Preissteigerungen enthalten, da noch nicht absehbar ist, wann die Umsetzung erfolgen kann.“ Dreher versicherte: „Es soll nicht unhöflich gegenüber den Planern oder der Schule sein, aber wir sollten hier keine falschen Hoffnungen wecken.“

Sieben Ausschussmitglieder stimmten dafür, die Diskussion zu beenden. Sieben Ausschussmitglieder votierten dafür, die Planungsmittel in Höhe von etwa 767 000 Euro zur Verfügung zu stellen. Zwei enthielten sich der Stimme.

Die Ratsversammlung wird sich am Donnerstag, 26. März, ab 18.30 Uhr im Ratssaal, Bismarckstraße 8, erneut mit dem Mensabau beschäftigen.

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