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Sonntagsreportage : Unterwegs in der Milchstraße

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Molkerei Kruse in Rellingen exisitiert seit fünf Generationen. Der Arbeitstag beginnt täglich morgens um vier. 250 Kühne und 95 Ziegen gehören zum Unternehmen.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2014 | 10:00 Uhr

Rellingen | Die Milch macht’s – und das nicht erst seit gestern. Denn: Forscher belegten jetzt anhand diverser archäologischer Funde an der Ostseeküste, dass bereits vor rund 6000 Jahren Ziegen, Schafe und Rinder zur Milchgewinnung gehalten wurden.

Heute ist die Milch in aller Munde. Und kaum wegzudenken aus dem heimischen Kühlschrank und den Produktionsstätten verarbeitender Betriebe und der Lebensmittelindustrie.

Ob unbehandelt, pasteurisiert, homogenisiert, sterilisiert, teilentrahmt (fettarm), ultrahocherhitzt oder „frisch gezapft“: Auch in extrahierter Form weiß das kalziumreiche Grundnahrungsmittel nicht nur als als Käse, Schmand, Molke, Quark, Sahne oder Joghurt zu gefallen. Keine Jahrtausend alte, aber doch schon über fünf Generationen währende Tradition kann die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) Kruse in Rellingen vorweisen. Den Meisten wohl eher ein Begriff  unter dem Namen „Kruses Hofmilch“.

Die Privatmolkerei und ihr angeschlossener Milchviehfutterbaubetrieb am Rande der Rellau-Niederung im Ortsteil Egenbüttel hat sich die Milchgewinnung und Verarbeitung auf die Fahnen geschrieben. Und zwar in Großbuchstaben. „Klasse statt Masse“ lautet das Motto in dem Familienunternehmen am Kirchenstieg.

Denn: „Bei uns wird alles selbst gemacht. Vom Anfang bis zum Ende. Frisch auf den Tisch“, weiß Inhaber Hans-Hinrich Kruse zu berichten, der die Molkerei seit 1979 mit Ehefrau Ute betreibt. Während sich Sohn Stefan mit seiner Frau Kathrin um die Landwirtschaft kümmert und Tochter Karola den Hofladen an der Pinneberger Straße führt.

240 Hektar zählt das Anwesen, zu dem außer Molkerei und mehreren, großzügig angelegten Freilaufstallungen für Kühe, Kälbchen und Ziegen auch die angrenzenden Wiesen gehören. „Dort grasen die Tiere vorwiegend im Sommer. Im Winter sind sie die meiste Zeit hier in ihren Ställen“, erklärt Kruse, während er mit sichtlicher Freude ein paar Rinder füttert. „Wir geben ihnen Heu, Mais, Roggen und Gerste. Alles selbst angebaut. Dazu gibt es Kraftfutter“, sagt er.

Dann zeigt Kruse auf den Kälbchen-Stall, in dem sich gerade die erst wenige Wochen alten Jungtiere in ihren Behausungen aneinander schmiegen. „Das ist sozusagen unser Kinderhort. Gleich neben dem Kreißsaal, in dem die trächtigen Kühe untergebracht sind“, so der Unternehmer, dessen Produkte unter anderem auf Wochenmärkten, in Bäckereien, Supermärkten, Schulen und Kindergärten der Region angeboten werden.          

„In mancher Kita oder Schule bereits in zweiter Generation. Weil schon die Eltern als Kinder gerne unsere Milch getrunken haben“, freut sich Kruse, der sich langsam aber sicher auf den Ruhestand vorbereitet. Und mit der Installation eines Geschäftsführers schon die Weichen für die Zukunft des direktvermarktenden Betriebes stellt.

Täglich beginne der Arbeitsalltag bei „Kruses Hofmilch“ bereits um vier Uhr in der Früh, wenn die vier in der Molkerei beschäftigten Mitarbeiter die Milch von rund 250Kühen und 95 Ziegen pasteurisieren – und Joghurt, Quark und Frischkäse herstellen. Bevor sie sich auch um die Abfüllung, umweltfreundliche Verpackung und Reinigung der Pfandflaschen kümmern.

„Gekühlt bleibt unsere Milch sieben Tage haltbar. Sie wird nicht weiter behandelt, wodurch Geschmack und Nährstoffe erhalten bleiben“, erklärt Kruse weiter, ehe er das „Melkzentrum“ gleich hinter der Molkerei erreicht. „Nacheinander können hier 24 Tiere gleichzeitig gemolken werden. Einmal gegen fünf Uhr am Morgen und um halb vier nachmittags“, erzählt der Firmenchef. Durchschnittlich geben die Kühe täglich etwa zwanzig Liter Milch ab, Ziegen dagegen um die fünf. 

„Mit eingerechnet ist da schon der sogenannte Mutterschutz. Denn unser Vieh bekommt nach der Niederkunft seines Nachwuchses immer ausreichend Zeit zur Erholung“, zeigt sich Kruse verantwortungsbewusst.

Das Ergebnis könne man sehen. Vor allem aber schmecken: Zum Beispiel bei einer der regelmäßig angebotenen Hofführungen. „Da kann sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen. Wir haben nichts zu verbergen. Unsere Produktion ist gläsern. Dies ist ein besonderer Betrieb in seiner Art“, fährt Kruse fort. Und zeigt sich erschrocken darüber, wie wenig oft die Kinder, und manchmal sogar deren Lehrer, die zur Führung auf den Hof kommen, über die urtypische Form der Milchproduktion wüssten.

Eines der Erfolgsgeheimnisse des stets gewachsenen Betriebes „ist mit Sicherheit die Stärke eines Familienunternehmens“.

„Hier herrscht ein Wir-Gefühl. Nicht nur innerhalb unserer harmonisierenden Familie, in der auch Ausfälle jederzeit gut aufgefangen werden können. Auch der Kontakt zu unserem tollen Kundenstamm wird sorgfältig gepflegt“, sagt der Firmenchef, während er eines der schneeweißen, mit dem Firmenlogo versehenen Transportfahrzeuge passiert.„Die fahren bereits um Mitternacht ab und beliefern dann die Kunden, damit diese bei Geschäftsöffnung oder zu Schulbeginn versorgt sind.“ Am Ziegenstall angelangt, nimmt Kruse schließlich ein kleines Zicklein auf den Arm. „Gerade erst geboren. Die ersten des Jahres“, freut sich der Milchbauer  und setzt es wieder ab. Nicht mehr lange, dann steht auch schon die Nachmittags-Melkung an. Während ungefähr  ein Drittel der Milcherträge direkt in den Verkauf gingen, werde der Rest an die Nordmilch AG („Milram“) geliefert.

Bei „Kruses Hofmilch“ indes neigt sich der Arbeitstag nun dem Ende entgegen. Doch es gibt nur eine kurze Atempause. Denn schon morgen dreht sich hier wieder alles um das „weiße Gold“ vom Bauernhof. Die Milch macht’s eben.

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