zur Navigation springen

Diskussion : Der HSV in der Krise

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Was wird aus dem Hamburger Sportverein? Fußballgrößen im Kreis Pinneberg zittern mit. Was denken Sie? Diskutieren Sie über unsere Kommentarfunktion mit.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Das Thema ist allgegenwärtig. Überall, wo man derzeit hinkommt, wird über die Krise des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV diskutiert. An der Tankstelle, in den Kneipen, im Supermarkt und natürlich auch auf und am Rande der Fußballplätze im Kreis Pinneberg. Die Trainer, Spieler, Funktionäre und ehemaligen Fußballgrößen des Kreises, die zum Teil enge Verbindungen zum Bundesliga-Dino haben, zermartern sich ihre Köpfe: Wie kann man dem HSV helfen? Ist er noch zu retten – und wenn ja, von wem? Slomka, Jol oder doch van Marwijk? Wer ist der richtige Coach im Abstiegssumpf? Von Bliemeister bis Zippel, die Pinneberger Fußballprominenz äußert ihre Meinung zum maroden HSV.

Marc Zippel, Trainer SC Egenbüttel: „Es wird schwer, den HSV zu retten. Der negative Prozess ist in voller Fahrt. Die Mannschaft taumelt nur noch über den Platz. Bleibt van Marwijk Trainer, sollte er seinen Schwiegersohn Mark van Bommel als schmutzigen Sechser reaktivieren. Bitte auch über Ivan Klasnic nachdenken. Der hat sich fit gehalten  und weiß, wo das Tor steht.“

 

Thomas Bliemeister, heute Trainer der SV Halstenbek-Rellingen und verantwortlich für die Altliga-Mannschaft des HSV: „Es fällt mir schwer, mich  über die Geschehnisse beim HSV zu äußern. Es bringt nichts, wenn alle von außen als Besserwisser auftreten. Aber eines ist klar: Wir in der HSV-Altliga machen uns Sorgen um unseren HSV. Wenn ich – zuletzt beim 0:3 gegen Schalke 04 – mit den Mitgliedern der Altliga-Mannschaft wie etwa Jürgen Stars, Rudi Kargus oder Helmut Sandmann in der Arena sitze und das Spiel ist vorbei, dann herrscht allgemeines Schweigen und in ihren Gesichtern ist die Fassungslosigkeit zu sehen.“

 

Andreas Behnemann, Trainer SSV Rantzau: „Vom HSV bin ich so weit weg wie die Erde vom Mars. Als allererstes muss die Mannschaft lernen, zu laufen und zu kämpfen, so wie Freiburg und Nürnberg das vormachen. Offenbar ist es aber schwer, den Spielern diese Mentalität einzupflanzen. Ich kann den Fans nur raten, ihr Geld lieber in ein vernünftiges Oberligaspiel zu investieren.“

 

Ralf Palapies, Trainer des SV Rugenbergen: „Die Mannschaft ist wie ein Flickenteppich: Jeder Trainer und Sportchef der vergangenen Jahre hat mal ein paar Spieler verpflichtet oder wieder verkauft. Die passen aber nicht zusammen. In der öffentlichen Darstellung tritt man von einem Fettnäpfchen ins nächste. Ich halte es für falsch, das Braunschweig-Spiel als das ‚Spiel des Jahres‘ oder ‚Endspiel‘ zu bezeichnen. Es gibt noch 13 weitere Partien, die genauso wichtig sind. Wir alle hoffen, dass sich der HSV rettet und dann endlich aus seinen Fehlern lernt.“

 

Peter Ehlers, Trainer TSV Uetersen und einst Spieler beim HSV II: „Beim HSV müssen endlich alle an einem Strang ziehen. Aus meiner Sicht ist es zweitrangig, wer als Trainer auf der Bank sitzt. Es ist viel wichtiger, dass  im gesamten Verein Ruhe einkehrt und der Fokus auf den Klassenerhalt gerichtet wird.“

 

Uwe Sals, Trainer SC Ellerau: „Mit Besserwisserei und klugen Ratschlägen ist dem HSV nicht geholfen. Das gilt auch für die Presse. Wir Außenstehenden haben doch gar kein Detailwissen.“

 

 

 Helge Melzer, Präsident des FC Elmshorn: „Ich finde es falsch, mitten im Abstiegskampf Experimente mit jungen Spielern wie Ouasim Bouy oder Ola John zu wagen. Jetzt braucht man Erfahrung auf dem Platz! Zudem muss sofort ein vierwöchiges Redeverbot für alle Aufsichtsratsmitglieder erlassen werden. Er muss sich künftig aus der Arbeit des Vorstandes komplett raushalten – frei nach dem Motto: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“

 

Eugen Igel, Hamburger Trainer-Ikone, zehn Mal Hamburger Meister, zuletzt Teammanager beim FC Elmshorn: „Mein Glaube an den Klassenerhalt ist beinahe erloschen. Der HSV ist ein Pulverfass. Als Trainer würde ich mir ein Engagement in Stellingen nicht antun. Der Verein trifft seit Jahren eine Fehlentscheidung nach der nächsten.“

 

Peter „die Eiche“ Nogly, ehemaliger Trainer des Wedeler TSV, als Spieler Deutscher Meister mit dem HSV 1979 und Europapokalsieger 1977: „Da ich beim HSV nicht in der Verantwortung stehe, möchte ich auch von außen keine Ratschläge geben. Wenn von außen ständig draufgehauen wird, belastet das die Mannschaft nur. Das einzige, was ich sagen kann ist, dass man es aus meiner Sicht in der Winterpause versäumt hat, die richtigen Maßnahmen auf dem Transfermarkt zu treffen. Als HSVer bin ich natürlich über die aktuelle Situation erschrocken, aber ich gucke dennoch jedes Spiel und denke, dass es für uns in der 1. Liga weitergeht – notfalls müssen wir uns über die Relegation retten.“

 

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg: „Ein Trauerspiel, was da in Vorstand und Aufsichtsrat vor sich geht. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Bei den  Bayern ist jede Position mit ehemaligen Leistungsträgern besetzt, das wurde beim HSV versäumt. Seit dem Abgang von Sportchef Beiersdorfer fehlt es an Fußballkompetenz. Bert von Marwijk ist eine arme Sau, trotzdem muss jetzt ein Trainerwechsel her, um einen Impuls zu setzen. Die Hoffnung schwindet. Wenn es heute für Braunschweig nicht reicht, weiß ich auch nicht mehr weiter.“

 

Andreas Wilken, Abteilungsleiter Blau-Weiß 96, war gegen Bayern München im Stadion: „Ich bin ein Verfechter demokratischer Grundsätze. Aber ein Wirtschaftsunternehmen wie der HSV braucht einen kleinen Diktator, der alle Macht bündelt und klar sagt, wo es lang geht.“

 

Bernd Bressem, Trainer des TSV Holm, früher HSV-Profi, war gegen Bayern München im Stadion: „Dem Club fehlt ein Mann mit Aura wie es früher Ernst Happel war. Zu dem haben wir damals hoch geguckt. Und wir hatten Angst,  unseren Job zu verlieren, wenn wir nicht spuren. Doch die Zeiten haben sich geändert. Beim HSV ist zu wenig gewachsen. Den Spielern wird das Geld nachgeworfen. Einer muss jetzt auf den Tisch hauen. Diese Veränderung muss sofort kommen.“
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen