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Getötete 18-Jährige : 400 Menschen verabschieden Lisa Marie in Tornesch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wegen der großen Anteilnahme wird die Trauerfeier vor die Kapelle übertragen: In Tornesch wird die umgebrachte 18-Jährige beerdigt.

shz.de von
erstellt am 04.04.2014 | 09:45 Uhr

Tornesch | „Warum? Wen sollen wir fragen mit unseren Tränen? Wir wissen nicht, was wir tun sollen.“ Mit diesen Sätzen versucht Pastor Winfried Meininghaus in Worte zu fassen, was wohl viele Menschen fühlen. Donnerstag Mittag nahmen Familie, Freunde, Nachbarn und Feuerwehrkameraden Abschied von Lisa Marie (†18). Fast 400 Menschen waren zur Friedenskapelle auf den Tornescher Friedhof gekommen.

„Es ist etwas sehr Schreckliches geschehen“, erinnert Pastor Meininghaus an den gewaltsamen Tod Lisa Maries. „Und wir alle müssen nun damit leben, dass sie nicht mehr da ist.“

Es ist keine gewöhnliche Beerdigung. Pastor Meininghaus spricht aus, was viele denken. Er spricht von einer unfassbaren Gewalttat. Er spricht über eine unerträgliche Jagd mancher Medien nach Bildern und Informationen aus dem privaten Umfeld der Angehörigen. Er sieht sich zu dem Appell genötigt, die Würde der Trauerfeier zu wahren, keine Bild- und Tonaufnahmen zu machen.

Es ist keine gewöhnliche Beerdigung. Die Anteilnahme unter den Menschen ist so groß, dass die Andacht mit Lautsprechern vor die Kapelle übertragen wird. Und auch der Vorplatz dort ist zu klein. Die Trauergäste stehen auf der Allee Richtung Haupteingang.

Sie alle sind gekommen: die Feuerwehrkameraden in ihren Uniformen und mit Fahnenabordnung, die Freunde und Kollegen von den Rettungsdiensten in ihrer Einsatzkleidung, die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr in blau-orangefarbenen Overalls, unzählige Schüler aus Tornesch. Sie stehen in Gruppen zusammen. Nehmen sich in die Arme, wenn die Tränen fließen. Halten Blumen in den Händen. Meininghaus spricht von dem großen Mitgefühl und der Solidarität, die so viele Menschen gegenüber der Familie Lisa Maries gezeigt haben.

Es ist keine gewöhnliche Beerdigung. Die Familie hatte darum gebeten, keine Trauerkleidung zu tragen. Und so kommen die Menschen in grauen Anzügen, im gedeckten Sakko, in Jeans und Pulli, oder in pinkfarbenen Hosen und T-Shirts.

Kein Requiem ist zu hören, keine schwere Orgelmusik. Statt dessen klingt Pop aus den Boxen. „Diamonds“ von Rihanna etwa. Und das so symbolhafte „Shine your light“, Titelsong des Films „Ladder 49“, der auf deutsch „Im Feuer“ heißt. In dem Actionstreifen geht es um Feuerwehrleute, die ihr Leben riskieren, um andere Menschen aus den Flammen zu retten.

Auch Lisa Marie gehörte zu den Feuerwehrleuten. „Sie war so stolz darauf. Anderen Menschen zu helfen, war zum großen Thema für sie geworden“, erinnert Meininghaus an das Engagement der jungen Frau, die auch in der Sozialarbeit aktiv war. „Ihre Fröhlichkeit machte sie zu jemandem, den man gern um sich hat.“

Ihre Angehörigen haben zusammengetragen, wofür der Name Lisa steht: für „L“ wie Lebensfreude, für „I“ wie Intelligenz, für „S“ wie Selbstbewusstsein und für „A“ wie Aufmerksamkeit.

Pastor Meininghaus zitiert aus einem Text, den eine Freundin Lisa Maries verfasst hat: „Wenn du dort oben sitzt und auf uns herabschaust, denkst du sicher, weint nicht wegen mir.“ Und wenn die Popsongs laufen, huscht hier und da ein Lächeln über die Gesichter.

„Shine your light“ – das heißt auf deutsch etwa „Lass dein Licht erstrahlen“. Und so schließt Meininghaus seine Andacht: „Shine your light: In diesem Sinne wollen wir uns aufmachen, Lisa zu ihrer letzten Ruhestätte zu bringen.“

Am Grab steigen bunte Ballons in den Himmel. Auf der Schleife eines Kranzes steht: Ein Engel geht auf Reise.

Es war keine gewöhnliche Beerdigung.

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