zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

21. August 2017 | 18:19 Uhr

Uetersen : „Meine Hand ist ausgestreckt“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach der Stichwahl am 5. Oktober: Uetersens alte und neue Bürgermeisterin Andrea Hansen spricht über Ziele für die nächsten sechs Jahre.

Uetersen | Andrea Hansen ist am vergangenen Sonntag als Bürgermeisterin in ihrem Amt bestätigt worden. Sie setzte sich in der Stichwahl deutlich gegen ihren Herausforderer Andreas Faust (CDU) durch. Im Interview spricht sie über das schwierige Verhältnis zu Teilen der Politik, ihre Ziele für die kommenden sechs Jahre und die finanzielle Misere der Rosenstadt.

Frage: Was bedeutet Ihnen der Sieg bei der Bürgermeisterwahl?
Hansen: Ich freue mich, dass ich meine begonnene Arbeit weiterführen kann. Da geht es ums Säen und Ernten: Für nachhaltige Fortschritte braucht man zwölf Jahre. Außerdem bin ich froh, dass ich auch in Zukunft gemeinsam mit meinem Team im Rathaus, mit den Politikern und Bürgern etwas bewegen darf. Das dürfte in meiner zweiten Amtszeit einfacher werden, da jetzt jeder weiß, wie der andere tickt.

Was haben Sie sich für die kommenden sechs Jahre vorgenommen?
Uetersen soll auch in Zukunft eine starke, solidarische und bunte Stadt mitten in der Metropolregion Hamburg bleiben, die jedem ein Zuhause bietet. Deshalb sind mir Themen wie Hilfe für Flüchtlinge und bezahlbarer Wohnraum sehr wichtig. Moderate Investitionen in Bildung und Kultur gehören dazu. Und wir stärken das Stadtmarketing. Große Sprünge kann ich aufgrund der Haushaltskonsolidierung nicht versprechen. Dank des großen ehrenamtlichen Engagements vieler Bürger und zahlreicher Unternehmen bewegt sich aber trotz Finanznot immer noch viel in unserer schönen Stadt.

Wie kann die finanzielle Situation der Stadt verbessert werden?
Zunächst erwarte ich, dass der Landtag im November uns und den anderen Städten endlich eine faire Finanzgrundlage verschafft. Uetersen darf nach der Neuregelung des kommunalen Finanzausgleichs schon 2015 eine halbe Million Euro mehr pro Jahr erwarten – die Leistungen, die unsere Stadt für das Umland erbringt, sind ja auch erheblich. Unser Schuldenstand liegt aber bei rund 20 Millionen Euro. Es führt also kein Weg an Einnahmeverbesserungen und einem eisernen Sparkurs vorbei.

Außerdem werden wir schauen, welche Kooperationen möglich sind. So könnten wir etwa mit Tornesch einen Schul- beziehungsweise Bildungszweckverband gründen, um unter anderem das gemeinsame Schwimmbad auch gemeinsam zu finanzieren. Davon würden beide Seiten profitieren. Das Bad muss aus meiner Sicht auf alle Fälle erhalten bleiben.

Wie kann der finanzielle Spielraum vergrößert werden?
Der Bund und das Land sind da gegenüber den Kommunen in der Pflicht. Die Ideen der Bürger sind weiter gefragt. Eine Möglichkeit ist, auch Wohnraum für einkommensstärkere Familien zu schaffen, um höhere Steuereinnahmen zu erzielen. Außerdem müssen wir wie alle Kommunen hoffen, dass sich die Konjunktur weiterhin positiv entwickelt und die Gewerbesteuern fließen. Wir unterstützen die Firmen, die schon in Uetersen sind. Größere Ansiedlungen neuer Unternehmen sind leider kaum möglich, weil die geeigneten Flächen fehlen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir regionale Wirtschaftsförderung betreiben, um Arbeitsplätze in der Region zu halten. Die Investitionen der Windenergiebranche sollten wir vor Ort nutzen.

Das Verhältnis zwischen Teilen der Politik und der Verwaltung ist angespannt. Wie kann es verbessert werden?
Vertrauensbildung ist ein Langzeitprojekt, daran müssen wir weiter gemeinsam arbeiten. So werde ich im kommenden Jahr die regelmäßigen Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden fortführen. Der Wahlkampf ist nun vorbei. Alle Beteiligten wissen, dass sie auch die kommenden sechs Jahre miteinander auskommen müssen. Letztendlich bin ich aber optimistisch, dass die Zusammenarbeit klappt – das zeigen ja auch die Arbeitsergebnisse meiner ersten Amtszeit. Reibungspunkte gehören zur Politik dazu. Wir müssen nur lernen, konstruktiver zu streiten. Meine Hand ist jedenfalls ausgestreckt: Wir werden sehen, wer einschlägt.

Ein Dauerbrenner ist der Ausbau der Kreisstraße 22. Was erwarten Sie vom Kreis und vom Land?
Teamarbeit. Ich wünsche mir, dass in zwei Jahren die ersten Bagger rollen und die Straße 2019 fertig ist.

Wieso ist die Straße für Uetersen so wichtig?
Der Verkehr würde besser fließen, und wir hätten die Möglichkeit, neue Gewerbeflächen auszuweisen. Die K 22 ist für die Erschließung zwingend notwendig und würde auch den übrigen Schwerlastverkehr aus dem Ort ziehen. Der Ausbau ist also zugleich Entlastung und Wirtschaftsförderung.

Was wollen Sie im Vergleich zur ersten Amtszeit ändern?
Das Wählervotum war eine klare Bestätigung meiner Arbeit. „Weiter so“ ist also kein Schimpfwort. Uetersen ist eine schöne Stadt, die sehr viel zu bieten hat. Schritt für Schritt entwickeln wir uns weiter. Und dabei dürfen gerne noch mehr anpacken.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit als Bürgermeisterin?
Die Vielfältigkeit, die Teamarbeit und die Bürgernähe. Ich erlebe jeden Tag etwas Neues.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen